Kemmern

Den inneren Schweinehund überwinden: Läufer geben Tipps

Minusgrade und kurze Tage – die Sportschuhe verstauben im Keller. Nicht so bei den Läufern des SC Kemmern. Auch in den Wintermonaten trifft sich die Gruppe zum regelmäßigen Training – und motiviert sich gegenseitig.
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Die Laufabteilung des SC Kemmern bricht zu ihrer 14-Kilometer-Trainingsstrecke auf. Abteilungsleiter Klaus Geuß (links) und Läuferin Martina Eigner-Loch (Dritte von rechts) führen ihre Gruppe an.  Foto: Ronald Rinklef
Die Laufabteilung des SC Kemmern bricht zu ihrer 14-Kilometer-Trainingsstrecke auf. Abteilungsleiter Klaus Geuß (links) und Läuferin Martina Eigner-Loch (Dritte von rechts) führen ihre Gruppe an. Foto: Ronald Rinklef

Temperaturen um den Gefrierpunkt – vor den Mündern bilden sich Dampfwolken. Menschen in Laufkleidung: Joggingschuhe, Termohosen, Handschuhe, grellbunte Jacken, Schlauchschals, Wintermützen und Stirnlampen. Es ist dunkel und nass – die Läufer begrüßen sich und witzeln. Gleich geht es los: Die Laufabteilung des SC Kemmern absolviert ihre 14-kilometerlange Trainingsroutine. Innerhalb der Gruppe gibt es eine große Bandbreite. Vom Leistungssportler bis zum Hobbyläufer ist alles vertreten. Gerade Letztere stellen sich immer wieder diese eine Frage: Wie überwinde ich meinen inneren Schweinhund?

Insbesondere im Winter fällt es vielen schwer, sich aufzuraffen. "Es ist leichter, wenn man einen Freund oder Kollegen dabei hat", sagt Martina Eigner-Loch, die mit fünf Vereinskollegen zur Abendrunde aufbricht. Die 48-Jährige begann vor mehr als zehn Jahren mit dem Laufsport und läuft mittlerweile Marathon. "Ich war nicht sportlich – habe geraucht wie ein Schlot. Irgendwann habe ich die Zigaretten in den Müll geworfen und bin gelaufen", beschreibt sie ihren Lebenswandel. Aller Anfang war auch für sie schwer: "Bei meiner ersten Laufeinheit im Verein waren nur Männer dabei. Da wollte ich mir keine Blöße geben, obwohl es schwierig war. In der Gruppe ziehst du mit – das geht. Ich hab' mich durchgebissen." Irgendwann schalte man als Läufer einfach den Kopf aus und setze ein Bein vor das andere. "Oftmals seien die Anfangskilometer recht zäh. Ab Kilometer vier hast du dann jedoch deinen Rhythmus", weiß Eigner-Loch. Heute scheint sie diesen auch gefunden zu haben: Sie läuft vorne weg.

In der Kälte dampfen die Körper der sehnigen Sportler. Sie atmen gleichmäßig. Einige unterhalten sich sogar. Das Blut pulsiert und macht die Kälte vergessen. Der Kopf schaltet aus – die Beine laufen von allein. Etwa die Hälfte ist geschafft. Gerade für die letzten Etappen sei es wichtig, positiv zu denken, sagt Eigner-Loch. Statt zu klagen, solle man sich freuen, dass bereits über die Hälfte der Distanz bewältigt ist.

Belohnung als wichtiger Baustein

Eine starke Motivation für die Gundelsheimerin ist die Belohnung für ihre Läufe. So könne sie sich auch mal etwas gönnen, ohne auf die Kalorien achten zu müssen. "Da hat man kein so schlechtes Gewissen, wenn man mal einen Presssack isst", schmunzelt sie. Ihr Abteilungsleiter Klaus Geuß sieht das ähnlich: "Nach einem ordentlichen Lauf freust du dich auf die Brotzeit danach." Augenzwinkernd fügt er hinzu: "Ein kaltes Bier ist dann auch mal drin."

Beim Laufsport gebe es für ihn kein schlechtes Wetter. "Laufen kannst du immer. Passende Kleidung – die Schuhe an und dann raus", sagt der 54-Jährige. Mit seinen 35 Jahren Erfahrung und dem Gewinn diverser Meisterschaften weiß der Kemmerner, wovon er spricht. Vor seiner Läuferkarriere war er im Fitnessstudio – "irgendwann musste ich raus", beschreibt er den Schritt zum Laufsport an der frischen Luft.

Tipps für Laufeinsteiger

Neulingen empfiehlt Geuß folgenden Rhythmus: drei Minuten joggen – eineinhalb Minuten gehen – drei Minuten joggen – eineinhalb Minuten gehen. Das Verhältnis 2:1 könne mit der Zeit beliebig gesteigert werden, ehe Distanzen von wenigen Kilometern durchgehend bewältigt werden. Die "24-Stunden-Strecke" zwischen dem alten Bamberger Hallenbad und der Bugspitze legt er Einsteigern ans Herz. Dort findet der Läufer an den kurzen Wintertagen eine durchgehende Straßenbeleuchtung vor und kann entlang des Main-Donau-Kanals eine ebene Asphaltstrecke nutzen.

Der letzte Abschnitt der Kemmerner Trainingsstrecke verläuft ebenfalls auf asphaltiertem Belag. Als die Läufer am SCK-Sportheim ankommen, klatschen sie sich ab. 14 Kilometer sind geschafft – den vermeintlich widrigen Umständen zum Trotz. "Wenn du ankommst – besonders nach einem Wettkampf – dann ist das ein purer Glücksmoment", beschreibt Eigner-Loch die letzten Meter von Langstreckenläufen. Die sind aus Geuß´ Sicht das beste Mittel gegen die Extrakilos der Weihnachtsfeiertage: "Laufe langsam und lang – dann haut's die Pfunde runter."

Die Lauflegenden Dieter Baumann und Carsten Eich geben weitere Hinweise für den Winter:

Ausrüstung Das A und O der Lauf-Ausstattung sind nicht nur im Winter gute Schuhe mit anständigem Profil - im besten Fall zwei Paar, damit man durchwechseln kann.

Kleidung Der Handel bietet eine Fülle von High-End-Textilien an, für die man ein Vermögen ausgeben kann. Billiger fährt/läuft man, wenn man sich nach dem Zwiebel-Prinzip kleidet: je kälter desto mehr Schichten. Für diesen Zweck tut es auch der günstige Funktionsstoff.

Sicherheit Da selbst auf Feldwegen oft Fahrzeuge unterwegs sind, ist für den Läufer in den dunklen Monaten das Gesehen-Werden wichtig. Schon die Pannenweste aus dem Auto leistet gute Dienste, eine Stirnlampe ist in der Nacht ein Muss.

Aufwärmen Gemütlicher Dauerlauf gilt als ideales Aufwärmtraining. Wer den Schwerpunkt beim Training auf das Laufen an sich legt, tut gut daran, sich im Sommer und besonders im Winter vor dem Start ein wenig locker und warm zu machen. Kalte Gelenke, Sehnen und Muskeln sind anfällig. Dehnen wirkt vorbeugend.

Tempo Der Winter ist keine gute Jahreszeit, um Bestzeiten zu laufen. Das heißt nicht, dass Winter-Training nicht effektiv ist, im Gegenteil. Langsame, dafür längere Läufe sind ein Jungbrunnen für Herz und Kreislauf. Beim Training ohne rasenden Puls trainiert man optimal die Grundlagenausdauer - im Frühling wird durchgestartet.

Schnee Ein Lauf im Schnee ist auch ohne Langlaufskier ein Genuss. In der verschneiten Landschaft kommt man sich vor wie Amundsen auf dem Weg zum Südpol. Schnee hat guten Grip, die Rutschgefahr ist kleiner als man gemeinhin annimmt. Allerdings zählen zwei Schritte im Schnee so viel wie normalerweise einer - das Laufen ist anstrengender, aber umso effektiver.

Kälte Richtig angezogen und vorgewärmt, gibt es eigentlich keine Temperatur, die den Läufer vom Laufen abhält. Bei zweistelligen Minusgraden freilich bewegt man sich im Grenzbereich. Vor allem die kalte Atem-Luft kann dann zu Problemen führen.

Eis Das einzige Argument neben starkem Wind, dass als "Ausrede" für den Läufer wirklich zieht. Eisregen oder gefrorenes Tauwasser verwandeln selbst unbefestigte Wege in eine Eisbahn, und da ist dann selbst ein Lauf mit Spikes an den Schuhen Russisches Roulette. In so einem Fall lieber einen Ruhetag einlegen oder eine Runde im Schwimmbad mit Sauna danach.

Gruppe Die wohl beste Motivation für das Wintertraining ist die Teilnahme an einem Lauftreff. Es gibt feste Termine, bekannte Strecken und nette Leute, die einen mitziehen. Los geht's!

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