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Buttenheim
Heimkehrer

Buttenheim feiert mit "Willi"

Ehrenringträger William Haberman weiß mehr über den Ort als jeder andere. 1939 emigrierte seine Familie, zuerst nach England, dann nach New York. Zu seinem 90. gibt die Marktgemeinde einen Empfang.
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Willi Haberman ist kaum zu bremsen, An dieser Stelle, so erklärte er Bürgermeister Kalb, wurde früher im Bach Wäsche gewaschen. Und auch so mancher Betrunkener landete im im Wasser. Fotos: Ronald Rinklef
Willi Haberman ist kaum zu bremsen, An dieser Stelle, so erklärte er Bürgermeister Kalb, wurde früher im Bach Wäsche gewaschen. Und auch so mancher Betrunkener landete im im Wasser. Fotos: Ronald Rinklef
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Willi Haberman ist so etwas wie Buttenheims wandelnde Chronik. "Der Willi weiß alles", sagt Bürgermeister Jogann Kalb. Jung und alt kennt Willi gleichermaßen und der zu jedem Fleckchen hier dessen Geschichte. Seine eigene wiederum ist eine äußerst bewegte: Nach Verhaftungen im Zuge der Reichsprogromnacht 1939 floh die Familie zunächst nach England, um ein Jahr später in den Vereinigten Staaten von Amerika sesshaft zu werden. Es sollte 48 Jahre dauern, bis Willi wieder an seinen Geburtsort zurückkehrte. Seitdem kommt er regelmäßig zu Besuch und Buttenheimer zu ihm. Und seinen 90. feiert er am Sonntag zusammen mit den Buttenheimern - die Marktgemeinde richtet für Ehrenringträger Haberman im Phönix-Sportheim ab 11 Uhr einen Empfang aus.

Und mit Ausnahme von einigen wenigen, die er lieber nicht mehr sehen will, freut sich der Jubilar über jeden, der kommt.
Habermanns hatten immer ein offenes Haus, zeigen seine Erzählungen. Vater Wilhelm war Viehhändler, Hopfeneinkäufer und betrieb überdies ein kleines Lebensmittelgeschäft. "In Buttenheim hat man nicht darauf gemerkt ob einer protestantisch, katholisch oder jüdisch war", sagt Willi.

"Die Welt hier war in Ordnung." Nur den ersten "Hitlerbürgermeister" bezeichnet er als Lump. Das "Hitlerzeug, das wird sich nicht halten", hätten seine Eltern gedacht. Doch sie täuschten sich. Dann musste alles schnell gehen, die jüdische Familie emigrieren. Mit der alten Heimat - Habermanns sind seit Anfang des 18. Jahrhunderts Buttenheimer - verloren sie auch das zweite "n" im Familiennamen und aus Willi wurde ein William, genannt Bill.

Weil Habermans in Buttenheim so verwurzelt waren, hielten sie Kontakt. Mit der Bamberger Familie Papst. "Denen haben wir nach dem Krieg Kaffee geschickt." Im Gegenzug schickten die Bamberger als Dankeschön die Tageszeitung nach New York. So blieben Habermans auf dem Laufenden, wenn auch etwas verspätet. Es dauerte, bis Willi Haberman auf Drängen seines Jugendfreundes Hans Modschiedler wieder nach Buttenheim kam. Zwischenzeitlich war er als echter Selfmademan über Brotzeitverkäufer am Broadway, Koch bei der Army und Schreiner Innenarchitekt und Architekt geworden, der für Amerikas Reiche arbeitet. Wie fühlt sich der Mann mit zwei Pässen? "In Amerika als Amerikaner und hier als Buttenheimer", antwortet Haberman typisch verschmitzten.

Buttenheim hat er inzwischen etliche historische Fotos und Dokumente überlassen und wird nicht müde, sein Wissen von dem, was hier wo war und wie, zu teilen. Wenn Haberman anfängt "früher war hier", darf man sich auf ebenso aufschlussreiche wie amüsante Geschichten freuen. Bürgermeister Kalb hört "dem Willi" immer gerne, lang und intensiv zu - um dann doch immer wieder ganz Neues zu erfahren. "Früher" waren die Buttenheimer auch immer ganz heiß auf den Roman in der Zeitung, weiß Willi und wer sie dann wem weiter gegeben hat. Die Marktgemeinde hat schon etliche von Willis Geschichten für die Nachwelt verewigt.

Wo früher der Garten der Habermanns war, parken heute Autos und auch das Haus steht nicht mehr. Das sei vielleicht besser so, meint Willi Haberman ein bisschen wehmütig und dreht an dem goldenen Ehrenring, den er seit 2005 in Buttenheim immer am Finger trägt. "Die Leute fragen mich danach."
Warum feiert er seinen 90. in Buttenheim? "Die Buttenheimer machen da mehr draus als die Amerikaner", kehrt Willi Haberman den Pragmatiker heraus.

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