Bamberg
Konversion

Das Green im Grün soll in Bamberg bleiben

Der Golfclub Hauptsmoorwald möchte den Golfplatz nach dem Abzug der Amerikaner aus Bamberg erhalten. Naturschützer betonen die Bedeutung des gesamten Waldes.
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Schatzmeister Klaus Schau, Golfclubpräsident Klaus Dirks und Vizepräsident Heribert beraten sich über die Zukunft des Clubs. Foto: Matthias Hoch
Schatzmeister Klaus Schau, Golfclubpräsident Klaus Dirks und Vizepräsident Heribert beraten sich über die Zukunft des Clubs. Foto: Matthias Hoch
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Der Naturschützer beschreibt beim Stichwort "Naherholungsgebiet" ein Bild, das viele kennen: "Überlegen Sie mal, was Ihnen an Joggern begegnet, wenn Sie draußen im Hauptsmoorwald sind", sagt Heinz Jung, Vorsitzender der Kreisgruppe Bamberg des Bund Naturschutz.

Gut möglich, dass einem nach den Joggern ein Golfspieler über den Weg läuft, der gerade in Richtung Golfplatz unterwegs ist. Der liegt am westlichen Rand des Hauptsmoorwaldes. Noch. Die Hoffnung der Clubmitglieder: Der Platz soll auch weiter bestehen, wenn die Amerikaner das Gelände verlassen haben. Die Zukunft des Platzes hängt davon ab, wem das Grundstück letztendlich gehören wird.

Golfclub ist "Mitbenutzer"

"Eigentümer ist die Bundesrepublik Deutschland. Die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) übernimmt die Verwaltung.
Besitzer und Nutzer des Platzes ist die US Army, der Golfclub Hauptsmoorwald ist Mitbenutzer", erklärt Golfclub-Vizepräsident Heribert Haas. Er steht am "Green", dem Zielbereich beim Golf, und lässt den Blick in die Ferne schweifen.

Noch weiß keiner hundertprozentig, ob die Stadt Bamberg tatsächlich direkt Besitzer des Areals wird, wenn die Warner Barracks 2014 ihre Pforten schließen. "Die Pflege des Platzes muss aber weitergehen, sonst können wir von vorne anfangen", sagt Klaus Dirks, Präsident des Golfclubs. "Wir hoffen darauf, dass die Stadt Bamberg mit der Bima einen Zwischennutzungsvertrag für die Übergangszeit abschließt."

Aktuell laufen noch keine Verhandlungen zwischen Stadtverwaltung und Bima - aus gutem Grund, wie Ulrike Siebenhaar, Pressesprecherin der Stadt, erklärt. "Im Juni sind wir in den Bürgerbeteiligungsprozess zur Konversion eingestiegen. Dieser muss auf jeden Fall erst abgewartet werden."

Anfang Dezember gehe es in einem Fachforum genau um das Thema Natur und Landschaft. Der Golfplatz werde als Grün- und Sportfläche zur Sprache kommen. Siebenhaar merkt an: "Grundsätzlich stehen wir dem Ganzen positiv gegenüber. Ein starkes Argument pro Golf ist natürlich die grüne Fläche."

Bereits Mitte Oktober wird sich Konversions-Referent Christian Hinterstein mit Vertretern des Immobilienmanagements und den Vorsitzenden des Golfclubs Hauptsmoorwald zu einem Gespräch treffen. Die Golfer werden die Rolle ihres Platzes als Teil des Naherholungsbiets Hauptsmoorwald betonen.

Ein bestimmter Bereich des Golfplatzes ist sogar mehr: Mitten hindurch verläuft eine unsichtbare Linie, die dem Areal naturschutzrechtliche Bedeutung verleiht: "Teilbereiche des Golfplatzes gehören zum Landschaftsschutzgebiet Hauptsmoorwald", sagt Jürgen Gerdes, Biologe und Naturschutzbeauftragter der Stadt Bamberg.
Dieser Status bringt hohe Auflagen mit sich. "Wird der Golfplatz wie bisher genutzt, werden Landschaftsbild und Natur nicht beeinträchtigt", erklärt Gerdes. Anders sehe es aus, wenn man etwas umbauen wolle - wie einen Ballfangzaun?

Die Golfer wollen einen solchen an der Autobahn 73 aufstellen, um zukünftig wieder die gesamte Neun-Loch-Anlage bespielen zu können. Aktuell werden die drei Bahnen, die parallel zur Autobahn verlaufen, nicht genutzt - um den Straßenverkehr nicht durch abirrende Golfbälle zu gefährden.

Auflagen könnten erfüllt werden

"Wir haben mit der Autobahndirektion und der Verkehrspolizei Gespräche geführt. Die Auflagen, damit wir wieder alle Bahnen bespielen dürfen, könnten wir erfüllen", sagt Golfclubpräsident Dirks.
Zum Einen seien das Ballfangzäune, zum anderen würde die Abschlagrichtung von der Autobahn weg verlaufen. Doch noch ist das alles Zukunftsmusik: Die Zäune baue man natürlich erst, wenn klar sei, dass man auch unter dem neuen Besitzer des Areals Mieter sein könne.

Ob sich das bereits im Juli 2014 entscheidet, ist fraglich. Dann läuft zunächst der Vertrag mit den US-Streitkräften und der Bima zur Mitbenutzung des Platzes aus. 300 Mitglieder hoffen dann auf eine Zwischennutzungsvereinbarung. "2014 feiern wir 20-jähriges Bestehen. Es wäre fantastisch, wenn wir verkünden könnten, dass der Golfplatz weiter existiert", sagt Dirks, der ebenso lange Präsident des Clubs ist.

Auf 35 Hektar, zehn Prozent der Gesamtfläche der Konversion, liegt der Golfplatz eingebettet im Hauptsmoorwald - einem "ungeheuer wertvollen Wald für die Stadt Bamberg", betont Heinz Jung vom Bund Naturschutz. Der Golfplatz sei kein Problem. Jung hätte vielleicht eine andere Meinung, wenn das Areal gerade neu gebaut werden solle, sagt er. Der "Sündenfall" sei die Autobahn gewesen, die den Wald zerschneidet. "Aber das ist Geschichte."

Ein anderes Thema macht ihm mehr Sorgen: Er befürchtet Gewerbeansiedlungen am Rande des Hauptsmoorwaldes. Stattdessen wünscht er sich, dass der Wald wieder ein Stück naturnaher wird - sein Name deute ja auf seinen Ursprung hin. Jung betont: "Der Wald sorgt für die Frischluftzufuhr der Stadt Bamberg, er ist ein Klimafaktor, Grundwasserspeicher und dient der Erholung." - zum Beispiel beim Joggen. Fahrradfahren. Oder Golfen.

Der Link zur Verordnung "Landschaftsschutzgebiet Hauptsmoorwald":

href="http://http://www.landkreis-bamberg.de/PDF/LSG_Hauptsmoorwald.PDF?ObjSvrID=1633&ObjID=3196&ObjLa=1&Ext=PDF&WTR=1&_ts=1263480461" title="http://www.landkreis-bamberg.de/PDF/LSG_Hauptsmoorwald.PDF?ObjSvrID=1633&ObjID=3196&ObjLa=1&Ext=PDF&WTR=1&_ts=1263480461">http://www.landkreis-bamberg.de/PDF/LSG_Hauptsmoorwald.PDF?ObjSvrID=1633&ObjID=3196&ObjLa=1&Ext=PDF&WTR=1&_ts=1263480461

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