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Canalissimo in Bamberg: Der Veranstalter schmeißt wohl hin

Das Kulturfest am Kanal scheint an den hohen Auflagen gescheitert zu sein. Am Wochenende gab Veranstalter Tom Land an, hinschmeißen zu wollen. Auch die Besucher haderten mit dem frühzeitigen Einlass-Stopp.
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Am Nachmittag war bei Canalissimo wenig los, am Abend schon mehr. Dennoch macht dem Veranstalter die Besucherbegrenzung zu schaffen. Foto: Julian Megerle
Am Nachmittag war bei Canalissimo wenig los, am Abend schon mehr. Dennoch macht dem Veranstalter die Besucherbegrenzung zu schaffen. Foto: Julian Megerle
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"In Bamberg kann man gerade live den Tod eines Festes miterleben... Bei 1800 Besuchern ist gnadenlos Einlass-Stopp beim Canalissimo. Selbst dann ist aber noch ein Drittel der Sitzplätze frei - und alle Wege. Die Musiker spielen vor 20 Gästen...", mit diesen drastischen Worten beschreibt Markus Raupach auf seiner Facebookseite, welches Bild das einst so beliebte Kulturfest bei Schloss Geyerswörth am Freitag abgegeben hat.

Der Biersommelier war früher bei Canalissimo mit einem Stand vertreten. Nun tun ihm die Standbetreiber leid: "Vier Tage Arbeit und dann noch bei bestem Fest-Wetter drauflegen." Die Äußerung Raupachs ist eine von vielen in dieser Richtung und sie macht deutlich: In diesen Tagen hängt dicke Luft über dem alten Kanal in Bamberg.

Auch am Samstag: Einlass-Stopp

Canalissimo, das Straßenfest, welches seit 15 Jahren besteht, ächzt auch am Samstagabend unter dem schwülen Wetter. Und um 20.30 Uhr ist bereits Einlass-Stopp. Ein Bamberger geschätzt Anfang 40 wartet seit 20 Minuten, um aufs Gelände zu kommen und seine Freunde zu treffen. Weiter hinten in der stetig wachsenden Schlange heißt es eine dreiviertel Stunde die Beine in den Bauch stehen.

Dass in diesem Jahr nur maximal 1800 Menschen gleichzeitig anwesend sein dürfen, regelt ein Bescheid der Stadt und dafür muss eine elektronische Zählanlage her, die mit 15.000 Euro zu Buche schlägt. Deshalb kostet das ganze Spektakel diesmal drei Euro Eintritt. "Das ist keine gute Lösung. Entweder jeder kann rein oder man kann das so nicht stattfinden lassen", findet der Bamberger in der Schlange. Gerade gegenüber Auswärtigen sei die Begrenzung der Besucherzahlen unfair.

Gähnende Leere am Nachmittag

Ein paar Stunden früher: Nur wenige Menschen tummeln sich auf dem Gelände rund um den Kanal, auf welchem sonst nur die Gondolieres den Touristen die malerische Kulisse zeigen. Auf dem Platz vor der Bühne herrscht gähnende Leere.

Ein älteres Ehepaar aus dem Landkreis Haßberge steht auf der Nonnenbrücke. "Drei Euro Eintritt sind einfach zu teuer, um einfach nur drüber zu schlendern", sind sich die Eheleute einig. Da würden die Besucher nicht auf ihre Kosten kommen.

"Canalissimo hat für mich einfach einen freundlichen und familiären Charakter", findet Monika Wittmann, die zusammen mit ihrem Mann Georg Wittmann schon oft die Abende auf Fest genossen hat. Zwar sei man schon grundsätzlich bereit, den Eintritt zu zahlen. Aber die neuen Auflagen könnten für Schwierigkeiten sorgen: "Das wird das Aus für das Fest sein, aber es wäre so schön, wenn es weiter gehen würde", meint Georg Wittmann.

Anwohner: hoher Lärmpegel

Die Anwohnergemeinschaft, welche im Streit mit dem Veranstalter liegt, haben auf Beschränkungen beim Fest gedrängt. "Das ist ein ruhiges Fest ohne laute Schausteller, das kann man einmal im Jahr schon aushalten", ist sich das Ehepaar sicher. Was sollten die Menschen am Maxplatz mit seinen zahlreichen Veranstaltungen sagen?

"Man ist praktisch eine Woche lang nicht Herr seiner Zeit", beschreibt dagegen Wolfgang Kerling die Lage. Der Sprecher der Anwohnergemeinschaft, welcher 36 Menschen angehören, hat die Bühne direkt vor der Haustür. Trotz Beschränkung auf 1800 Besucher sieht er immer noch einen vergleichbaren Lärmpegel und auch die Einschränkungen für die Anwohner seien ähnlich hoch.

"Wäre das Fest nicht kommerziell ausgerichtet, sondern die Einnahmen für einen guten Zweck bestimmt, wären auch unsere Einschränkungen hinnehmbar", meint der Anwohner Kerling. Mit einer Mediation im Frühjahr 2019 zwischen Stadtverwaltung, Anwohnern und Veranstalter sollten die Bedenken ausgeräumt werden. "Durch die Kontrolle der Besucherzahlen hat sich die Sicherheitslage auf dem Fest verbessert", lobt Kerling das Ergebnis des Gesprächs. Solange aber Einschränkungen für die Anwohner beständen, gebe es weiter Redebedarf.

Wie die Anwohnergemeinschaft das Wochenende in Gänze wahrgenommen hat, möchte man im Laufe der Woche danach erfragen. Also: Gab's Verschmutzungen oder Sachbeschädigungen an den Anwesen? Was Kerling "stinksauer" mache, sei die Unterstellung, dass die Anwohner auf die Zahl von 1800 Menschen gedrängt hätten. "Das sind Zahlen, welcher der Veranstalter selbst angeführt hat", gibt der Sprecher der Anwohnerschaft zu bedenken.

Mit zweierlei Maß gemessen?

"Die Zahl von 1800 Menschen bezieht sich auf meine Schätzung von vor vier Jahren, wie viele Menschen zu Canalissimo mindestens kommen werden", verteidigt sich Veranstalter Tom Land. Dass daraus die Obergrenze seitens der Verwaltung wurde, ist für ihn nicht nachvollziehbar. Außerdem sei die Mediation parteiisch gewesen und dazu komme noch ein weiterer Verdacht: Es werde mit zweierlei Maß gemessen, wenn es um Auflagen für Veranstaltungen in der Stadt gehe. Kurz gesagt: "Eine Riesen Frechheit".

Der Versammlungsstättenordnung gebe Raum für 4000 Besucher auf der Festfläche her. Was er prognostiziert habe, sei eingetreten: "Das Fest ist ziemlich leer, man kann hier ohne Probleme Fußball spielen", sagt er beim Gespräch am Samstagnachmittag.

Die Anzahl der Stände hat er verringert, die Öffnungszeiten wurden kürzer. Zwölf Sicherheitsmitarbeiter müssen für Ordnung sorgen. Weitere kleinere Auflagen kommen obendrauf.

Sein Schluss ist eindeutig: "Ich liebe das Canalissimo, aber unter diesen Bedingungen muss ich das Fest einstampfen", stellt Land klar, welcher seit fünf Jahren die Organisation auf die Beine stellt. Damit die Standbetreiber nicht auf ihren Ausgaben sitzen bleiben, hat er das Fest trotz allem durchgezogen. "In der Zukunft werde ich in den Nachbargemeinden ein Fest veranstalten", erklärt Veranstalter Land, der schon gute Gespräche mit den Bürgermeistern im Umland geführt habe.

Mit Bamberg hat er veranstaltungstechnisch abgeschlossen. Fürs Erste zumindest.

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