Pius Schiele kennt die Situation aus leidvoller Erfahrung. Er ist Inhaber eines Reisebüros an der Langen Straße und Sprecher der Interessengemeinschaft: "Parkplätze sind lebenswichtig für die Gewerbetreibenden und Selbstständigen entlang der Langen Straße", sagt Schiele.

Nun kann es sein, dass sie auf die Kundschaft, die mit dem Auto kommt, verzichten müssen. Der Umweltsenat hat nach jahrelangem Streit um eine Aufwertung der wichtigen Innenstadtstraße eine knappe Entscheidung für eine Verkehrsberuhigung getroffen, die noch heuer verwirklicht werden soll.

Kernpunkt ist die Auflösung von 14 verbliebenen Kurzzeitparkplätzen auf der Südseite der Straße, eine Entscheidung, die schon vor drei Jahren als Teil des so genannten Parkraumbewirtschaftungskonzeptes für Schockwellen in der Innenstadt gesorgt hatte. Gleichzeitig soll der Radweg, der dort verläuft auf die Straße verlegt werden, so dass die Fußgänger mehr Platz zum Flanieren haben.

Wie so oft beim Thema Verkehr in Bamberg standen sich im Umweltsenat etwa gleich große Kräfte gegenüber. Die Mehrheit in der CSU, der Bürger-Block und die Freien Wähler plädierten zwar auch für eine Verkehrsberuhigung, wollten diese aber auf dem Wege eines Tempolimits verwirklichen und ohne den Verlust von Parkplätzen. Letzteres halten aber die Grünen und die SPD-Fraktion für eine unverzichtbare Voraussetzung, damit die Aufenthaltsqualität in der Langen Straße steigt.

Dass es überhaupt zu einem Beschluss im Umweltsenat kam, daran hatte Oberbürgermeister Andreas Starke (SPD) großen Anteil. Ihm gelang es, die verschiedenen Vorstellungen der Fraktionen in einen mehrheitsfähigen Vorschlag zu gießen, und der OB spielte dabei gleichzeitig das Zünglein an der Waage. Starke war einer von sieben Stadträten, die grundsätzlich für die Beruhigung stimmten und damit auch einem Konzept den Weg bahnen wollen, das bereits vom Mediationsverfahren "Zukunft Innenstadt" entwickelt worden war. Es sieht die Umgestaltung der Langen Straße zu einem Boulevard vor - mit mehr Platz für Fußgänger, Radfahrer und auch die gewerbliche Nutzung. Parkplätze spielen für dieses Ziel keine Rolle mehr.

In der Debatte standen sich die Positionen unversöhnlich gegenüber: Peter Gack (GAL) sprach von einem unverkennbaren Down-Trading-Prozess in der Langen Straße, dem man nur dadurch begegnen könne, indem man die Aufenthaltsqualität verbessere. Heftige Kritik übte Gack an der Haltung der CSU, die sich grundsätzlich stets für Beruhigung ausspreche, dann aber Konsequenzen vermissen lasse. "Wenn es zum Schwur kommt, dann ziehen Sie den Schwanz ein. Das ist doch schizophren", rief Gack.

Zumindest, was den CSU-Stadtrat Franz Pichler anging, hatte Gack aber nicht Recht. Pichler stimmte gegen seine eigene Fraktion und bewirkte dadurch, dass die Parkplatzgegner im Umweltsenat überraschend eine Mehrheit erhielten.

Überstimmt wurden auch die Freien Wähler, die den Verlust der Innenstadtparkplätze dadurch umgehen wollten, dass sie den Verkehr auf Höhe der Wallensteinpassage nadelöhrartig einengen. Dieter Weinsheimer warnte davor, zu viel zu wollen und einen Proteststurm von Anwohnern auszulösen. Noch deutlicher war CSU-Stadtrat Pankraz Deuber. Die versuchsweise Sperrung der Langen Straße habe gezeigt, wohin der Kurs führe: "Der Einzelhandel leidet, die Stadt ist leer gefegt."

Freude löste der Beschluss dagegen bei den Teilnehmern des Mediationsverfahrens aus: "Das ist ein Schritt in die richtige Richtung", sagte Christian Irmisch. Irmisch ist froh, dass nach jahrelangem Zuwarten "endlich etwas in Angriff genommen wird, was die Aufenthaltsqualität erhöht. "Parkplätze sind eine minderwertige Nutzung."

Für einen "groben Fehler" hält Klaus Stieringer die Entscheidung. Wie der Geschäftsführer von Stadtmarketing sagte, sind die Unternehmen auf Kurzzeitparkplätze angewiesen. Der Beschluss sei eine Spätfolge des schon vor vier Jahren gescheiterten Masterplan-Prozesses: "Es macht keinen Sinn, wenn man einer kleinen Gruppe von Unzufriedenen die Entscheidungen über Bambergs Zukunft überlässt." Auch Pius Schiele ist sich sicher, dass die Entscheidung Existenzen kosten kann. Profitieren werde nur die Gastronomie. "In der Langen Straße wird es noch mehr Lärm und Turbulenzen geben."

Doch könnte es noch eine überraschende Wende geben. Zwar ist der Umweltsenat ein beschließendes Gremium, das keine Bestätigung durch den Stadtrat benötigt. Doch am Mittwoch stellte CSU-Chef Helmut Müller einen Überprüfungsantrag für die Vollsitzung am 26. Juli. Sollte er eine Mehrheit finden, ist der Beschluss vom Umweltsenat gestoppt. Müller ist guter Dinge, dass es im Stadtrat keine Mehrheit für das Auflösen der Parkplätze gibt. Selbst wenn es wieder einen Abweichler in der eigenen Fraktion gibt.