Bad Staffelstein

Das programmierte Pendlerchaos beim Franken-Thüringen-Express

Nach den Startschwierigkeiten beim Franken-Thüringen-Express bedrohen Bauarbeiten infolge des ICE-Ausbaus den Nahverkehr auf der Schiene. Allein die Strecke zwischen Ebensfeld und Bamberg soll 2016 über ein halbes Jahr voll gesperrt werden. Für Berufspendler eine Katastrophe.
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Erst war er wegen technischer Mängel in der Schieflage, jetzt droht dem Franken-Thüringen-Express wegen geplanter Vollsperrungen weiteres Ungemach.  Foto: Matthias Hoch
Erst war er wegen technischer Mängel in der Schieflage, jetzt droht dem Franken-Thüringen-Express wegen geplanter Vollsperrungen weiteres Ungemach. Foto: Matthias Hoch
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Eigentlich ging es beim Dialogforum der DB Regio Nordostbayern in Kloster Banz darum, mit der Kundschaft ins Gespräch zu kommen. Den anwesenden Berufspendlern sollte erklärt werden, warum zwei Jahre nach der offiziellen Inbetriebnahme des Franken-Thüringen-Expresses (FTX) die Kinderkrankheiten immer noch nicht ausgemerzt sind. Zutage kam im Verlauf der Gesprächsrunde, dass sich Frankens Bahnpendler in den nächsten Jahren auf eine ganze Reihe von Vollsperrungen einstellen müssen, die teilweise sechs Monate und länger andauern.

Grund: Der ICE-Anschluss und Ausbau der Bahnstrecke zwischen Ebensfeld und Nürnberg von derzeit zwei auf vier Gleise. Uwe Domke, Geschäftsführer von DB-Regio Nordostbayern, durfte sich zunächst einiges anhören. Womit hatte es beim FTX eigentlich keine Probleme gegeben? Im Führerstand funktionierte die Heizung nicht.
Die Kuppelzeiten an den Flügelbahnhöfen in Bamberg und Lichtenfels waren zu lang, die Klimaanlage immer wieder defekt. Außerdem waren die Abfallbehälter unmöglich positioniert, die Sitzplätze zu eng und in Spitzenzeiten nicht ausreichend vorhanden.


Die Liste verlängerte sich im Verlauf der Diskussion. Da müssen aus Sicherheitsgründen Türen öfter gesperrt werden, das Fahrgastinformationssystem informierte teilweise falsch und wenn, dann nur stotternd. Die Pendler berichteten von ständigen Verspätungen, in Stoßzeiten hoffnungslos überfüllten Zügen. Davon, dass sich im Winter in den Zügen die Mitnahme einer wärmenden Decke empfehle.

Die Verantwortlichen von DB Regio hörten geduldig zu. Uwe Domke dankte gar für die konstruktive und sachliche Kritik. Auch die des Fahrgastverbands Probahn, der eigens für den Franken-Thüringen-Express ein Konzept mit Verbesserungsvorschlägen erarbeitet hatte. Man arbeite mit der Herstellerfirma Bombardier an der Behebung der Mängelliste, informierte Domke. Einiges habe man schon optimieren können, längst nicht alles.
Dabei kämen noch größere Probleme auf den Schienennahverkehr in Franken zu, räumte Domke ein.

Weil in den nächsten Jahren nicht nur der Anschluss der ICE-Neubaustrecke bei Ebensfeld vorgenommen werden müsse, sondern auch der viergleisige Ausbau der Strecke Nürnberg-Ebensfeld notwendig wird. Deshalb werde es immer wieder zu Vollsperrungen kommen. Bis zu 34 Wochen. Eine Katastrophe für die Berufspendler, die aus Oberfranken Richtung Erlangen und Nürnberg einpendeln. Bis zum Ende des Streckenausbaus könnten zehn Jahre und mehr vergehen. Für Pendler heißt das: Schienenersatzverkehr, längere Fahrzeiten. Die richtigen Probleme mit dem FTX - sie kommen noch.

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