Bamberg

Castingshow-Gewinner in Hirschaid bekommt Plattenvertrag

"Be famous", sei berühmt, lautete das Motto im Playoff: Beim Casting eines Platten-Studios aus Hirschaid gab es einen Plattenvertrag zu gewinnen. Am Ende kämpften fünf Finalisten um den Sieg.
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Sängerin Viky ließ sich von Michael mit der Gitarre begleiten.  Fotos: Christina Lotter
Sängerin Viky ließ sich von Michael mit der Gitarre begleiten. Fotos: Christina Lotter
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Samstagabend, Playoff Bamberg: Jeder Platz ist besetzt, Anspannung liegt in der Luft. Hektisches Treiben hinter der Theke, schließlich möchten alle Gäste kulinarisch versorgt sein, bevor das Finale losgeht. Im Gewusel versucht jeder, einen Platz mit möglichst guter Sicht zu ergattern - nur steht an diesem Abend ausnahmsweise kein Spiel der Brose Baskets auf dem Programm der Sportsbar. Stattdessen dreht sich alles um die Musik: "Be famous", heißt das Casting, dessen Endrunde heute über die Bühne geht. 20 Teilnehmer haben sich in vier Vorrunden für das Finale qualifiziert.

Die meisten von ihnen sind schon seit zwei Uhr mittags vor Ort: Styling, Fotoshooting, Proben - die Nervosität der Kandidaten steigt, je näher der Beginn der Show rückt. Kurz vor 18 Uhr gleicht der abgetrennte VIP-Bereich, in dem sich die aufstrebenden Sänger und Sängerinnen aufhalten, einem wahren Hühnerstall: Handtaschen werden auf der Suche nach einer letzten Zigarette vor dem alles entscheidenden Auftritt durchwühlt, das Make-up muss dem kritischen Blick in den Spiegel standhalten, Eltern, Freunde und sonstige Fans werden mit dem Ablauf der Show vertraut gemacht und sind dabei fast so aufgeregt wie die eigentlichen Protagonisten.

ABBA und Hiphop

Lea Avend nimmt einen Schluck aus ihrer Teetasse. Das ist ihr Rezept gegen die Nervosität: "Kamillentee trinken - tut nicht nur der Stimme gut, sondern hilft auch beim Runterkommen. Und tief durchatmen!" Noch ist es allerdings nicht so weit: Die 22-jährige Studentin der Kommunikationswissenschaften geht erst als vorletzte ins Rennen. Eine Startposition, in der sie durchaus Vorteile sieht: "So kann man die Konkurrenz noch ein wenig beobachten." Und die erweist sich als nicht von schlechten Eltern: Von Queen über Amy Winehouse bis hin zu ABBA reicht die Spannbreite der Darbietungen, aber auch Hiphop und Rock'n'Roll sind vertreten. Lea hat sich für "One way or another" von Blondie entschieden - eigentlich nicht ganz das, was die Soulsängerin sonst bevorzugt singt.

Aber die Vorgaben der Jury für die Songauswahl waren klar: "In der ersten Runde des Finales muss jeder eine Up-Speed-Nummer, also einen schnelleren Song, singen. Die zehn Kandidaten, die weiterkommen, müssen in Runde zwei dann eine Ballade singen, und die fünf Finalisten dürfen einen Song ihrer Wahl performen", erläutert Stephanie Livesley, Jurymitglied, Produzentin und Inhaberin der Daruma-Studios. Zusammen mit ihrem Mann, der auch in der Jury sitzt, hat sie in Hirschaid das Studio vor einem Jahr gegründet. "Die Idee zum Casting", fügt Harald Kolb hinzu, drittes Jurymitglied und zuständig für das Marketing, "entstand dann eher aus einer Bierlaune heraus." Komplettiert wird die Jury vom Singer/Songwriter Patrick Söllner und Michael Capito, der vor den Teilnehmern den Hut zieht: "Eine gute Show und klasse Songs. Das könnte man eins zu eins im Fernsehen übertragen!".

Nach dem ersten Durchgang ziehen sich die fünf Jurymitglieder zu Beratungen zurück, "die Köpfe", so Stephanie Livesley, "rauchen gewaltig". Währenddessen steigt die Spannung bei den Kandidaten. "Mein Ziel wäre es schon, in die zweite Runde zu kommen", hofft Lea. Und auch ihre Mitbewerberin Anna Rosenfels, die die erste Runde mit Whitesnakes "Still of the night" rockte, hofft, unter die besten Zehn zu kommen. Nach einer unendlich lang scheinenden Pause verkündet die Jury schließlich ihre Entscheidung: Anna hat es geschafft und darf mit zehn anderen (spontan erweiterte die Jury die zweite Runde um einen Platz) jubeln. Für Lea hat es hingegen nicht ganz gereicht: Enttäuscht macht sie sich von dannen.

Zweite Runde: Balladen

Für die verbliebenen elf geht es nahtlos weiter, doch nicht alle meistern die Balladen so souverän wie die schnelleren Songs. "Freude kann jeder transportieren, aber Trauer oder Traurigkeit mit einem Lied rüberzubringen, musste ich auch erst lernen", gibt die 23-jährige Jasmin Beck zu. Und sie muss es wissen, rührte sie schließlich das Publikum und ganz besonders Stephanie Livesley zu Tränen mit Philipp Poisels "Eiserner Steg". Eigentlich, so die Abiturientin aus Kitzingen, komme sie aus dem Schlagerbereich. "Aber dieser Song war eine Herzensangelegenheit für mich." Sie hat ihn für ihre Mutter gesungen, die vor eineinhalb Jahren plötzlich verstarb.

Aber auch Anna reißt ihr Publikum buchstäblich vom Hocker: Nach ihrem kraftvollen Hard-Rock-Stück der ersten Runde legt die 24-Jährige aus Neustadt bei Coburg eine 180-Grad-Wende hin - mit einem klassischen Stück des norwegischen Komponisten Edvard Grieg aus dem 19. Jahrhundert. Und erntet dafür ungläubiges Kopfschütteln und begeisterte Sprachlosigkeit in Jury und Publikum sowie einen Platz im Finale. Ebenfalls weiter sind Jasmin sowie Andy Welt, der mit einer weiteren Philipp-Poisel-Ballade überzeugen konnte, Janine Hubert mit "Hurt" von Christina Aguilera und Viky mit ihrer Begleitung Michael (Katy Perry, "Thinking of you").

Im Finale dominiert Schlager

Im Finale sorgt Anna dann sofort für die nächste Überraschung mit dem Schlager "Atemlos durch die Nacht" von Helene Fischer. "Ich wollte was Lustiges für das Finale, etwas, womit niemand gerechnet hätte", erklärt sie ihre Songauswahl. Auch für Jasmin ist klar: Im Finale muss es Schlager sein. Mit "Mein Herz" von Beatrice Egli versucht sie ihr Glück, kann die Jury aber nicht ganz überzeugen. "Ich denke nicht, dass ich gewinnen werde", gibt sie sich nach ihrem Auftritt realistisch. "Aber ich hoffe natürlich trotzdem auf eine weitere Zusammenarbeit mit dem Daruma-Studio!"

So eng, dass ein Streichholz dazwischen passe, sei die Entscheidung am Ende gewesen, verrät die Jury, als sie weit nach Mitternacht zum letzten Mal die Bühne betritt, um das Ergebnis zu verkünden. Jasmin behält Recht mit ihrer Prognose: Sie wird überglückliche Fünfte und gewinnt, neben der Aufnahme eines Coversongs, die Produktion ihrer ersten eigenen Single.

Anna bekommt den Plattenvertrag

Der erste Platz, ein Plattenvertrag inklusive eines kompletten Albums und allem, was dazugehört, geht an die wandlungsfähigste Künstlerin des Abends: Anna Rosenfels. "Nie hätte ich damit gerechnet!", sagt die Studentin. Freude und ein bisschen Fassungslosigkeit zeigen sich in ihrem Gesicht.

Schließlich gibt es am Ende eines langen Tages nur zufriedene Gesichter: Alle fünf Finalisten dürfen für Aufnahmen ins Studio und die Organisatoren freuen sich, dass ihr Casting ein voller Erfolg war. "Wir denken schon über eine Fortsetzung im Sommer nach", verrät Stephanie Livesley. "Aber erst einmal gibt es eine Woche Urlaub!"

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