Bamberg
Konversion

Das größte Projekt der Stadt Bamberg: Was wird aus dem Konversionsgelände?

Laut OB Starke größer und wichtiger als der ICE-Ausbau: Die Stadt Bamberg lud zu einem Rundgang durch die Lagarde Kaserne ein.
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Viele Interessierte schauten sich auf dem Konversionsgelände um.  Foto: Andreas Thamm
Viele Interessierte schauten sich auf dem Konversionsgelände um. Foto: Andreas Thamm
"Ich will den ICE nicht kleinreden", sagt Oberbürgermeister Andreas Starke (SPD), "aber: Das hier ist das größte Projekt der Stadt Bamberg." Das sagend steht er in der ehemaligen Posthalle der US-Armee auf der Lagarde-Kaserne. Und begrüßt eine enorme Menschenmenge: "Mit einem solchen Andrang hätten wir nicht gerechnet. Wir sind überwältigt von dem, was wir angerichtet haben."
Wegen der hohen Nachfrage an einer Führung über das Gelände teilt Thomas Goller vom Amt für Strategische Entwicklung und Konversionsmanagement die Menge "wie Moses" in zwei Hälften. Eine folgt ihm, die andere Harald Lang.


Herzen für das, was bleiben soll

Nebenan findet zurzeit das machbar-Festival, eine Kooperation von Asta, kontakt und CariThek, statt. Das Team verteilt Sticker an die Gäste: Herzen für die Gebäude, die bleiben sollen, Kreuze für solche, die weg können, und Dreiecke mit Ausrufezeichen für jene, die hergerichtet werden müssten. Bald finden sich die ersten auf Zäunen und Backsteinmauern wieder.
Die große Posthalle wird mit hoher Wahrscheinlichkeit bestehen bleiben. Nach dem Wunsch des Amtes soll sie kulturell genutzt werden. Goller sieht auf dem Gelände in Zukunft einen Vorzeigestadtteil für die gesamte Bundesrepublik.
Dazu sei es nötig, Wohnen und Freizeit attraktiv zu verbinden. "Hören Sie mal", fordert er die Gäste auf der Freifläche vor der Halle auf. "Sie hören nichts außer dem Wind." Die "Stadt in der Stadt", die die Amerikaner hier aufgebaut haben, ist mit ihren vielseitig nutzbaren Gebäuden und nicht zuletzt den großzügigen Flächen dazwischen eine Spielwiese mit enormem Potenzial.


"Hertie der Amerikaner"

Insgesamt handelt es sich um 19 Hektar, die sofort genutzt werden können. In das ehemalige Headquarter zieht die Zentralstelle der bayrischen Justiz zur Bekämpfung von Cyberkriminalität ein, das digitale Gründerzentrum wird ab März 2018 entstehen. Einen Teil der Lagarde besetzt auf unbestimmte Zeit noch die Bundespolizei. "Das passt uns planerisch gar nicht", so Goller.
PX heißt die zweite Station der Führung. "Das war sozusagen der Hertie der Amerikaner", sagt Goller, ein Versorgungsmarkt ohne Lebensmittel. Außerdem angeschlossen: Ein Autohandel und ein Club, in dem auch Whisky verköstigt wurde. Drinnen ist es dunkel. "Vom Erhalt her ist es aber eine tolle Halle." Dahinter eröffnet sich der Blick in Richtung Durchbruch zur Zollnerstraße. Man sieht die Gebäude, in die das digitale Gründerzentrum einziehen wird. Und eine Reihe Maulbeerbäume: "Die stammen noch aus Wehrmachtzeiten", weiß Goller. Die Maulbeere gehört zur Lieblingsdiät der Seidenspinnerraupe. Aus den Fäden, die die Raupe produziert, wurden Fallschirme hergestellt.
Besonders viele Herz-Sticker erntet das Stable Theatre. Leider können sie nur von außen angebracht werden, da es aus Sicherheitsgründen nicht betreten werden darf. Weil es Denkmalcharakter besitzt, soll es erhalten bleiben.


Neuer Platz für den Plärrer?


Südlich des Gebäudes eröffnet sich einer der größten offenen Plätze des Geländes. Eine weit ausgreifende Fläche, die sich, Idee aus den Besucherreihen, zum Beispiel für ein Volksfest einigen würde. "Vor fünf Jahren standen hier noch Panzerhaubitzen und Kettenfahrzeuge", sagt Thomas Goller. Der Boden, auf dem Die Gäste stehen, sei mindestens 80 cm dick. Damit das Gelände schadstoff- und altlastenfrei an die Investoren übergeben werden kann, muss das alles herausgerissen und recycelt werden. Das "Schmuckkästchen der Lagarde" steht als Letztes auf dem Programm des gut zwei Kilometer langen Rundgangs: Die Reithalle mit ihrer filigranen Dachkonstruktion. Goller: "Hinter dieser Halle sind sie alle her, wie der Teufel hinter einer verlorenen Seele." Wie für die Posthalle schlägt das Amt eine kulturelle Nutzung vor. Konzerte sind denkbar, für symphonische Kammermusik müsste allerdings die Akustik teuer nachjustiert werden. Auch hier lassen die Besucher des Tags der offenen Tür noch einige Herzen und auch Dreiecke. Abgerissen werden soll ein solcher Bau natürlich nicht. Die Idee mit zwei Hallen, die ganz unterschiedlich genutzt werden können, sowie einer bespielbaren Fläche dazwischen, ist äußerst reizvoll. Viel wird dabei sicher auch von den Wünschen und Bedürfnissen der neuen Anwohner abhängen, die angrenzend das dann neue Wohngebiet beziehen.
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