Bamberg
Kostenfrage

Buckelpiste sorgt für Ärger

Der FC Wacker 1927 drängt auf eine Rasensanierung - doch die wird teurer als erwartet und wird sich hinziehen.
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Hier macht das Kicken keinen Spaß mehr: Der Fußballplatz des FC Wacker am Margaretendamm ist marode. Foto: Alexander von Stetten
Hier macht das Kicken keinen Spaß mehr: Der Fußballplatz des FC Wacker am Margaretendamm ist marode. Foto: Alexander von Stetten
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Es ist das Heimspiel der Saison schlechthin. Beim FC Wacker 1927 in Bamberg ist fast alles bis auf den letzten Platz besetzt. Alle sind da: Spieler, Familien, Nachbarn. Kräftige Unterstützung für den Verein in grün-weiß. Aber: Die Stimmung im Vereinsheim ist mau. Denn diesmal geht es nicht um das runde Leder an sich- sondern um den Platz darunter. Der Rasen wird zunehmend zur Buckelpiste. Es blüht und gedeiht das Unkraut. Eigentlich war eine Sanierungsmaßnahme für den Platz längst angedacht. Aber es kam anders.

"Alles was recht ist, aber ein wenig Gleichbehandlung zwischen den Vereinen wäre auch ganz fein", prangert der Erste Vorsitzende Axel Altstötter an. Bei anderen Sportplätzen wie am Volkspark seien seitens der Stadt Bamberg kurzfristig Gelder zu Verfügung gestellt worden, um die Rasenflächen wieder in Schuss zu setzen, listet Altstötter auf, der seit elf Jahren seinen Verein im Vorstand vertritt.

Summe reicht nicht aus

Quasi auf der Gästetribüne sitzt der Zweite Bürgermeister Christian Lange (CSU), um im Kampf um die Rückrunde doch noch ein paar Punkte zu machen. "Beim Volkspark geht es auch um die Gewährleistung des Schulsports", verteidigt sich Lange. Ursprünglich seien 40 000 Euro veranschlagt worden, um den Rasen am Margaretendamm wieder fit für den Spielbetrieb zu machen. Im Juni kam dann die Überraschung. "Eine Fachfirma und auch das Gartenbauamt haben mir bestätigt, dass wir mit der ursprünglichen Summe den Platz nicht instandsetzen können", erklärt Lange. Der Wasserablauf funktioniere nicht richtig. Durch das Kicken habe sich die Erde verdichtet und das Wasser fließe nicht ab. Kostenpunkt: 110 000 Euro. Das lies sich nicht mehr in einem Rutsch mit laufenden Mitteln abdecken. Das ist Geld, dass die CSU-Fraktion im Haushalt für 2020 verankert sehen wolle. "Ich gebe mein Wort, dass wir diese Summe in den Haushaltsentwurf der Verwaltung aufnehmen", bekräftigt Lange. Auch Heinz Kuntke, Fraktionssprecher des SPD im Finanzsenat, erklärt auf Rückfrage vonseiten eines Vereinsmitglieds, dass er sich "selbstverständlich" für die Summe zugunsten der Platzsanierung einsetzen werde. Auch Jonas Glüsenkamp von Grünes Bamberg signalisierte Unterstützung.

In Gesprächen mit anderen Sportvereinen in der Stadt soll laut Lange am folgenden Tag eine Lösung für den Übergang gefunden werden. "Damit der FC Wacker im Winterhalbjahr einen zusätzlichen Platz nutzen kann", meint der Zweite Bürgermeister.

Umsetzung im Frühjahr?

Sobald der Stadtrat im Dezember das Geld bewilligt habe, könne man im Frühjahr an die Umsetzung gehen. "Sobald die Witterung und die Ruhezeiten es zulassen, werden wir den Rasen neu bepflanzen und herrichten", versichert Lange. "Kann man nicht Rollrasen auslegen? Der ist nach vier Wochen angewachsen", fragt ein junger Mann. "Dadurch, dass der Unterbau schon steht, können wir auch ohne Rollrasen sanieren", meint der Chef des Gartenbauamts.

Damit war der Ärger noch nicht ausgeräumt: "Unseren Verein kostet es 200 Euro Miete pro Spiel, wenn wir auf einen anderen Platz ausweichen müssen", beklagt Alexander von Stetten. Bei vier bis fünf Spielen sieht der Spielleiter eine Belastung von 1000 Euro auf seinen Verein zurollen, welche man nicht stemmen könne. Dazu kämen noch die Ausfälle beim Getränkeausschank.

Ein aktiver Spieler fragt, ob die Stadt das Ausweichen auf die Kunstrasenflächen bezuschussen könne. "Wenn wir uns die Plätze mit anderen Vereinen teilen müssen, kommen da nur Spielzeiten abends von neun bis elf Uhr raus", bringt es ein Mann im mittleren Alter zum Ausdruck. Lange verspricht die Anliegen an den Stadtrat zurückzutragen. Ob der FC Wacker den Bolzplatz hinter dem Vereinsheim zeitweise als Übergangslösung für die Trainings nutzen will, muss er noch intern entscheiden.

"Das ist eine bodenlose Frechheit! Das ist das, was ich anprangere", meint Michaela Judex nach der Gesprächsrunde. Im Sommer seien noch ganz andere Fakten auf dem Tisch gelegen. Seit 50 Jahren ist sie dem FC Wacker 1927 schon treu.

Kinder springen ab

Ihr Mann, ihre Kinder und ihre Enkel sowie ein Schwiegersohn kicken für den Verein. "Dabei müsste man uns besonders unterstützen, weil wir ein kleiner Verein sind, der sich noch aus eigener Kraft über Wasser hält", betont sie. Kinder seien bereits abgesprungen, da man momentan weit entfernt bei der ASV Victoria trainieren müsse. "Und dabei wachsen wir gerade bei der Jugend so stark", gibt Judex zu bedenken.

Wer hat gewonnen? Das lässt sich noch nicht sagen. Immerhin, der Rasen soll demnächst gemäht werden. Aber niemand kann eine weitere Nachspielzeit wollen.

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