Bamberg
Diskussion

Das Thema Rente geht jeden an - Jungpolitiker diskutieren in Bamberg

Vier Bamberger Jungpolitiker haben sich mit VdK-Präsidentin Verena Bentele über Zukunftsfragen ausgetauscht.
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Rund 80 Zuhörer verfolgten im Klemens-Fink-Zentrum die Diskussionsveranstaltung von VdK und FT.  Fotos: Matthia Hoch
Rund 80 Zuhörer verfolgten im Klemens-Fink-Zentrum die Diskussionsveranstaltung von VdK und FT. Fotos: Matthia Hoch
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Die vier Jungpolitiker hatten die Positionen ihrer jeweiligen Partei intus und vertraten diese in der Diskussion zum Thema "Mit 20 schon an Rente denken!" wie alte Hasen. Allerdings mit viel Leidenschaft und ohne Worthülsen. Das überzeugte die vielen Besucher gemischten Alters im Klemens-Fink-Zentrum, die der Einladung des Sozialverbandes VdK und des Mitveranstalters Fränkischer Tag gefolgt waren. Es gab Beifall für alle und eine grüne Karte, also die Zustimmung, zu der Abschlussfrage, ob die Diskussion weiter geführt hat.

Dank der zügigen Moderation von FT-Redaktionsleiter Michael Memmel geriet der Schlagabtausch nicht in nebulösen Politikersprech. Jan Pfadenhauer (Stellvertretender Vorsitzender Junge Union Bamberg-Stadt), Vitus Mayr (Vorsitzender Jusos Oberfranken), Marco Strube (Kreisvorsitzender Junge Liberale Bamberg) und Tim-Luca Rosenheimer (Vorsitzender Grüne Jugend Oberfranken, Mitorganisator "Fridays for Future") hatten zudem eine dynamische Gesprächspartnerin: VdK-Präsidentin Verena Bentele. Sie stellte eingangs die Kampagne ihres Verbandes "#Rente für alle" vor und debattierte dann bei diesem "spannenden Megathema Rente, für das man Mut braucht" mit.

Rente mit 70 nötig?

Zu den Forderungen desVdK gehört nach Benteles Worten die Einbeziehung aller Erwerbstätigen in die gesetzliche Rentenversicherung, also auch Beamte, Selbstständige und Politiker. Die VdK-Präsidentin bezog sich dabei auf das "funktionierende österreichische Modell". Einer Rente mit 70 erteilte Bentele eine klare Absage: "Das ist ein Kürzungsprogramm, und das schaffen nicht alle wie zum Beispiel die Pflegekräfte!" Auch das Rentenniveau zu senken, sei keine Lösung. Die Rednerin plädierte für die Einführung einer Vermögenssteuer sowie einer Grundrente: "Die Politik muss die Weichen stellen, damit die gesetzliche Rente sicher bleibt, sie ist das Fundament, auf dem wir weiter arbeiten müssen", so Bentele.

Die Parteienvertreter bezogen klar Stellung. Jan Pfadenhauer (18 Jahre) von der Jungen Union sieht "die einzige Chance in der Rente mit 70 mit Ausnahmen wie etwa für Dachdecker". Nur wenn das Eintrittsalter in die Rente angehoben werde, "ist diese sicher", zumal die durchschnittliche Rentenbezugsdauer bei 19 Jahren liege und die Bevölkerung immer älter werde. Eine Grundrente für jeden ist für den Unionsvertreter "ein Füllhorn und Geldverbrennung für Leute, die sie nicht brauchen". Wenn Grundrente, dann nur mit Bedürftigkeitsprüfung, so Pfadenhauer.

Für den Jungliberalen Marco Strube (18) steht die private und betriebliche Altersvorsorge im Vordergrund. Denn seiner Meinung nach "ist die gesetzliche Rente nicht sicher". Eine Vermögenssteuer lehnt der Jungliberale ab: "Die ist mir zu viel Eingriff ins Private und wurde schon als verfassungswidrig eingestuft". Er sei viel mehr "gegen eine Besteuerung von Renten" und zeigte sich überzeugt, dass jeder "ein paar Euro für die private Vorsorge zurücklegen kann."

Vitus Mayr (22) von den Jusos wagte keine klare Prognose: "Es ist relativ unsicher, wie sich die Rente entwickelt in 45 Jahren." Er sei jedoch "optimistisch, dass etwas geht". Der Sozialdemokrat will eine "Grundrente ohne Bedürftigkeitsprüfung". Allerdings könne es sinnvoll sein, "über Einkommensgrenzen zu diskutieren".

Mayr machte sich die VdK-Forderung nach einer "Rente für alle" zu Eigen: "Die ist ein richtiger Schritt und sorgt für mehr Gerechtigkeit." Ein weiterer Schritt könne eine Erbschaftssteuer sein. "Wir haben eine leistungslose Anhäufung von Vermögen durch Erbschaft." Das brachte Mayr eine Replik von Jan Pfadenhauer ein: "Eine Erbschaftssteuer ist praktisch nicht umsetzbar, denn das Geld steckt in Familienbetrieben und Immobilien."

Grüner fordert Grundeinkommen

Auch für Tim-Luca Rosenheimer (20) liegt die Zukunft der gesetzlichen Rente im Ungewissen. Der Grüne sieht in der Rente "mit 63, 65 und nicht mit 70" eine "Grundförderung" und verlangte "mehr staatliche Unterstützung" wie etwa ein "bedingungsloses Grundeinkommen für jeden" sowie "noch mehr Vermögensumverteilung". Das von Verena Bentele vorgestellte VdK-Paket hält Rosenheimer für "gut, es könnte Altersarmut verhindern". Außerdem sei er für eine "Grundrente für jeden" und einen "höheren Steuersatz für reichere Menschen". Eine Erbschaftssteuer könne er sich mit einem "gewissen Freibetrag" vorstellen.

Die Diskutanten brachten auch die Themen Mindestlohn, Kranken- und Pflegeversicherung sowie Pensionen ins Spiel. Doch diese komplexen Bereiche konnten nur angerissen werden. So sei als ein Fazit des Abends ein abschließendes Wort des jungen Vitus Mayr (Jusos) zitiert: "Die Arbeitswelt hat sich in den letzten Jahrzehnten gewandelt. Um die Zukunft zu sichern, müssen Alt und Jung zusammen anpacken."

Den allerletzten Ton hatte jedoch das Duo "Double Feature". Die beiden Musiker sorgten für ein beschwingtes Geleit auf dem Nachhauseweg.

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