Bamberg
ÖPNV-Serie

Das Umsteigen erleichtern - Maßnahmenpaket zur Stärkung des ÖPNV in Bamberg

Um die Autos aus der Innenstadt zu locken, hat die Bamberger Groko drei Maßnahmen auf den Weg gebracht, die bereits ab 30. November umgesetzt werden sollen.
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Foto: Ronald Rinklef, Grafik: Michael Haller
Foto: Ronald Rinklef, Grafik: Michael Haller

Claudia Müllich sitzt auf einer Bank am Zentralen Omnibusbahnhof (ZOB) und wippt gelangweilt mit dem linken Bein. Ihr Blick huscht zwischen dem bunten Treiben der Schüler um sie herum und der Anzeigetafel mit den Bus-Abfahrtszeiten hin und her. Müllich muss umsteigen, wenn sie nach der Arbeit nach Hause in die Gartenstadt fahren will. "Immer über den ZOB ist schon blöd, meistens laufe ich hierher, weil es schneller geht", erzählt sie. Ihrer Tochter, die die Maria-Ward-Schule besucht, gehe es genauso.

Entsprechend gelegen kommt beiden ein Maßnahmenpaket zur Stärkung des ÖPNVs im Bamberger Stadtgebiet, auf das sich CSU, SPD, FDP und BuB geeinigt und am Dienstag bei einem gemeinsamen Pressetermin vorgestellt haben. Unter anderem soll bereits ab 30. November eine Ringlinie um die Inselstadt fahren - was die Probleme der Müllichs und vieler anderer Bamberger lösen würde. "Das wäre schon super", freut sich Müllich. "Das wird auch beschlossen und umgesetzt", ist sich CSU-Fraktionsvorsitzender Helmut Müller sicher. Denn er und sein SPD-Kollege Heinz Kuntke sitzen im Aufsichtsrat der Stadtwerke. Zudem haben die Fraktionen, die sich auf das Paket geeinigt haben, eine Mehrheit im Stadtrat.

Von den Parkhäusern in die Stadt

Die Ringlinie soll die etwas weiter entfernten Parkhäuser abklappern, um einen Anreiz zu schaffen, nicht mit dem Auto in die Innenstadt zu fahren. An der Konzert- und Kongresshalle ist der Start- und Endpunkt geplant, von dort aus geht es über den Markusplatz und die Löwenbrücke durch die Königstraße in die Willy-Lessing-Straße bis zum Schönleinsplatz. Von dort dann über die Lange Straße wieder zum Markusplatz und zur Konzerthalle. Die Busse sollen die Route im Zehn-Minutentakt abfahren, fünf Parkhäuser liegen an der Strecke. "An der Konzerthalle gibt es zum Beispiel oft freie Kapazitäten, im Gegensatz zum Parkhaus am Maxplatz", begründet Martin Pöhner (FDP) die Idee. Entsprechend ließe sich die Linie zumindest teilweise durch höhere Parkeinnahmen finanzieren. Mehrkosten sollen nicht die Stadtwerke tragen müssen, sondern aus dem städtischen Haushalt querfinanziert werden, was Müller (CSU) als "Paradigmenwechsel" bezeichnet. Kuntke würde gerne noch die Wunderburg und das Haingebiet an die Ringlinie anschließen, über etwaige Schleifen sind sich die Parteien aber noch uneinig. Noch nicht spruchreif ist auch die Idee, Elektrobusse auf der neuen Strecke zu testen.

Ebenfalls unklar ist, ob die neue Linie kostenlos angeboten werden kann. "Wir streben das an", sagt Müller. Dazu müssten aber noch der Verkehrsverbund Großraum Nürnberg (VGN) und die Regierung von Oberfranken zustimmen. BuB-Sprecherin Daniela Reinfelder findet kostenfreie Fahrten für Parkhaus-Nutzer sinnvoll, "weil die ja schon für das Parken bezahlt haben."

Adventssamstage kostenlos

In jedem Fall kostenlos wird das Busfahren an den vier Adventssamstagen sein, wie Müller versichert - im gesamten Stadtbusgebiet, das auch Bischberg, Gundelsheim, Hallstadt, Memmelsdorf und Stegaurach einschließt. Finanziert werden soll auch dieses Angebot aus dem städtischen Haushalt. Müller rechnet mit Kosten in Höhe von etwa 30 000 Euro. "Was für den Radverkehr bereit gestellt wird, sollte auch für die Stärkung des ÖPNV möglich sein", findet Kuntke.

Denn die Stärkung des Rad- wie des Busverkehrs habe dasselbe Ziel, über das sich alle Parteienvertreter einig sind: Die Autos aus der Innenstadt locken und den Aufenthalt im Zentrum dadurch attraktiver machen, was letztlich dem Einzelhandel zu Gute kommen soll.

Führerschein gegen Jahreskarte

Eine dritte Maßnahme zur Erreichung dieses Ziels bringt Daniela Reinfelder (BuB) ein: "Ältere Menschen, die ihren Führerschein freiwillig abgeben, bekommen dafür eine Jahreskarte für den Bus und können danach vergünstigt fahren." Ein Schritt, den Wolfgang Budde von der Arbeitsgemeinschaft der älteren Bürger Bambergs (Arge) begrüßt. Budde ist 66 Jahre alt, "und ich habe mir fest vorgenommen: Sobald meine Koordination und meine Reaktionsfähigkeit nachlassen, gebe ich den Führerschein ab. Wenn die Stadt diese vernünftige Entscheidung honoriert, freue ich mich", sagt er auf Nachfrage. Budde warnt allerdings davor, alten Menschen pauschal die Verkehrsfähigkeit abzusprechen, denn "Alter ist sehr verschieden. Aber so lange das nicht mit Druck und Zuschreibungen verbunden ist, ist es eine gute Idee."

Das Maßnahmenpaket soll laut Kuntke (SPD) auch zeigen, "dass wir trotz Wahlkampfs gemeinsam Dinge auf den Weg bringen können und handlungsfähig sind". Nicht mit einbezogen wurden die Stadtratsmitglieder der BA und der GAL. Fraktionsvorsitzender Wolfgang Grader (GAL) habe zwar nichts mitbekommen, begrüße aber die Stärkung des ÖPNVs in Bamberg. "Und es ist schön zu sehen, dass jetzt alle auf den grünen Zug aufspringen wollen. Aber wir sind das Original."

Kommentar: Ringen im Grünen

Greta-Poster an der Wand: Wer ist der Grünste im ganzen Land? Kurz vor dem Klimakollaps und vor allem kurz vor der Kommunalwahl überbieten sich die Parteien mit Vorschlägen, um den Anstieg des Meeresspiegels und der Umfragewerte für die Grünen zu stoppen. Das sorgt zwar nicht selten für Skepsis - und bei Fotos mit einem baumumarmenden Markus Söder bei mir auch für breites Schmunzeln - ist aber trotzdem gut und richtig so! Denn die Grünen alleine werden es nicht richten (können), weder im Großen, noch im kleinen Bamberg. Und wenn die Privatautos in meiner schönen Innenstadt weniger werden, freue ich mich. Egal, welche Parteien das auf den Weg bringen und wer der Grünste in der ganzen Welt(erbestadt) ist.

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