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Canalissimo: Reaktionen auf die Besucherbegrenzung

Der ehemalige Veranstalter und der Sprecher der Anwohnergemeinschaft äußern sich zur Neuerung. Auch im Internet wird viel diskutiert.
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Musik auf und um den Kanal: Canalissimo findet heuer von 25. bis 28. Juli statt - erstmals mit Höchstbesucherzahl. Foto: Barbara Herbst/Archiv
Musik auf und um den Kanal: Canalissimo findet heuer von 25. bis 28. Juli statt - erstmals mit Höchstbesucherzahl. Foto: Barbara Herbst/Archiv
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Mit "Interesse" habe Wolfgang Kerling, Sprecher der Anwohnergemeinschaft "Am Kanal" im Fränkischen Tag vom Streit um das Canalissimo-Fest gelesen. "Mit Erstaunen" reagiert hingegen Werner Richter, der das Fest ins Leben gerufen und 2016 an seinen Nachfolger Tom Land übergeben hat. Neu ist in diesem Jahr vor allem eine Höchstbesucherzahl von 1800 Personen insgesamt und exakt 767 Menschen auf der Seite "Am Kanal". Die Zahl hat mit ordnungsrechtlichen Bestimmungen hinsichtlich Fluchtwegen zu tun.

Die Besucher werden mit einem elektrischen Zählsystem erfasst. Ist die Grenze erreicht, gibt es einen Einlassstopp.

Des Einen Freud, des Anderen Leid

"Als Anlieger freuen wir uns, dass unsere Sicherheitsbedenken endlich ernst genommen werden und mit einer Zugangssperre reagiert wurde", schreibt Kerling. Ex-Veranstalter Richter sieht durch die immer neuen Auflagen hingegen die Existenz des Festes bedroht. "Deswegen mein Appell an die Stadt als Genehmigungsbehörde: Keine weiteren Einschränkungen für dieses schöne und friedliche Straßenfest und vor allem keine Besucherbegrenzung!"

In seinem Leserbrief schreibt Richter, dass es vor allem zwei Beschwerdeführerinnen seien, "die das Fest seit Jahren mit einem fast schon missionarischen Eifer torpedieren und Katastrophenszenarien entwickeln." Die Anwohnerinnen, von denen eine auch im vorherigen FT-Artikel zu Wort kam, hatten nicht an den Mediationsverfahren zwischen Anwohnern, Veranstalter und Behörden teilgenommen. Sie forderten wegen ihrer Sicherheitsbedenken, dass Canalissimo künftig nur noch auf der linken Kanalseite (Villa Geyerswörth) stattfinden soll.

"Kann man von Dialogbereitschaft sprechen, wenn man solchen Treffen einfach fernbleibt und in keinster Weise an Kompromissen interessiert ist?", fragt Richter, der auch eine Lanze für Ordnungsreferent Ralf Haupt bricht: "Er hat schon immer versucht, die Interessen beider Seiten vernünftig auf einen Nenner zu bringen: Verkürzung der Öffnungszeiten, mehr Sicherheitspersonal und Begrenzung der Musiklautstärke - was einen Veranstalter nicht gerade erfreut, den Anwohnern aber entgegenkommt." Deshalb verstehe er nicht, warum weitere Auflagen w folgen. Seinem Nachfolger Tom Land wolle er "ein Kompliment aussprechen, dass er immer noch die Geduld und Energie hat, dieses tolle Fest fortzusetzen."

Anwohner-Sprecher Kerling hingegen sind es immer noch zu viele potenzielle Störenfriede, trotz der neuen Auflagen, die er auch begrüßt. "Die Belastungen für die Anwohner haben sich dadurch kaum geändert", beklagt er. "So bleibt manchen Anwohnern nichts anderes übrig, als das Feld zu räumen, denn vier Tage Festbetrieb - in neun Parterrewohnungen direkt vor dem Fenster - sind nur schwer auszuhalten."

Richter hingegen ist überzeugt: "Würde es Canalissimo nicht mehr geben, dann hätte Bamberg ein kleines sommerliches Glanzlicht weniger. Und das wäre sehr schade."

Reaktionen aus dem Netz

Im Internet, bei inFranken.de und in diversen Facebook-Gruppen, hat die Nachricht der Höchstbesucherzahl viele Reaktionen ausgelöst.

Die Gegner "Ich finde das nicht in Ordnung, da passen mehr hin. Zumal wird mit solchen Einschränkungen jedes Fest kaputt gemacht", beschwert sich Tino K. über die Höchstbesucherzahl. Benji S. fordert gar einen grundsätzlichen Klageverzicht, den jeder neue Anwohner unterzeichnen muss. Dadurch soll es dann "keine Glockenverbote neben Kirchen, keine Gockelschrei-Verbote auf dem Land und keine Festverbote in Innenstädten geben. Und wenn es doch mal zu laut wird, gibt es einen alten Brauch: Miteinander sprechen!" Hayo H. findet die Besucherbegrenzung "zum Kotzen. Wer in einer lebendigen Stadt wohnt, kann ein wenig Lärm ertragen." Das Vorgehen insbesondere zweier Beschwerdeführerinnen aus der Anwohnerschaft hält Nutzer "HotelBA" für "Egoismus pur", unter dem Hunderte Besucher zu leiden hätten. Die Neutralen Einige wenige Reaktionen aus dem Netz sind weder für noch gegen eine Besucherbegrenzung. "Auf der einen Seite kann man stolz sein, dass Bamberg und seine Events so beliebt sind. Auf der anderen Seite wird es irgendwann einfach zu viel für die Anwohner", schreibt etwa Sigrid A. Rainer P. weist darauf hin, dass es beim Kontakt-Festival schon seit Jahren eine ähnliche Regelung gebe. Nach Canalissimo wäre "die logische Konsequenz, mit der Sandkerwa ebenso zu verfahren", findet er.

Die Befürworter "Absolut korrekt. Sollte für die Sandkerwa auch eingeführt werden", schließt sich Manuel R. an. Auch Marc P. findet: "Richtig so. Es ist immer so dermaßen überfüllt, dass es keinen Spaß mehr macht, irgendwo hinzugehen." Nutzer "laberhannes" fehlt grundsätzlich der Spaß: "Was Fress- und Saufbuden mit Kultur zu tun haben, hat sich mir noch nicht erschlossen. Was vollgekotzte Ecken mit Feiern gemein haben, ist mir unverständlich." Entsprechend habe er auch Sympathien für die Beschwerdeführerinnen "und bewundere ihren Mut, gegen die allgegenwärtige Spaßgesellschaft vorzugehen." makl

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