Friesen
Bauleitplanung

Debatte um Grünstreifen in Friesen

Ein neutrales Gutachten soll die Zukunft eines 2,6 Hektar großen Grünstreifens am Ostrand von Friesen definieren. Bürger drohen mit juristischen Schritten gegen eine Nutzungsänderung.
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Was wird aus dem 1994 für 1,1 Millionen Deutsche Mark erworbenen Grundstück der ehemaligen Landschaftsgärtnerei Vogt? Ein neues Baugebiet für junge Familien oder bleibt es eine naturbelassene Pufferzone zwischen dem östlichen Ortsrand von Friesen und dem Landschaftsschutzgebiet "Fränkische Schweiz - Veldensteiner Forst"? Diese Streitfrage hat ein im vorigen Jahr von der Fraktion der Freien Wähler gestellter Antrag ausgelöst.

In der Zwischenzeit formiert sich in der gut 300-köpfigen Bevölkerung von Friesen heftiger Widerstand. Die neue Bürgerinitiative "Grünes Herz Friesen" hat über 700 Unterschriften aus ganz Hirschaid gesammelt, um den Erhalt der Grünfläche und ein Konzept für die ökologische Aufwertung zu fordern. Der Marktgemeinderat hatte sich jetzt mit dem Antrag des von 18 Personen gegründeten Vereins zu beschäftigen, die 2,6 Hektar große Fläche ins Öko-Konto von Hirschaid einzubuchen. Dann könnte es zum Ausgleich für Bodenversiegelungen durch Baumaßnahmen gegengerechnet werden.

Dem stehen allerdings finanzielle Überlegungen im Wege: Die Fraktion der Freien Wähler will durch die Verwertung einer Teilfläche als Bauland für junge Familien das tote Kapital aktivieren. Hirschaid ist knapp bei Kasse und könnte einen Mittelzufluss gut gebrauchen.
Immerhin sind fürs Haushaltsjahr 2013 Erhöhungen der Gemeindesteuern im Gespräch.

"Wäre noch mehr wert gewesen"


Andreas Schlund (CSU), selbst Bewohner von Friesen, war schon Bürgermeister von Hirschaid, als das Areal gekauft worden ist. Man wollte die in Finanznot geratene Landschaftsgärtnerei Vogt unterstützen und gleichzeitig das Bauerwartungsland erweitern, erklärte Schlund den stolzen Preis für eine Fläche, auf der zuletzt Damwild gezüchtet worden ist.

Die vormalige Eigentümerin Roswitha ("Grete") Vogt meint allerdings aus heutiger Sicht, dass das Grundstück einen noch höheren Preis wert gewesen wäre. Das zu der Firma gehörende Areal sei nämlich bei der Flurbereinigung im Ausgleich mit anderen Flächen entstanden und für die landwirtschaftliche Nutzung wertvoll gewesen: Das darauf gezüchtete und selbst an Endverbraucher vermarktete Damwild sie sehr begehrt gewesen.

Als finanzielle Schwierigkeiten im Zusammenhang mit einer Bürgschaft der Eheleute Vogt für einen ihrer Söhne auftraten, habe die Raiffeisenbank Bamberg den Verkauf der Immobilie in Friesen "erzwungen". Der Bürgermeister habe dabei mitgewirkt, sagte die ehemalige Firmeninhaberin dem FT. Sie lebt heute in sehr bescheidenen Verhältnissen in der Sächsischen Schweiz und möchte mit ihrem kranken Mann Manfred gerne wieder nach Hirschaid zurückkehren.

Mit Sondergenehmigung


Die Vogts mussten zusehen, wie ihr erst wenige Jahre alter Bungalow einschließlich der angrenzenden Fläche versilbert wurde, um die Gläubiger zu befriedigen. Vor allem der mit dem Bungalow bebaute Bereich sei sehr begehrt gewesen, weil er aufgrund der landschaftlichen Gegebenheiten schon nur dank einer Sondergenehmigung errichtet werden durfte. Für die übrigen Flächen habe eine absolute Bausperre gegolten, erinnert sich Roswitha Vogt. Der Bungalow in exponierter Lage wechselte von der Bank an den Bauunternehmer und Kreisrat Pfister und schließlich an die Familie Jámbor, die derzeitigen Eigentümer und Bewohner.

Die werden jetzt allerdings aus ihrem kleinen Paradies aufgeschreckt. Die Ärztin Csilla Jámbor räumt gegenüber unserer Zeitung ein, dass es ihr und einigen anderen Friesenern im Kampf um den Erhalt des naturnahen Puffers zum Landschaftsschutzgebiet auch um ihre privaten Interessen geht. Das sind Ruhe und Erbauung, Lurch und Fledermäuse als Nachbarn.

Die Wissenschaftlerin führt mittlerweile als Vorsitzende des Vereins "Grünes Herz Friesen" den Kampf gegen die Nutzungsänderung an und ist persönlich bereit, sich finanziell zu engagieren, um die Fläche als Grünland zu erhalten. Jámbor bemüht sich bereits um die Anerkennung der Gemeinnützigkeit des neuen Vereins, weil man auch Spenden einsammeln müsse, um eventuell juristisch, bis hin zu einer Normenkontrollklage, gegen die Baugebiets-Ausweisung einschreiten zu können.

Der im Marktgemeinderat von Kilian Prell (WG Hirschaid) unterbreitete Vorschlag, die um den Schutz der Fläche bemühten Bürger zu einem Kaufangebot zu bewegen, stößt bei Jámbor durchaus auf offene Ohren. Man habe daran in der Bürgerbewegung auch schon gedacht, verriet sie dem FT.

Studie in Auftrag gegeben


Die ökologische Bedeutung des Areals unterstreicht die Bürgerinitiative durch ein detailliertes, naturschutzfachliches Gutachten der bbv-Landsiedlung. Eine weitere Expertise, deren Urheberschaft (noch) nicht bekannt geworden ist, kommt zu dem Ergebnis, dass die für die Bebauung ins Auge gefasste Teilfläche von 9000 Quadratmetern für ein Dutzend Häuser nur unter erheblichem Kostenaufwand erschlossen werden könnte.

50 bis 80 Euro Erschließungskosten pro Quadratmeter würden entstehen, weisen die Bürger unter Berufung auf das anonyme Planungsbüro nach. Problematisch und kostenträchtig seien vor allem die Anbindung an das Ortsstraßennetz und bei Starkregen die Entwässerung des Geländes.

Während Josef Haas (SPD) die "absolute Notwendigkeit des Schutzes" sieht, fand ein von den Fraktionsvorsitzenden des Marktgemeinderates vereinbarter Zwischenschritt eine deutliche Mehrheit: Bei drei Gegenstimmen wurde ein Burghaslacher Architekturbüro beauftragt, für das Grundstück eine städtebauliche Entwicklungsstudie zu erstellen. Dabei sollen die bestehende Bebauung und die Vorgaben des Flächennutzungs- und Landschaftsplanes berücksichtigt werden.

Die Bürger sollen im Dialogverfahren beteiligt werden. Es gilt, die Erschließungsvarianten und die Kosten für den Straßenbau, die Wasserver- und Abwasserentsorgung darzustellen und eine Umweltverträglichkeits-Prüfung durchzuführen. Geleistete Voruntersuchungen sollen in der Studie kritisch gewürdigt werden.

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