Bamberg
Kandidatur

Daniela Reinfelder will OB in Bamberg werden

Die Vorsitzende der Bamberger unabhängigen Bürger (BuB) wirft ihren Hut in den Ring und tritt 2020 zur Bamberger Oberbürgermeisterwahl an. In den kommenden Wochen wird das Kandidatenfeld noch weiter wachsen.
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Daniela Reinfelder präsentierte sich in der Starkenfeldstraße als OB-Kandidatin der BuB. Foto: Matthias Hoch
Daniela Reinfelder präsentierte sich in der Starkenfeldstraße als OB-Kandidatin der BuB. Foto: Matthias Hoch

In einer Bushaltestelle in der Starkenfeldstraße verkündet Daniela Reinfelder (BuB), dass sie Bambergs nächste Oberbürgermeisterin werden möchte. Den Ort habe sie bewusst gewählt, weil die Großbaustelle hinter ihr für neue Wohnungen und die nahe Blaue Schule für notwendige Schulsanierungen stehe, zugleich verkörpere in der Ferne der Michaelsberg das kulturelle Erbe der Stadt.

"Der Weltkulturerbe-Titel ist nun schon seit langer Zeit Bambergs verdienstvolles Aushängeschild. Es ist endlich an der Zeit, dass wir uns neuen Herausforderungen stellen und unsere Stadt fit machen für die Zukunft", findet die 59-Jährige. Sie habe sich daher entschlossen, "als OB-Kandidatin anzutreten und gemeinsam mit den Bürgerinnen und Bürgern für ein liebens- und lebenswertes Bamberg anzupacken". Zudem sei es an der Zeit, dass Bamberg eine Frau als Oberbürgermeisterin erhält.

Reinfelder sieht eine Zeitenwende mit veränderter Mobilität und einer damit verbundenen wirtschaftlichen Neuausrichtung Bambergs, klimatischen Extremen, "welche unabdingbar ein rasches und überlegtes Handeln erfordern" und einen Wandel hin zu einer "Industriegesellschaft 4.0 mit all ihren sozialen und gesellschaftlichen Spannungen". All diese Themen

forderten von Bamberg Antworten, neue Ideen und Wege. "Als Bürger hat man immer öfter das Gefühl, dass Politik diesen neuen Herausforderungen vielmehr

hinterherhinkt als sie gestaltend zu begleiten oder gar zu steuern", sagt Reinfelder. Aus ihrer Sicht sollten die Bürger diese Veränderungen noch aktiver gestalten können und mit einbezogen werden. Würde sie gewählt, will sie unter anderem einen Jugendstadtrat einführen und einen Teil ihres zukünftigen Einkommens in einen Klimafonds investieren. Schon jetzt fordere Reinfelder die Bürger auf, mit ihren Sorgen auf sie zuzugehen, sie wolle sich dann um Lösungen bemühen.

Bei der Stadtratswahl 2014 kam die BuB auf 7,13 Prozent der Stimmen. Welche Chancen hat da eine BuB-Kandidatin fürs Oberbürgermeisteramt? "Das werden die Bürger entscheiden. Wir haben nichts zu verlieren und gehen optimistisch in den Wahlkampf", sagt die BuB-Stadträtin. Dass in den vergangenen Jahren zwei ihrer früheren Mitstreiter, Pankraz Deuber und Hans-Jürgen Eichfelder, die Fraktionen gewechselt haben, mag sie nicht mehr kommentieren. Sie werde für die Stadtratswahl eine gute Liste präsentieren. Exemplarisch verweist sie auf Andrea Wachter, Jörg Schmalfuß und Sabine König, die sie bei der Kandidatinnenkür begleiten.

Die Mitbewerber ums Oberbürgermeisteramt reagieren gelassen. "Alle Kandidatinnen und Kandidaten, die sich für dieses herausragende Amt zur Verfügung stellen, verdienen unseren Respekt", sagt Amtsinhaber Andreas Starke (SPD). In anderen Städten fänden sich keine Kandidaten für kommunalpolitische Ämter, in Bamberg sei das zum Glück anders. Starke freue sich auf "einen interessanten Wahlkampf, spannende Debatten und verschiedene Ansätze, wie die Zukunft unserer Stadt gestaltet werden kann."

CSU-Herausforderer Christian Lange sieht das ähnlich: "Ich freue mich über jeden und jede, der oder die für dieses anspruchsvolle Amt des Oberbürgermeisters kandidiert." Der Platz fülle sich und er sichere jedem "ein faires Spiel" zu. Lange glaube nicht, dass die Reinfelder-Kandidatur die CSU Stimmen kosten wird.

Kein OB-Kandidat der AfD

Der mittlerweile nominierte GAL-Kandidat Jonas Glüsenkamp freut sich, dass der Wahlkampf nun auch endlich weiblicher werde. Jeder Kandidat bringe neue Ideen ein, sorge für neues Diskussionspotenzial - das sei das Tolle an der Demokratie. "Vieles deutet darauf hin, dass es zu einer Stichwahl kommen wird", sagt Glüsenkamp. Es sei auch verständlich, dass einige Listen durch eigene OB-Kandidaten mehr Aufmerksamkeit zur Stadtratswahl auf sich ziehen wollen.

"Den Schritt von Daniela Reinfelder kann ich taktisch gut nachvollziehen", sagt Ursula Redler, die stellvertretende Vorsitzende der Bamberger Allianz (BA). Auch die BA habe vor, in Kürze eine Kandidatin oder einen Kandidaten zu präsentieren.

Das hat der Bamberger Bürgerblock (BBB) nicht vor. "Wir konzentrieren uns auf den Stadtrat und kämpfen dort um eine starke Fraktion", sagt Norbert Tscherner.

Während neben der BA auch FDP, Bamberger Linke und Die Partei angekündigt haben, noch Bewerber ums Oberbürgermeisteramt aufzustellen, hat sich die AfD inzwischen dagegen entschieden. "Wir werden keinen OB-Kandidaten ins Rennen schicken", sagt AfD-Kreisvorsitzender Jan Schiffers.

Damit dürften es nach derzeitigem Stand acht Bewerber um den OB-Sessel werden. Ob auch die Freien Wähler und die Europapartei Volt ihre eigene Kandidaten küren werden, ist noch nicht bekannt.

KOMMENTAR von Stefan Fößel

Die Zünglein an der Waage

Mit Daniela Reinfelder tritt eine vielseitige, gut vernetzte und selbstbewusste Kommunalpolitikerin bei der OB-Wahl 2020 an. Dass es äußerst unwahrscheinlich ist, dass sie auch nur die Stichwahl erreicht, dürfte ihr aber dennoch klar sein. Dennoch bietet ihr die OB-Kandidatur eine Plattform, um für ihre Gruppierung und ihre politischen Ziele zu werben.

Mindestens acht Kandidaten um das Amt des Oberbürgermeisters wird es bei den Wahlen im März 2020 gegeben. Der mit Wählerstimmen zubereitete Kuchen wird allerdings nicht größer. Und so werden die Blicke auch darauf ruhen, wie groß die Stücke der Kleinen ausfallen und um wie viel kleiner entsprechend die der Großen, wer im ersten Wahlgang den Kandidaten von CSU, SPD und GAL wie viele Stimmen kostet.

Denn am Ende wird alles auf eine Stichwahl hinauslaufen, in der es bekanntlich nur noch zwei Kandidaten geben kann. Doch schon davor dürfte ein buntes und breit aufgestelltes Teilnehmerfeld, zu dem auch Daniela Reinfelder beiträgt, für eine spannende Wahl sorgen.

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