Bamberg
Interview

Christian Lange (CSU): "Ich habe eine gute Chance, OB zu werden"

Christian Lange möchte 2020 für die CSU den Chefsessel im Rathaus erobern. Zu seinen Beweggründen ein Interview mit dem Kreisvorsitzenden.
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Christian Lange. Foto: privat
Christian Lange. Foto: privat

Herr Lange, warum bewerben Sie sich schon jetzt dafür, als Kandidat der CSU bei der OB-Wahl 2020 anzutreten? Schließlich sind es noch 14 Monate bis zur Abstimmung.

Christian Lange: Hier treffen drei Überlegungen zusammen: Erstens haben mich in den letzten Monaten viele Bambergerinnen und Bamberger innerhalb und außerhalb der CSU dazu ermuntert, mich um das Amt des Oberbürgermeisters zu bewerben. Zweitens haben Sie mit Ihrem Artikel am Tag des städtischen Neujahrsempfangs offenbar den Nerv vieler Bürgerinnen und Bürger getroffen, die einfach wissen wollen, wer wird sich darum bewerben, nächster Oberbürgermeister zu sein. Und drittens hat die Altenburg in meinem Leben eine große Bedeutung. Ich verbinde mit diesem Wahrzeichen unserer Stadt viele wichtige und persönliche Erlebnisse. Deswegen ist für mich hier und jetzt der richtige Augenblick.

Möchten Sie damit ein bestimmtes Signal senden?

Ja. Als Vorsitzender spüre ich deutlich die Aufbruchstimmung in meiner Partei. Die Mitglieder und viele Bürger in unserer Stadt wünschen sich nach 25 Jahren wieder einen CSU-Oberbürgermeister. Deshalb bin ich bereit, zusätzliche Verantwortung zu übernehmen. Als Bürgermeister habe ich Vieles erreicht. Ich kann auch Oberbürgermeister.

Kommen Sie damit anderen parteiinternen Bewerbern zuvor?

Nein. Ich bin als Parteivorsitzender derjenige, von dem die Mitglieder zu Recht erwarten, dass er eine klare Vorstellung für ein erfolgreiches Abschneiden der CSU hat. Deshalb kann ich heute schon sagen, dass ich alles dafür tun werde, dass die CSU die Kommunalwahl 2020 gewinnt. Daher bin ich als Vorsitzender auch dazu bereit, mich in die Verantwortung nehmen zu lassen. Wenn es dann weitere Bewerberinnen und Bewerber geben sollte, dann wäre das ein Zeichen für die Lebendigkeit der Partei. Dass das Ausdruck aktueller politischer Kultur ist, haben uns die Bundes-CDU mit ihrer Auswahl der Parteivorsitzenden und die CSU Bamberg-Land bei der Suche eines Rudrof-Nachfolgers gezeigt. Ich kann darauf verweisen, dass ich in den vergangenen sechs Jahren als CSU-Kreisvorsitzender die Partei modernisiert habe. Wir sind eine Mitmachpartei geworden und haben zum Beispiel das Delegierten-System durch ein Mitglieder-System ersetzt. Wir haben also die direkte Demokratie gestärkt. Wir haben mehr Frauen für uns gewonnen und sind weiblicher geworden. Wir haben uns personell neu aufgestellt und den Generationenwechsel geschafft - von Helmut Müller zu Melanie Huml, von Werner Hipelius zu mir, von Siggi Stengel zu Thomas Söder. Wir haben die strukturellen Voraussetzungen geschaffen; und wir sind inhaltlich gut aufgestellt mit den Schwerpunkten Wirtschaft, Bildung und Familie.

Wie schätzen Sie Ihre Chancen ein, dass Sie die Bamberger vom Bürgermeister zum Oberbürgermeister befördern?

Ich glaube, dass ich eine gute Chance habe, nächster Oberbürgermeister von Bamberg zu werden, sonst würde ich mich ja auch nicht um das Amt bewerben. In den letzten fünf Jahren habe ich für die Stadt Bamberg Vieles vorangebracht. Vor allem in den Bereichen Kultur, Sport und Bildung, für die ich zuständig bin, erhalte ich durchweg positive Rückmeldungen. Mich treibt aber auch um, dass es darüber hinaus etliche "Baustellen" gibt, die mir persönlich wichtig sind und in denen ich für andere Entscheidungen für unsere Stadt werben würde.

Welche Bereiche sind das?

Einfach ausgehend von meiner Lebenssituation: Ich bin jetzt Mitte 40, Vater eines Kindes und stehe vor den gleichen Herausforderungen wie viele meiner Freunde und Gleichaltrigen. Das ist erstens finanzierbarer Wohnraum, das sind zweitens Kita-Plätze und Schulsanierung, das sind drittens Perspektiven in der Arbeitswelt und schließlich ausreichend Pflegeplätze für Seniorinnen und Senioren. Das würde ich gerne zu meinen zentralen Punkten machen und den Wählern hier ein Angebot unterbreiten.

Wie könnte das aussehen?

Mein Kompass ist der Versuch, Politik aus einer christlichen Grundüberzeugung heraus zu gestalten. Deshalb bin ich in der CSU. Das beginnt mit dem Auftrag, unseren Kindern saubere Luft und sauberes Wasser zu hinterlassen und führt über das Ziel, unsere wunderschöne Stadt zu erhalten als Welterbe bis hin zu dem Aufgabenbereich "alle Menschen sind Geschöpfe Gottes". Da müssen wir gerade in der Flüchtlingsthematik als Christen beweisen, dass wir in Menschen, die in einer Notsituation zu uns kommen, unseren Nächsten erkennen.

Welchen Einfluss auf ihre Chancen wird eine erneute Kandidatur von Andreas Starke haben?

Ich mache meine Entscheidung nicht von anderen abhängig und der Frage, wie sich diese letztlich festlegen. Ich bewerbe mich darum, der nächste Oberbürgermeister Bambergs zu werden, weil ich glaube, dass ein CSU-Oberbürgermeister in Zusammenspiel mit Melanie Huml in München viel bewegen kann für unsere Stadt, und weil ich glaube, dass ein CSU-Oberbürgermeister mit einem CSU-Landrat aus der gleichen parteipolitischen Verortung besser zusammenarbeiten kann.

Mit ihrem Schritt hat der Wahlkampf definitiv begonnen. Und er wird 14 Monate lang dauern. Drohen nun härtere Auseinandersetzungen innerhalb der GroKo und eine Lähmung im Stadtrat?

Das glaube ich nicht. Wir haben für diese Periode eine Absprache unter vier Partnern, an der ich nicht rütteln werde. Ich glaube, es ist in den letzten Jahren viel gemeinsam erreicht worden, und das hat auch etwas mit der konstruktiven Rolle der CSU und meiner Arbeit ganz persönlich zu tun. Etwas anderes ist hingegen das Thema Kommunalwahl, und da ist es ein ganz normaler Vorgang, dass ab einem gewissen Zeitpunkt jeder der bisherigen Partner für seine Inhalte und sein personelles Angebot wirbt. Und dann schauen wir mal, welche Optionen sich dann nach der Wahl bieten. Als CSU verfolgten wir ein zweifaches Ziel: wir wollen erstens klar stärkste Fraktion bleiben und wir wollten zweitens den nächsten Oberbürgermeister stellen.

Wann soll sich die Partei auf Sie als Kandidaten festlegen?

Mir ist wichtig, die Mitglieder mitzunehmen. Denn ich habe die CSU zur Mitmachpartei umgebaut. Ich unterbreite jetzt den Mitgliedern ein Angebot und dann werden wir in den zuständigen Gremien den Zeitplan festlegen. Es gibt für mich erfreulich viele Mitglieder der CSU - erfahrene genauso wie welche, die ganz neu dabei sind -, die mir gegenüber zum Ausdruck gebracht haben, dass sie sich meine Kandidatur wünschen. Auch viele Bürger sind auf mich zugekommen und haben gesagt: "Es wäre doch schön, wenn Du bereit bist, mehr Verantwortung zu übernehmen. Wir trauen Dir das zu."

Was wären denn Ihre ersten Maßnahmen als Oberbürgermeister?

Meine erste Aufgabe als neuer Oberbürgermeister wäre es, eine tragfähige Mehrheit im Bamberger Stadtrat mit der CSU-Fraktion als Mitte zu gestalten. Daneben würde ich das direkte Gespräch mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Stadtverwaltung und der städtischen Töchterunternehmen suchen, um mich bei allen in der neuen Funktion vorzustellen und sie auf dem gemeinsamen Weg zur Umsetzung meiner inhaltlichen Zielen mitzunehmen. Und ich würde einen Partizipationsprozess mit der Bamberger Stadtgesellschaft anstrengen, um mit einem klaren Zeitplan zu raschen Erfolgen bei der Schaffung von finanzierbarem Wohnraum, dem weiteren Ausbau von Ganztagesangeboten für Kinder und einem nachhaltigen Verkehrskonzept zu gelangen.

Die Fragen stellte Michael Memmel



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