Bamberg
Kaserne

Das "Ende" der Bamberger Zivilbeschäftigten

Zum letzten Mal trafen sich die Zivilangestellten der US-Kaserne zu einer Betriebsversammlung. Neben der Wut über ihre Verabschiedung, taucht erstmals auch die Theorie auf, dass die Schließung hätte verhindert werden können.
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Bei ihrer letzten Betriebsversammlung überwog die Wut der Zivilangestellten, bei der Verabschiedung nicht gewürdigt worden zu sein. Foto: RiegerPress
Bei ihrer letzten Betriebsversammlung überwog die Wut der Zivilangestellten, bei der Verabschiedung nicht gewürdigt worden zu sein. Foto: RiegerPress
Die Gefühle der Zivilangestellten der amerikanischen Streitkräfte in Bamberg waren bei ihrer letzten Personalversammlung im Clubheim der Eintracht gemischt: bei vielen schwang Wehmut mit, andere blickten mit Sorge wie es nun beruflich weitergeht in die Zukunft, aber auch Verärgerung war deutlich zu spüren.

Vor allem die Art und Weise, wie die Zivilangestellten bei der Schließungszeremonie, der Einholung der Fahne, verabschiedet wurden, stieß nahezu allen sauer auf. "Wir wurden mit keinem Wort erwähnt, ja noch nicht einmal einen Sitzplatz hatte man für uns. Wir wurden einfach im wahrsten Sinne des Wortes im Regen stehen gelassen", klagte eine der Zivilangestellten. Sie forderte, dass der Personalratsvorsitzende im Namen der ganzen Belegschaft als letzte offizielle Amtshandlung sozusagen einen Leserbrief für die Zeitung verfassen soll. Sie erhielt dafür von allen der rund 150 gekommenen Beschäftigten Beifall und vollste Zustimmung.

"Als noch die deutsch-deutsche Grenze existiert, haben wir zweifellos die Amerikaner zur Bewachung gebraucht. Aber die Amerikaner haben auch uns deutsche Zivilangestellte gebraucht", betonte Eduard Mayer, Vorsitzender der Betriebsvertretung U.S. Army Garrison (USAG) Bamberg. Sie hätten den in Bamberg stationierten Soldaten fast jeden Wunsch ermöglicht und sie seien das Fundament der viel gerühmten deutsch-amerikanischen Freundschaft gewesen.

Die Zivilangestellten hätten nicht nur das Licht an und aus gemacht, sondern sie hätten von der sozialen Betreuung bis hin zur effizienten Steigerung der Betriebswirtschaftlichkeit alles gemacht, was man sich nur vorstellen könne. "Die Fahneneinholung war daher für alle Beschäftigten ein Schlag ins Gesicht. Wir würden mit keinem Blick gewürdigt, geschweige denn mit einem Wort erwähnt", wetterte auch Mayer.

Der Betriebsratsvorsitzende ging aber noch einen Schritt weiter und mutmaßte, dass möglicherweise eine Schließung der Kaserne hätte verhindert werden können. Denn laut Mayer plante die Heeresverwaltung erstmals im Jahre 2007, dass in Bamberg keine weiteren Truppen mehr stationiert werden sollen. Die 173te aus Italien wurde zu jener Zeit nur noch vorübergehend untergebracht bis die neue Kaserne "Dal Molin" bei Vincenza fertiggestellt war. "Und dann kam der Direktor der europäischen Heeresverwaltung, Mr. Hall. In einem Stabsmeeting, in dem ich selbst anwesend war, hatte er unter anderem die Vorstellung den Heeresstab anstelle nach Wiesbaden nach Bamberg zu versetzen", schilderte Ed Mayer.

Mayer wittert eine Verschwörung
Er hätte den Truppenabzug in Bamberg nutzen wollen, um das freiwerdende Gelände neu zu nutzen. Allerdings, so der Betriebsratsvorsitzende weiter, brauchte er dazu die Bestätigung des damaligen Standortkommandeurs Garry Rosenberg, dass Bamberg das Leistungsvermögen hat, Neubauten durchzuführen und die Infrastruktur dahingehend zu ändern, dass es den Plänen gerecht wird.

"Ich kenne den genauen Wortlaut nicht, aber offensichtlich hat Rosenberg das Leistungsvermögen verneint. Aber schaut euch mal die Bilder an, die in der Ausstellung im Karstadt gezeigt wurden, die Rosenberg in inniger Umarmung mit Starke zeigten", sagte Mayer. Da stelle sich schon die Frage, warum die beide so gute Freunde seien oder warum der ehemalige Kommandeur zur Schließung eigens aus Amerika auf eigene Kosten als Privatmann angereist sei. "Um etwa die Früchte seines Handelns zu ernten?", so Mayers provokante These.

Schließlich sei es dem Oberbürgermeister Starke gelungen, was seit dem Kaiser Heinrich keiner mehr geschafft habe: er hat die Stadtfläche um rund zehn Prozent vergrößert. "Eine Jahrhundertchance aber auch eine Jahrhundertleistung. Ich hätte mir nur von Starke gewünscht, wenn wir Zivilangestellten auch eine Jahrhundert-Unterstützung bekommen hätten", klagte er. Denn leider ginge alles nur um die Immobilie, nicht aber um die Menschen, die dort Jahrzehntelang gearbeitet hätten. "Das wäre so, als ob wir in unserem Wohnzimmer vergewaltig worden wären und die Polizei sich nicht um uns kümmert, sondern fragt, ob man den schönen Wohnzimmerschrank kaufen könnte", bedauerte der Betriebsratsvorsitzende.

Von den einstigen 331 Zivilangestellten (Stand März 2012) haben 102 bis zum jetzigen Zeitpunkt eine neue Arbeitsstelle gefunden oder konnte in eine andere Garnison wechseln. 21 Beschäftigte können ab sofort in Rente gehen. 208 Mitarbeiter hingegen sind derzeit auf der Suche nach einer neuen Stelle.

Sie alle werden für die nächsten sechs Monate in eine Transfergesellschaft überführt. Dadurch erhalten sie noch bis Anfang nächsten Jahres aus verschiedenen Töpfen Lohnfortzahlungen. Wer jedoch bis zum 1. April 2015 noch keinen neuen Job gefunden hat, muss dann mit dem Arbeitslosengeld auskommen. Diejenigen jedoch, die mindestens zehn Jahre in der Kaserne beschäftigt waren und mindestens 40 Jahre alt sind, haben Anspruch auf die Überbrückungshilfe TASS.

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