Bamberg
Politik

Das sind Starkes Siege und Niederlagen

Andreas Starke will bis 2026 Bamberg lenken. In den vergangenen 13 Jahren hat er als Oberbürgermeister die Stadt schon wesentlich geprägt. Eine Bilanz.
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Strahlend und voller Tatendrang: Andreas Starke (Zweiter v.l.) als frisch gewählter Oberbürgermeister im Jahr 2006.  Fotos: Matthias Hoch, Barbara Herbst, Ronald Rinklef
Strahlend und voller Tatendrang: Andreas Starke (Zweiter v.l.) als frisch gewählter Oberbürgermeister im Jahr 2006. Fotos: Matthias Hoch, Barbara Herbst, Ronald Rinklef
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Welche positiven Entwicklungen hat Andreas Starke bestimmt? Welche negativen Folgen hat er verschuldet? Wir ziehen Bilanz mit Siegen, Unentschieden und Niederlagen.

Siege

Die Landesgartenschau 2012 mit dem neuen Erba-Park. Daraus entwickelte sich ein boomendes Stadtviertel.

Die Brose -Ansiedlung an der Breitenau stärkte die Stadt wirtschaftlich enorm.

Übernahme und Sicherung der Arena aus einer in Schieflage befindlichen Gesellschaft

Die Flaniermeile Sandstraße

Die Unteren Mühlen und das Sparkassen-Areal: Beide Brachen wurden wiederbelebt, zum Welterbezentrum und zum Quartier an der Mauer.

Das ehemalige Kloster St. Michael wird gerade für viel Geld saniert.

Bei den OB-Wahlen hat Starke zwei Mal den CSU-Mitbewerber distanziert.

Unentschieden

Bamberg ist eine Schwarmstadt: Die Wirtschaft entwickelt sich insgesamt positiv und bringt Arbeitsplätze, die Stadt Bamberg wächst. Die Folgen sind aber auch steigende Preise und eine zunehmende Entfremdung.

Bei der Ketten- und der Löwenbrücke waren die Kostensteigerungen beim Bau enorm. Aber vor allem die Kettenbrücke ist heute zum beliebten städtischen Aufenthaltsort geworden.

Millionen-Investitionen sind in die Verwaltung geflossen, mit dem Rathaus am Zentralen Omnibusbahnhof und dem Welterbezentrum. Gleichzeitig wird die Sanierung der Blauen Schule aber immer wieder nach hinten geschoben.

Der Neubau des Bambados blieb im Kostenrahmen, allerdings liegt das jährliche Defizit weit über den ursprünglichen Erwartungen. Dem Besuchererfolg der Saunalandschaft stehen die schwachen Zahlen im Bad gegenüber.

Das Defizit der Kernverwaltung schrumpft, allerdings wandern viele Kosten in die Tochterunternehmen der Stadt. Die Ertragslage der Stadtwerke ist gut, allerdings von Konkurrenten bedroht.

Der Tourismus boomt und die Besucherzahlen wachsen, allerdings sind für viele Stadtbewohner die Grenzen erreicht.

Niederlagen

Das Ankerzentrum hat OB Starke eher befördert als gebremst, anfangs mangelte es an einem Problembewusstsein vor allem bei der SPD.

Die Kriminalität steigt - auch in Folge der Flüchtlingszahlen.

Den Wohnungsmangel hat Starke zu spät erkannt und wenig erfolgreich gegengesteuert.

Die Konversion wurde glücklos angepackt. Wichtige Chancen der Stadtentwicklung, insbesondere für Wohnraum werden zur Zeit nicht genutzt.

Kein neues Verkehrskonzept ist erkennbar, eines der größten Probleme der Stadt wird ausgesessen statt angepackt.

Städtebauliche Schieflagen am Maxplatz und Bahnhofsvorplatz dauern an.

Beim Gewerbepark Muna hat Starke die Stimmungslage in Bamberg zu spät erkannt und dann nicht glaubwürdig gehandelt.

Kommentar von Michael Wehner und Michael Memmel:

Von Risiken und Nebenwirkungen

Über 13 Jahre unter Oberbürgermeister Andreas Starke waren kein hohler Fiebertraum. Nein, im Gegenteil! Es ist viel Reales passiert. Starke hat am Patienten Bamberg eifrig herumgedoktert, hier ein paar Arzneien verteilt, dort bei Schönheits-OPs durchgegriffen, schmerzhafte Amputationen weitgehend vermieden. So durchlief die Stadt eine große Verwandlung - teilweise auch trotz der verschriebenen Medikation vom Oberarzt.

Ähnliche Probleme, die ein Stadtoberhaupt nur diagnostizieren und kaum heilen kann, warten auf Starke oder seinen Bezwinger auch in der nächsten Amtsperiode von 2020 bis 2026. Für manche dieser Risiken gibt es schon Symptome: Erstens drohen wegen des Bahnausbaus jahrelange Sperrungen und mürrische Bürger auf Grund der chaotischen Verkehrssituation. Zweitens könnte sich die Wohnungsnot in der Welterbestadt weiter verschärfen. Drittens gibt es keine Sicherheit, dass das Ankerzentrum nicht länger besteht, als den Bambergern in Aussicht gestellt - das entscheiden vor allem die Chefärzte vom Freistaat. Viertens könnte die Krise der Automobilindustrie auch Bamberg mit seiner starken Orientierung auf Zulieferer treffen. Die Einnahmen durch Gewerbesteuern sind bereits eingebrochen.

Angesichts dieser Risiken erscheinen eine höchstwahrscheinlich schwierige Mehrheitsfindung im neuen Stadtrat und ein Einzug der AfD ins städtische Parlament eher wie harmlose Nebenwirkungen. Die richtigen Medikamente für alle Beschwerden zu finden, wird jedem Mediziner schwer fallen. Erfahrung könnte dabei helfen, aber auch Mut, etwas Neues auszuprobieren. Unbedingt helfen werden auch künftig starke Nerven!

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