Bamberg
Ausbau

Brose tritt in Bamberg auf die Bremse

Anders als geplant wird die Erweiterung des Brose-Standorts an der Breitenau erst einmal auf Eis gelegt. In Bamberg bereitet der überraschende Rückzieher Sorgen.
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Im Umgriff der bestehenden Brose-Firmengebäude sollte der Bauabschnitt zwei entstehen. Nun ist die Entscheidung über den Ausbau des Standorts erst einmal vertagt. Im Herbst soll die Sachlage laut Brose neu bewertet werden.  Foto: Ronald Rinklef
Im Umgriff der bestehenden Brose-Firmengebäude sollte der Bauabschnitt zwei entstehen. Nun ist die Entscheidung über den Ausbau des Standorts erst einmal vertagt. Im Herbst soll die Sachlage laut Brose neu bewertet werden. Foto: Ronald Rinklef

Es sind die sprichwörtlichen dunklen Wolken, die sich über dem Wirtschaftsraum Bamberg zusammenbrauen. Bosch, der größte Arbeitgeber, steht vor einem weitreichenden Strukturwandel und verringert seit Monaten die Zahl der Jobs. Nun löst eine neue Nachricht Sorgen aus: Es ist die Brose-Gruppe mit Sitz in Coburg. Sie hat ihre bereits beschlossene Standort-Erweiterung für Bamberg verschoben.

70 Millionen Euro wollte der Hersteller von Türen- und Sitzelementen an der Breitenau in Bamberg in die Erweiterung seines Verwaltungszentrums stecken - in einem zweiten von insgesamt fünf geplanten Bauabschnitten, binnen zwei Jahren.

Die Ende 2018 von der Gesellschafterversammlung des Familienunternehmens beschlossenen Pläne sahen vor, bereits 2019 mit dem Projekt zu beginnen. 2021 sollte es abgeschlossen sein.

Auch ein Ausbau der Beschäftigung sollte damit verbunden werden. Brose plante, die derzeitige Belegschaft "auch durch Neueinstellungen" an der Breitenau von 700 auf rund 1100 Mitarbeiter aufzustocken, um das Geschäft mit elektrischen Seitentür- und Heckklappenantrieben weiter entwickeln zu können. "Für Bamberg ist das eine sehr erfreuliche Angelegenheit", erklärte Michael Stoschek, Vorsitzender der Brose-Gesellschafterversammlung, noch im Dezember 2018 .

Nun ist zumindest der Zeitpunkt der Erweiterung in Frage gestellt. "Brose hat ein weltweites Kostensenkungsprogramm gestartet. Deshalb überprüfen wir an allen Standorten geplante Investitionen. In diesem Zusammenhang hat die Geschäftsführung beschlossen, die Entscheidung über das weitere Vorgehen beim Bauvorhaben am Berliner Ring in Bamberg zu vertagen", erklärt Sprecher Jürgen Hoffmeister von Brose. Die Gründe für die Entscheidung seien vor allem auf die konjunkturelle Lage zurückzuführen. Gut für die Nachbarstadt Hallstadt: Dort sind die zeitgleich angekündigten Investitionen offenbar nicht in Frage gestellt. Wie Hoffmeister mitteilt, werden bestehende Gebäude in Hallstadt für einen zweistelligen Millionenbetrag ergänzt, um das Geschäft im Türbereich zu sichern.

Wie reagiert die Stadt Bamberg auf die Verschiebung des Vorzeigeprojekts an der Breiten-au? Erst am Dienstag wurde im im Finanzsenat über drastisch zurückgehende Gewerbesteuereinnahmen geklagt. Wirtschaftsreferent Stefan Goller gibt sich dennoch zuversichtlich: "Wir sind der Überzeugung, dass Brose, dessen Produkte unabhängig vom verwendeten Antriebsstrang benötigt werden, mittelfristig gestärkt aus der aktuellen Krise der Automobilindustrie hervorgehen wird." Die Stadt gehe davon aus, dass das Unternehmen grundsätzlich an seinen Ausbauplänen festhält. Das entsprechende Erweiterungsgrundstück habe Brose bereits erworben.

"Das wäre tragisch"

Die meisten Bamberger Kommunalpolitiker hätten sich Nachrichten dieser Art gerne erspart: "Dass Brose seine Pläne auf Eis legt, ist schlecht für Bamberg", sagt Helmut Müller, Fraktionsvorsitzender der CSU: "Da der lange Jahre größte Gewerbesteuerzahler für die Stadt Bamberg ausfällt, ist Brose für die Stadtkasse ungeheuer wichtig. Deshalb hätte uns jede weitere Investition sehr gut getan."

Ganz so optimistisch wie die Stadtverwaltung sieht Müller die Ausgangslage nicht: Geld sei heute sehr volatil. Auch mit fünf geplanten Bauabschnitten sei der Ausbau kein Selbstläufer. "Käme es nicht dazu, wäre das tragisch."

Tatsächlich scheint die größte Firmenansiedlung der letzten Jahrzehnte nicht ohne Konflikte abzulaufen. Einerseits beeindruckt es viele, was unter der Führung von Michael Stoschek an der Breitenau seit 2012 entstanden ist. Andererseits wachsen Bestrebungen in der Bürgerschaft, den in der Nachbarschaft des Firmengeländes gelegenen Flugplatz vor Begehrlichkeiten zu schützen. So hat der Bund Naturschutz für die Ausweisung eines 85 Hektar großen Naturschutzgebietes Flugplatz nach eigener Darstellung bereits 1000 Unterschriften gesammelt. Sie sollen am Montag im Rathaus an OB Andreas Starke (SPD) übergeben werden.

Könnte das zum Problem für den weiteren Ausbau werden? Bisher zumindest ist die Stadtverwaltung überzeugt, dass sich beide Ziele, Naturschutz und Industrieansiedlung, vereinbaren lassen. Der Blick zurück zeige, dass die wertvollen Magerrasen an dieser Stelle nur dadurch überlebten, dass es den Sonderlandeplatz gab. "Die Ausweisung eines Naturschutzgebietes ist aus Sicht der Stadtverwaltung weder nötig noch sinnvoll", sagt Sprecherin Ulrike Siebenhaar.

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