Bamberg

Das große Zittern der Real-Mitarbeiter

Der Metro-Konzern lässt die Beschäftigten der SB-Warenhäuser seit Monaten über ihre Zukunft im Ungewissen. Bis gestern sollte der Verkauf an den Immobilieninvestor X-Bricks eigentlich abgeschlossen sein. Auch an den fränkischen Standorten ist man genervt.
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Bei den Real-Märkten in Franken (hier das Warenhaus im Gewerbegebiet Laubanger in Hallstadt im Landkreis Bamberg) laufen die Geschäfte noch wie gewohnt. Aber die Mitarbeiter sind aufgrund des langen Wartens auf eine Entscheidung über ihre Zukunft inzwischen zermürbt. Foto: Ronald Rinklef
Bei den Real-Märkten in Franken (hier das Warenhaus im Gewerbegebiet Laubanger in Hallstadt im Landkreis Bamberg) laufen die Geschäfte noch wie gewohnt. Aber die Mitarbeiter sind aufgrund des langen Wartens auf eine Entscheidung über ihre Zukunft inzwischen zermürbt. Foto: Ronald Rinklef

Immer noch keine Entscheidung. Bis Ende Januar sollten die 277 Real-Märkte in Deutschland eigentlich verkauft werden. Aber die Verhandlungen dauern an und damit auch die Unsicherheit bei den Beschäftigten, ob und wie es dann weitergeht.

"Wir würden gerne wissen, was aus unserem Haus wird", sagt Barbara Lorenz, Betriebsratsvorsitzende im Real-Markt Hallstadt (Landkreis Bamberg). Rund 125 Menschen arbeiten hier. Seit weit über einem Jahr zittern sie um ihre Zukunft. So lange schon hat der Handelskonzern Metro angekündigt, sich von den Real-Märkten trennen zu wollen und immer wieder mit wechselnden Interessenten verhandelt.

Großteil wird verkauft

Schien es noch vor einem halben Jahr, als könnte der Hamburger Immobilieninvestor Redos den Zuschlag erhalten, so laufen die Verhandlungen inzwischen mit einem Bieter-Konsortium aus X+Bricks und der SCP Group. X+Bricks ist ein erst 2018 gegründetes und auf Immobilien für Lebensmittelmärkte spezialisiertes Unternehmen mit Sitz in Frankfurt, SCP ist die Tochter eines russischen Finanzkonzerns.

Das Problem: Die Käufer haben keinerlei Interesse, die Märkte weiterzubetreiben. "Mindestens zwei Jahre", so die Aussage, wollen sie einen kleinen Teil der Real-Märkte noch behalten und weiter unter dem Namen betreiben. Der Großteil soll jedoch verkauft werden an andere Händler wie Kaufland, Edeka oder Rewe. Und Märkte, die sich nicht verkaufen oder rentabel betreiben ließen, würden geschlossen, heißt es.

15 Real-Märkte gibt es in Franken: sieben in Oberfranken (Bamberg, Hallstadt, zweimal in Bayreuth, Coburg, Kulmbach, Kronach), fünf in Mittelfranken (Ansbach, Neustadt/Aisch, zweimal in Nürnberg, Schwabach) und drei in Unterfranken (Aschaffenburg, zweimal in Würzburg). Wer von ihnen schließt, verkauft wird oder vorerst am Markt bleibt, ist nach wie vor offen.

Gute Chancen für den Weiterbetrieb werden dem Markt in Aschaffenburg eingeräumt, der erst im Oktober eröffnet hat. Dieser gehört zu den vier sogenannten Flagship-Stores in Deutschland, wo das neue Markthallenkonzept Anwendung findet.

"Zwei Jahre Sicherheit. Und was passiert dann?", fragt Barbara Lorenz. Selbst diese Variante überzeugt die Real-Beschäftigten inzwischen nicht mehr. "Es ist langsam für alle Mitarbeiter nur noch nervtötend", beschreibt sie die Gefühle der Kollegen.

Gespräche in Düsseldorf

In der Düsseldorfer Metro-Zentrale ist man mit anderen Dingen beschäftigt. "Die Gespräche mit SCP und X+Bricks sind intensiv und gut. Die Verhandlungsteams arbeiten derzeit quasi rund um die Uhr. Wir sind sehr zuversichtlich", teilte eine Metro-Sprecherin auf Anfrage mit.

Wann endlich Klarheit herrscht, ist offen. Dem Vernehmen nach soll sehr bald ein Ergebnis präsentiert werden. Und zwar noch vor dem 14. Februar. An diesem Tag muss sich Metro-Chef Olaf Koch den Aktionären stellen. Dann findet im Düsseldorfer Congress Center die ordentliche Hauptversammlung der Metro AG statt. Es ist der Valentinstag - ein schlechtes Datum für böse Überraschungen.

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