Bamberg
Festakt

Das Grundgesetz braucht uns alle

Im Bamberger E.T.A.-Hoffman-Theater feierte Norbert Lammert den 70. Geburtstag des Grundgesetzes.
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Norbert Lammert bei seinem Vortrag im Theater Fotos: Ronald Rinklef
Norbert Lammert bei seinem Vortrag im Theater Fotos: Ronald Rinklef
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Der 70. Geburtstag des Grundgesetzes gibt Anlass zum Feiern und für Dankbarkeit. Ein Grund für Selbstzufriedenheit ist er nicht. Die Vorstellung, ein niedergeschriebener Kanon aus Rechten und Gesetzen allein schütze die offene Gesellschaft für alle Zeiten vor ihren Feinden, ist schon mit Blick auf die deutsche Vergangenheit auf gefährliche Weise geschichtsvergessen: "Demokratien sind keine sich selbst stabilisierenden Systeme", sagte Norbert Lammert am Donnerstagabend im E.T.A.-Hoffmann-Theater. Dort, in einer in den Worten Lammerts "schönsten Städten Deutschlands" gratulierte der ehemalige Präsident des Deutschen Bundestags "der besten Verfassung, die dieses Land je hatte".

Die Lammert entgegenschlagende Erwartungshaltung war groß. Auch Bambergs OB Andreas Starke vergaß nicht, die ihm nachgesagte rhetorische Brillanz zu rühmen. Lammert selbst stellte dem Publikum zu Beginn seiner gut halbstündigen Rede allenfalls "einige nachdenkliche Bemerkungen" in Aussicht. Einfluss auf die intellektuelle Tiefe seiner im Folgenden entwickelten Gedanken hatte Lammerts Tiefstapelei erwartungsgemäß nicht. Als größtes Verdienst des Grundgesetzes bezeichnete es Lammert, verfassungsrechtliche Lehren aus erstens dem Scheitern der Weimarer Republik und zweitens der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft gezogen zu haben. Erst die Grundrechte verleihen nun allem staatlichen Handeln das notwendige Maß, ihr Ziel und Rahmen. Die Würde des Menschen und deren Unantastbarkeit stehe über allem und sei dem politischen Zugriff deshalb auch entzogen. Darüber wacht in letzter Konsequenz das Bundesverfassungsgericht.

Wie vor ihm OB Starke und nach ihm Landrat Johann Kalb verband auch Lammert die Würdigung des Grundgesetzes mit der Warnung, dessen Bedeutung für selbstverständlich zu nehmen. Das Grundgesetz forme nur dann die Republik, wenn verfassungspatriotisch gesinnte Staatsbürger seine Werte im Alltag auch lebten.

Dass dabei Spannungen nicht ausbleiben, Grundrechte miteinander und gerade in der Sicherheitspolitik auch mit neuen gesellschaftlichen Realitäten in Konflikt treten können, demonstrierten die Theaterschauspieler Katharina Brenner, Marie-Pauline Schendel und Stephan Ullrich am Beispiel einiger kleinerer Szenen. "GRNDGSTZ" heißt das Stück, dem sie entnommen waren. Eine passendere Metapher als dieses nur bruchstückhaft ausgebildete Wort hätte der Bamberger Festabend nicht finden können. "GRNDGSTZ", das bedeutet im Einklang mit Lammert, Starke und Kalb: Das Grundgesetz ist eine stabile Basis. Im übertragenen Sinne für die fehlenden Vokale - "u", und "e" - zu sorgen und das Grundgesetz damit mit Leben zu füllen, ist und bleibt aber Auftrag von uns Staatsbürgern.

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