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Bamberg
OB-Wahl

Das Rennen um den Bamberger OB-Sessel bleibt offen

Andreas Starke (SPD) liegt mit 35,9 Prozent vorne. Jonas Glüsenkamp (Grünes Bamberg) setzt sich überraschend klar gegen Christian Lange (CSU) durch.
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OB Andreas Starke (SPD) konnte 35,9 Prozent der Stimmen auf sich vereinen - für ihn geht es am 29. März um sein Amt.  Foto: Sebastian Schanz
OB Andreas Starke (SPD) konnte 35,9 Prozent der Stimmen auf sich vereinen - für ihn geht es am 29. März um sein Amt. Foto: Sebastian Schanz

Es war kurz vor 18.30 Uhr, als das Ergebnis vom Stimmbezirk "Rathaus Maxplatz" über die Computerbildschirme flimmerte - mit einer für diesen Abend richtungsweisenden Farbverteilung: In dem Innenstadtbezirk, in dem traditionell viele Studenten zu Hause sind, war der grüne Balken am höchsten. Jonas Glüsenkamp schnitt mit 38,1 Prozent der Stimmen am besten von den Bewerbern ab und ließ sogar Andreas Starke (SPD) mit 33 Prozent hinter sich.

24,7 Prozent für Glüsenkamp

Ganz so gut war das Gesamtergebnis in den 75 Stimmbezirken der Stadt Bamberg für die Grünen in Bamberg zwar nicht, aber in jedem Fall ein deutlicher Zugewinn gegenüber der Wahl vor acht Jahren, als Wolfgang Grader nur 18 Prozent der Stimmen holte. Nun also Jonas Glüsenkamp. Der 1988 in Osnabrück geborene Volkswirt schaffte es, als politischer Neuling ohne Mandat 24,6 Prozent der Stimmen zu erobern.

Er zwingt damit den 63-jährigen Amtsinhaber Andreas Starke (SPD) in die Stichwahl am 29. März. Der in ganz Deutschland zu spürende Aufwind der Grünen - er spiegelt sich auch im Bamberger Ergebnis wider.

Für den Amtsinhaber war der Wahlabend eine Enttäuschung, auch wenn er sie sich nicht anmerken ließ. Umfragen hatten den früheren Rechtsanwalt Andreas Starke in der Nähe der 50-Prozent-Marke gesehen, in der Realität musste sich Starke mit knapp 36 Prozent zufrieden geben und bei der Stichwahl mit Glüsenkamp um sein Amt bangen. Hört man Starke, dann hat ihn das gute Abschneiden der Grünen nicht allzu überrascht. Dennoch betonte der OB, dass er sein erstes Etappenziel erreicht habe. "Ich bin zuversichtlich, dass ich mein Ziel, die Wahl zu gewinnen, in der Stichwahl erreiche."

Dass es 2020 eine Stichwahl geben würde, war nicht allzu überraschend angesichts eines Bewerberfeldes von zehn Kandidaten. Spannung versprach allerdings die Frage, wer der Zweitplatzierte im Rennen um das Rathaus sein und wer sich mit dem Amtsinhaber am Ende würde messen müssen.

Ganz am Anfang der Auszählung, als die Wildensorger Ergebnisse bekannt wurden, konnte sich Christian Lange (CSU) noch Hoffnungen machen. Doch schon bald verflog die Euphorie bei der CSU wieder. Und es verfestigte sich das Bild, dass es statt dessen zu einem rot-grünen Sieg kommen wird. Eine herbe Enttäuschung für die CSU, die 1994 letztmalig den Oberbürgermeister stellte und sich 2020 wieder Hoffnung gemacht hatte, an die Vergangenheit anknüpfen zu können. So aber wurde das Ergebnis Langes zur Fortsetzung einer Serie, die mit Peter Neller 2006 (24,6 Prozent) begann und von Gerhard Seitz 2012 (27,4 Prozent) fortgeschrieben wurde.

Unter ferner liefen

Wie sieht es am anderen Ende der Kandidatenliste aus? Einen Achtungserfolg erzielte Ursula Redler, die Stadträtin der Bamberger Allianz. Mit 6,9 Prozent ist sie die einzige im Bewerberfeld, die ein Ergebnis von gewisser Bedeutung erzielte.

Deutlich darunter rangieren Daniela Reinfelder (2,5 Prozent) von Bambergs Unabhängigen Bürgern, Claudia John (2,2 Prozent) von den Freien Wählern und Fabian Dörner von "Die Partei" (2 Prozent). Hans-Günter Brünker von Volt muss sich mit 1,5 Prozent zufrieden geben - ebenso wie Stadtrat Martin Pöhner (FDP).

Wenig Erfolg hatte trotz aufwändigen Wahlkampfs Thomas Kellermann von Bambergs Mitte. 335 Wähler machten für ihn ihr Kreuz - das sind exakt ein Prozent.

Kommentar des Autors:

Ein Neuling macht Furore

Den Nimbus des strahlenden Siegers hat Andreas Starke verloren. 2012 behauptete er mit 55 Prozent unangefochten seinen OB-Sessel. Acht Jahre später muss sich der Amtsinhaber aufs Fingerhakeln mit dem überraschend gut abschneidenden Jonas Glüsenkamp einlassen.

Mit 35,9 Prozent geht Starke zwar als Favorit ins Rennen, doch sicher sein kann er sich nicht. Kritiker werden sich bestätigt fühlen, die sagen, dass es das 63-jährige Stadtoberhaupt nicht überzeugend genug geschafft hat, die zentralen Herausforderungen der letzten acht Jahre zum Vorteil Bambergs zu wenden. Flüchtlingskrise, Wohnungsmangel, eine eher schleppende Konversion haben ihre Spuren hinterlassen. Während Starke unter einer Rekordzahl von Konkurrenten litt, hat Jonas Glüsenkamp von Grünes Bamberg die Kandidateninflation offenbar nicht geschadet. Der 30-jährige Grüne profitierte von einer im Wandel begriffenen Stadtgesellschaft, von der Geschlossenheit der grünen Bewegung und verwies selbst den amtierenden Bürgermeister der CSU, Christian Lange, auf die Ränge. Ein kleiner Erdrutsch.

Nun wird es noch einmal richtig spannend. Schafft Andreas Starke es doch noch, den Karren für die SPD flott zu machen?

Oder gibt es einen Generationen- und Politikwechsel in Bamberg? In zwei Wochen wissen wir mehr.