Wunsiedel im Fichtelgebirge

Chaostruppe spielt große Liebe

Witz, Musik, Theaterlust: "Shakespeare in Love" auf der Luisenburg bei Wunsiedel ist ein Riesenspaß. Die Premiere wird von einem überwiegend jungen Publikum stürmisch gefeiert.
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Leidenschaft und Turbulenz um Olivias Wohnwagen: Christopher Marlowe (Andreas Thiele, links), daneben mit Schreibfeder Will Shakespeare (Marc Schöttner) und Amme (Nikola Norgauer) Foto: Luisenburg-Festspiele
Leidenschaft und Turbulenz um Olivias Wohnwagen: Christopher Marlowe (Andreas Thiele, links), daneben mit Schreibfeder Will Shakespeare (Marc Schöttner) und Amme (Nikola Norgauer) Foto: Luisenburg-Festspiele

Nach der "Päpstin" und dem Rock'n'Roll-Musical "Grease" hat die Luisenburg mit "Shakespeare in Love" einen weiteren Treffer gelandet. Der Dreh, allseits bekannte Kino- Blockbuster auf die Bühne zu bringen, scheint sich zu bewähren. Die Aufführung hat das Publikum, darunter viele junge Zuschauer, begeistert.

Den Versuch, das Drehbuch Tom Stoppards nachzubuchstabieren, übernimmt der Regisseur Philipp Moschitz erst gar nicht. Er lässt in Wanderbühnen-Tradition spielen. Mit Sang und Klang zieht das bunte Häufchen ein. Allesamt Vollblut-Komödianten. Im Schlepptau ein feuerroter, kugelrunter Kleinst-Wohnwagen aus den Fünfzigern. Später rollt noch ein weiteres Spaßmobil ein: ein Mini-Lkw mit Schlauchboot auf dem Dach. Während unten der Fahrer wie ein Gondoliere brav paddelt, kuscheln oben Will Shakespeare und Viola. Mit dem Hormonanstieg wächst seine Kreativität.

Parodie des Theaterbetriebs

Gespielt wird in einer wundervollen Mixtur von Komik und Tragik, derber Sprache und Poesie, Wortwitzen und prallen Effekten. Immer wieder legt die Inszenierung aber den Kern des Stückes frei - die unsterbliche Liebe von Romeo und Julia. Das Ganze ist im Stil der Commedia dell'arte präzise choreografiert, mit Tempo und Freeze-Effekten. Zusätzlich für Atmosphäre sorgen Instrumente, die mehrere Schauspieler beherrschen; besonders berührend sind die angestimmten Madrigale.

Lustvoll wird der Theaterbetrieb auf die Schippe genommen. Besonders übel ergeht es dem Theaterchef Henslowe. Da ihm die Kohle ausgegangen ist und er kein neues Stück liefern kann, wird er von seinem Geldgeber Fennyman übel traktiert: an der Ackerschiene des Traktors werden ihm die Hammelbeine langgezogen, danach wird ihm mit einem Rohr ein Schwedentrunk verpasst. Die beiden Kontrahenten spielen ihre Rollen köstlich: Paul Kaiser ist in seiner roten Zipfelmütze ein armes Würstchen. Butz Buse ein knöcheriger alter Herr mit Stock, doch mit robuster Unternehmer-Philosophie: "Ich bin das Geld", sagt er, ansonsten: "Schnauze".

Beide erwarten von ihrem Starautor Will Shakespeare eine neue Komödie. Doch der leidet unter Inspirationsproblemen. Am eindringlichsten ausgespielt wird seine Schreibhemmung bei der Suche nach einem passenden Vergleich im 18. Sonett: "Soll ich denn einen Sommertag dich nennen, dich, der an Herrlichkeit ihn überglänzt?" Er stottert erbärmlich, ohne eine Silbe aufs Papier zu bringen.

Wer hilft, ist Christopher Marlowe, sein guter Geist und Konkurrent (Andreas Thiele). Er souffliert ihm wie Cyrano de Bergerac seinem Nebenbuhler, als er vor Viola steht und kein Wort für seine Gefühle findet. Und dient ihm auch als Feuerleiter, um auf den berühmten Balkon in Verona zu klettern - der hier nichts anderes als das Dach ihres Wohnwagens ist.

Ab in die Liebeslaube

Marc Schöttner und Ricarda Seifried spielen die Hauptrollen so konzentriert wie eindringlich. Ihre Leidenschaft ist mitreißend, zum Beispiel als Will seine Viola aus ihrem gefühlt sieben Meter langen Brusttuch wickelt und sich danach mit ihr durch die Luke in ihre enge Kiste zwängt. Im Finale bei der Aufführung von "Romeo und Julia" spielen sie den doppelten Selbstmord so hingebungsvoll, dass der Zuschauer erstarrt. Um sie herum sind weitere starke Partien angelegt: Nikola Norgauer als Violas schlitzohrige Amme, die ihre Affäre deckt. Georg Münzel als knochentrockener Lord Wessex, der keinerlei Sinn für das Theaterspiel noch für die Sehnsüchte seiner Braut besitzt. Fechten kann er immerhin furios, auch wenn er nach einem dramatischen Kampf gegen Will unsexy am Boden unterliegt.

Ein Highlight ist der Auftritt der Königin Elizabeth, hoch aufgetürmt in einer spitzen Pyramide von Tüll sitzend (fantasievolle Kostüme: Cornelia Petz). Als weise Richterin spricht sie Viola dem Lord zu und rät Shakespeare Komödien zu schreiben. Die nächste, "Was ihr wollt", spielen sie gleich mal an, während Viola mit ihrem Angetrauten zu seinen Plantagen nach Virginia abreisen muss.

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