Bamberg
Kommunalwahl

Christian Lange geht in die Offensive

Mit der Ankündigung seiner Kandidatur läutet der CSU-Kreisvorsitzende auf der Altenburg den Wahlkampf ein. Nicht alle Parteifreunde sind begeistert.
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Auf der Altenburg kündigte Christian Lange an, dass er für die CSU bei der OB-Wahl 2020 antreten möchte. Foto: Michael Memmel
Auf der Altenburg kündigte Christian Lange an, dass er für die CSU bei der OB-Wahl 2020 antreten möchte. Foto: Michael Memmel
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Ein paar Sätze, nicht viele Worte - und plötzlich ist der Kampf ums Rathaus eröffnet. Mit seiner Ankündigung, für das Amt des Oberbürgermeisters bei den Kommunalwahlen im Frühjahr 2020 kandidieren zu wollen, hat sich Bürgermeister Christian Lange gestern Nachmittag aus der Deckung gewagt - und aus dem Schatten von Oberbürgermeister Andreas Starke, der sich bezüglich seines erneuten Antritts noch nicht festgelegt hat. "Es ist jetzt schon 25 Jahre her, dass die CSU den OB in Bamberg gestellt hat, und ich höre von vielen, dass sie das nun wieder tun soll", erklärte der Kreisvorsitzende beim Wintergrillen der CSU auf der Altenburg. Um dann zu bekräftigen: "Ich möchte mich bewerben, der Kandidat unserer Partei zu sein."

Energischer Applaus folgte auf seine Ankündigung, aber auch ein paar einzelne irritierte Blicke. "Vom Zeitpunkt dieser Ankündigung bin ich schon ein bisschen überrascht, auch wenn es sich in den vergangenen Wochen und Monaten angedeutet hat", gestand Gesundheitsministerin Melanie Huml, die offensichtlich erst ein wenig überredet werden musste, um sich dann ganz am Rande zu der Schar der Lange-Unterstützer zu stellen. Reizvoll sei das OB-Amt schon, aber in München mache es auch Spaß, blockte sie anschließend die Frage nach eigenen Ambitionen ab. "Jeder CSU-Kandidat" werde aber ihre Unterstützung bei der OB-Wahl haben.

Keine Absprache mit Partei-Gremien

Deutlicher wurde ihr Mann Markus, Stadtrat und einer von vier Stellvertretern im Kreisvorstand. Er grantelte: "Wir haben intern noch erheblichen Abstimmungsbedarf! Denn es hat keine Vorbesprechung mit dem Kreisvorstand und der Fraktion gegeben." Parteiintern könne man sich ja jetzt gerne festlegen, aber nach außen hätte er es für besser empfunden, erstmal die Europawahl abzuwarten. Auch der Vorsitzende des Ortsverbands Mitte, Stefan Kuhn, dem selbst Interesse an einer Kandidatur nachgesagt wird, fühlte sich übergangen: "Es hätte sich gehört, vorher mit den Gremium zu sprechen." Er kann sich - wie viele andere CSU-Mitglieder - vorstellen, dass es noch weitere Bewerber innerhalb der Partei geben wird, so dass sich die Mitglieder demnächst zwischen mehreren Kandidaten entscheiden müssen. Auf Lange sieht er jedenfalls eine Zerreißprobe in den nächsten Monaten zukommen - zwischen seiner Rolle als Bürgermeister und Kandidat bzw. Kreisvorsitzender.

Diese leicht säuerliche Reaktionen bildeten jedoch die Ausnahme. Die große Mehrheit der Rückmeldungen auf Langes Schritt war positiv. Stefan Dotterweich, Vorsitzender des Ortsverbandes Gangolf, sah sich zum Beispiel nicht übergangen: "Der Kreisvorsitzende hat das Recht dazu, den Wahlvorschlag zu beanspruchen. Dazu muss er sich mit keinem vorher absprechen." Die stellvertretende Kreisvorsitzende Anna Niedermaier lobte gar die Entschlossenheit und den Mut des 46-Jährigen: "Ihm wurde ja immer vorgeworfen, dass er ein Fähnchen im Wind ist. Das war er heute nicht. Im Gegenteil: Er hat heute Rückgrat bewiesen." Ihr gefalle vor allem, dass "wir unsere Segel setzen, bevor es andere tun" - und meinte damit OB Starke.

Viel Rückendeckung

Weiteres Lob kam von der JU-Vorsitzenden Annemarie Bauer ("Wir als JU stehen hinter ihm. Er macht einen guten Job."), von Gaby Seidl, Vorsitzende vom Ortsverband Ost, ("Wir freuen uns riesig. Er hat sich großartig entwickelt.") oder auch von Kreisgeschäftsführer Florian Müller, ("Das ist genau das richtige Zeichen an die Bamberger, dass die CSU den Sessel erobern will.").

So äußert sich OB Starke

In seiner ersten Reaktion zeigt sich Amtsinhaber Starke gelassen und verrät nichts von seinen eigenen Plänen: "Kandidaturen sind in einer Demokratie die Normalität, und ich habe vor jedem Respekt, der sich um dieses Amt bewirbt, weil damit eine große Verantwortung für unsere Stadt verbunden ist. Außerdem finde ich es gut, dass die Bürgerschaft eine Auswahl zwischen mehreren Kandidaten hat."

Kommentar von Michael Memmel: Wer sich zuerst bewegt

Es hätte eine zähe Geschichte werden können. Wie beim Bahnradsprint, wenn sich zwei Fahrer belauern und Stehversuche unternehmen, um ja nicht dem Gegner in die Karten zu spielen. Denn wer als erstes losfährt und gleich ein hohes Tempo vorgibt, ermöglicht es dem Kontrahenten im Windschatten zu fahren, Kraft zu sparen und kurz vor dem Ziel noch zu überholen. Also besser nicht bewegen, abwarten, die Konkurrenz beobachten.

So hätte es bei den Parteien in Bamberg auch mit Blick auf die Wahl des Oberbürgermeisters im März 2020 noch ein paar Monate laufen können. Gerade weil der Mann auf dem Chefsessel, Andreas Starke, noch alle zappeln lässt, ob er erneut antritt. Während viele auf ihn schauen, hat sich nun ein anderer bewegt: Christian Lange bricht seinen Stehversuch ab und tritt entschlossen an.

Ist das eine Flucht nach vorne, um parteiinterne Konkurrenz auszubremsen? Oder liegt es am Druck aus seiner Partei und seinem privaten Umfeld? Oder ist es ein mutiger Antritt, um sich vor Starke und anderen Kandidaten erstmal einen Vorsprung herauszufahren? Wahrscheinlich von allem etwas. Nur eins ist es sicher nicht: ein unüberlegter oder gar hektischer Ausreißversuch. Nein, dafür reflektiert der Bürgermeister und CSU-Kreischef seine eigene Position und die Stimmungslage in Bamberg zu intensiv. Er weiß um das Risiko und geht es (selbst)bewusst ein. Das Schlimmste, was ihm droht, ist nicht, am Ende den immer noch beliebten Amtsinhaber entthronen zu müssen und zu scheitern. Sondern: Im Falle einer Niederlage womöglich eine perfekte Ausgangsposition für 2026 zu verspielen, wenn Starke nicht mehr kandidieren darf.

Beim Bahnradsprint würde es nach diesem Auftaktmanöver nun für Lange darum gehen, sich so weit wie möglich abzusetzen. Und für die Konkurrenz, sich schnellstmöglich an seine Fersen zu heften, sprich eigene Bewerber zu benennen und dann im Windschatten zu fahren. Letzteres könnte tatsächlich ein Vorteil sein, wenn es darum geht aus Fehlern anderer zu lernen und gute Ideen zu übernehmen. Doch auch im Radsprint sind nicht die Spätstarter grundsätzlich die Sieger. Für alle ist nach dem Stehversuch nun Stehvermögen im Wahlkampf gefragt. Und das über 14 Monate.

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