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Burgebrach
Heimat

Das Burgebrach-Büchlein sollte nur für ihn sein

Neubürger Erich Altheim machte sich über Burgebrach schlau, fotografierte und wollte ein Büchlein für sich machen. Daraus wurden vier Bildbände.
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Erich Altheims  "Weg" zum neuesten Burgebrach-Buch, das demnächst öffentlich vorgestellt  und verkauft wird. Foto: Anette Schreiber
Erich Altheims "Weg" zum neuesten Burgebrach-Buch, das demnächst öffentlich vorgestellt und verkauft wird. Foto: Anette Schreiber
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"Ich kenne Burgebrach besser als Du", sagt der Kölner Erich Altheim zu seiner Frau Margot, die hier schon Jahrzehnte lebt. Sie nickt. Stimmt unumwunden zu und findet sogar: "Du kennst es auch besser als die Burgebracher selbst." Jetzt nickt der Gatte, der 2003 vom Rhein an die Mittlere Ebrach gezogen ist - wegen der Liebe, also seiner heutigen Ehefrau. Warum aber kennt er sich so gut aus? Weil er sich derart intensiv mit seiner neuen Heimat befasst und zu ihr mehrere Bildbände verfasst hat. Der vierte "Marktgemeinde Burgebrach und seine Partnergemeinde Kapsweyer früher& heute" wird in wenigen Tagen der Öffentlichkeit vorgestellt.

Wie hat alles begonnen? "Als Rentner braucht man ein Hobby", sagt der frühere Maschinenbautechniker. Da entsann er sich auf das Fotografieren, das er zu Dokumentationszwecken mit Geburt seiner Tochter 1970 begonnen und als sie älter war, wieder aufgegeben hatte. Weil er wissen wollte, wo er denn nun lebt, besorgte er sich Bücher des örtlichen Heimatforschers Rudi Fischer und erkundete Burgebrach auf dieser Basis. Für sich selbst wollte er dieses Wissen mit Fotografien verbinden und ein "kleines Büchlein" machen.

Dieses fiel 2012 kurz vor Drucklegung dem damaligen Bürgermeister Georg Bogensperger in die Hände, der dieses Werk unbedingt für die Gemeinde sichern wollte. Und so wurde vereinbart, dass der Markt Burgebrach das Büchlein herausgibt und finanziert. In einer Auflage von 1000 Stück musste das kostenlose, 62-seitige Opus bald in weiteren 1000 Exemplaren gedruckt werden.

Ganz schöner Aufwand

"Es ist wunderschön hier", schwärmt Altheim, denn durch die Broschüre hat er intensiven Zugang zu dem Steigerwaldort gefunden. Weil der Bürgermeister seinerseits von der Broschüre begeistert war, fragte er den Neubürger, ob er so was nicht auch für alle 27 Gemeindeteile machen könnte. "Das wird ein ganz schöner Aufwand", habe er da gemeint, so Altheim , und zugleich erwidert, er versuche es mal. Freilich kam ihm dann auch noch eine weitergehende Idee: die in Rheinland-Pfalz gelegene Partnergemeinde Kapsweyer einbeziehen.

Das Buch wurde "ein schöner Aufwand": 254 Seiten. Dank seiner Recherchen war Altheim auf einen Kapsweyerer gestoßen, der Aufnahmen und Texte von dort beisteuerte. Ein gutes Jahr lagen zwischen der Broschüre und dem Buch, das 2013 und wiederum in einer Auflage von 1000 Stück von der Gemeinde herausgegeben und zum Preis von 14,50 Euro verkauft wurde.

Bei der Arbeit an diesem Werk hat der Neu-Burgebracher intensiv die Gemeinde und so manchen verborgenen schönen Winkel in den 27 Gemeindeteilen kennen gelernt. Auf einen besonderen Lieblingsplatz angesprochen, nennt er den Garten der Familie Röckelein in Büchelberg. Auf Seite 206 präsentiert Altheim diesen in allen vier Jahreszeiten.

Bei der Arbeit an dem "Auftragswerk" waren dem Neubürger die vielen Kirchen, Kapellen, Flur- und anderen Denkmäler aufgefallen.... Stoff für ein weiteres Werk. So nebenbei verschlang der Rentner massenweise Literatur zu Fotografie und studierte, wie andere vergleichbare Werke machten. "Dabei hab ich unheimlich viel gelernt und mir auch selbst erarbeitet."

Geld nicht wichtig

2016 erschien also das 172 Seiten starke nächste Werk, das ebenfalls wieder über die Gemeinde verkauft wird, bei der auch alle Einnahmen bleiben. Altheim bekommt einige Freiexemplare und einen kleinen Obolus. "Bezahlen könnte man die vielen Stunden nicht", sagt seine Frau. Aber darum geht es dem Rentner auch gar nicht.

Während seiner Recherchen lernte Altheim die Einheimischen und diese ihn kennen. "Anfangs waren sie noch eher skeptisch." Geholfen habe es, wenn er erklärte, er sei der Mann der Frau Leitmeier. Sie hatte bei der Heirat ihren früheren Namen behalten. Weil sie mit dem verstorbenen ersten Mann eine Tankstelle betrieben hatte, sagt sie: "Ich bin hier bekannt."

Bei seinen Recherchen werde er immer gefragt, wann sein nächstes Buch herauskommt, berichtet der Hobby-Fotograf und -Heimatforscher. Er grinst verschmitzt. Weil ihm aufgefallen war, wie sich Burgebrach allein in den Jahren, die er hier lebt, verändert hat, kam ihm die Idee, der Entwicklung nachzuspüren - prägnante Bauten und Bereiche, früher und heute. Dann gab es kein Halten mehr, er erklärte dem neuen Bürgermeister, Johannes Maciejonczyk, sein Vorhaben und zeigte ein Expose mit Bildern. "Johannes war sofort Feuer und Flamme." Ab 2016 bis vor kurzem hat der findige Rentner daran gearbeitet und auch wieder Kapsweyer einbezogen.

Wie arbeitet er? "Im Sommer gehe ich auf Motivsuche, im Winter wird die Ausbeute dann am Computer bearbeitet." In Kürze wird das Werk offiziell vorgestellt und zu kaufen sein.

Was sagt die Ehefrau zu den Aktivitäten ihres Mannes? Sie findet es gut. "Wenn das einmal die heutigen Kinder in 20, 30 Jahren anschauen, dann wissen sie, wie es ausgesehen hat", begeistert sie sich.

Ihr Mann ist augenscheinlich in Burgebrach angekommen. "Ich bin ein Burgebracher", sagt er stolz und fügt hinzu: "Hier", er deutet auf seinen Kopf, "schlummern Ideen ohne Ende." Das heißt, dass wohl bald ein weiteres Burgebrach-Buch in Arbeit gehen könnte.

Das sagt die Expertin dazu:

Zu dem Projekt haben wir Kreisheimatpflegerin Annette Schäfer befragt: "Prinzipiell sind Veröffentlichungen mit Bildern eines früheren und eines heutigen Zustandes immer sehr begrüßenswert. Sie schaffen Identifikation, wecken Erinnerungen und richten das Augenmerk vielleicht auch auf verlorene Strukturen im Ortsbild. Das könnte auch dazu beitragen, in Zukunft sensibler mit der Bausubstanz umzugehen. Gerade der Blick von außen ist oft hilfreich, Stärken und Schwächen besser zu erkennen. Ich kenne das Buch jetzt nicht, aber wenn es zu einer Schärfung des Blicks beitragen könnte, wäre das ein Gewinn. Im Jahr 2005 habe ich selber eine Ausstellung im Museum Alte Schule Hirschaid gemacht, bei der Bilder eines Fotografen aus dem Jahr 1954 erstmals veröffentlicht wurden. Denen haben wir Aufnahmen der identischen Standorte von Matthias Hoch gegenüber gestellt. In der leider eingestellten Reihe 'Heimat Bamberger Land' wurde das später veröffentlicht."

KOMMENTAR:

Burgebrach hat seine Heimatbücher einjgen äußerst glücklichen Fügungen und engagierten Idealisten zu verdanken. Hätte nicht Georg Bogensperger Wind von dem Vorhaben der Privatbroschüre bekommen und zugleich Gespür für so einen Schatz bewiesen, alles wäre in einer Privatschublade verschwunden. Ob es die weiteren Bücher gegeben hätte? Fraglich.

Freilich hätte wohl jede Gemeinde, jeder Ort gerne die Bewahrung seiner Geschichte in irgendeiner Form. Doch der Wunsch allein genügt nicht. Es bedarf viel Idealismus' und vieler Idealisten, damit so ein Werk gelingt. Es muss nicht immer die große Chronik sein. Auf so eine wartet die Stadt Hallstadt übrigens schon seit annähernd 25 Jahren. Ein niederschwelliges Werk ist da eher angetan, Macher zu begeistern und Nutzer anzulocken. Fotos betrachten kann jeder. Und wenn die Texte dazu kurz und knackig sind, umso lieber. Und schon hat man ein Stück Heimatgeschichte bewahrt und weitergereicht.Ein Glücksfall auch, dass sich ein Neubürger sosehr für seine Wahlheimat interessiert, dass er sich auf Entdeckungsreise begibt und die ihm auffallenden Besonderheiten und Merkmale mit der Kamera bannt.

Burgebrach darf sich glücklich schätzen, einen Burgebrach-verliebten Erich Altheim zu haben und die Bürgermeister sind klug genug, dessen Tun zu unterstützen. Die mit Herzblut gemachten Werke sind ein kostbarer Schatz.

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