Bamberg
Auftritt

Brillanter Solist: Bamberger Publikum bejubelt Frank Peter Zimmermann

Wie den Bamberger Symphonikern und ihrem Chefdirigenten Jakub Hru  Grad ša ein perfekter Saison-Auftakt mit Ligeti, Martinu und Janácek gelingt.
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Umjubelt: Solist Frank Peter Zimmermann (links) und Chefdirigent Jakub Hru Gradša nach der Aufführung von Bohuslav Martinus 1. Violinkonzert in der Bamberger Konzerthalle.Foto: Jochen Berger
Umjubelt: Solist Frank Peter Zimmermann (links) und Chefdirigent Jakub Hru Gradša nach der Aufführung von Bohuslav Martinus 1. Violinkonzert in der Bamberger Konzerthalle.Foto: Jochen Berger
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Wie schnell altert die Moderne? Wie modern klingt gut ein halbes Jahrhundert nach seiner Uraufführung 1961 in Donaueschingen György Ligetis Orchesterwerk "Atmosphères"? Beim zweiten Abonnementkonzert der Bamberger Symphoniker tönte das extrem vielstimmig aufgefächerte Werk unter Leitung von Chefdirigent Jakub Hru  Grad ša geradezu zeitlos modern - in seiner radikalen Mikropolyphonie gleichermaßen faszinierend wie irritierend.

Mit reichlich Verspätung kam einst das 1. Violinkonzert des in Kriegszeiten heimatlos gewordenen böhmischen Komponisten Bohuslav Martinu auf das Podium. Erst vier Jahrzehnte nach der Entstehung in Paris und fast eineinhalb Jahrzehnte nach dem Tod Martinus erlebte das Werk 1973 seine Uraufführung.

Instrumentale Oper

Brillanz und rhythmische Energie in den raschen Ecksätzen, sehnsuchtsvolle Klangschwelgerei im ruhevollen Mittelsatz - unter Jakub Hru  Grad šas intensiv gestaltender Leitung bescherten die Symphoniker dem Werk eine sehr eindringliche Bamberger Erstaufführung.

Frank Peter Zimmermann, gerne gehörter Gast an der Regnitz, war der perfekte Solist für dieses eminent wirkungsvolle, aber auch technisch überaus anspruchsvolle Konzert - mit einem Ton, der Süße und Kraft, Brillanz und Beweglichkeit ganz selbstverständlich verband. Ovationen für Orchester, Dirigent und Solist und schließlich noch eine wunderbare Zugabe: Bartóks "Melodia" aus der Solosonate für Violine.

Leos Janáceks Oper "Das schlaue Füchslein" wurde lange Zeit als vermeintlich harmlose Tierparabel ver- und damit missverstanden. Dass dieses Füchslein nicht nur Naturstimmungen beschwört, sondern beklemmend auch von Gewalt erzählt, erlebte das Opernpublikum im Winter 2017 in einer packend-verstörenden Inszenierung am Landestheater Coburg. Jakub Hru  Grad ša hat nun eine eigene Suite aus dieser Oper zusammengestellt. Sie folgt chronologisch dem Geschehen der Oper.

In der Uraufführung in der Konzerthalle ließ Hru  Grad ša mit packender Intensität der Gestaltung hörbar werden, wie schroff und unerbittlich Janáceks Musik mit ihren oft harten Schnitten ein knappes Jahrhundert nach der Uraufführung noch immer klingen kann. Dass hinter der (vermeintlichen) Idylle oft ein Abgrund der Brutalität lauert, wurde in dieser packenden Interpretation durch Hru  Grad ša und die bestens disponierten Symphoniker sehr deutlich hörbar. Janaceks "Schlaues Füchslein" als rein instrumentale Oper im Konzertsaal - an diesem Abend funktionierte das mit großer Sogwirkung. Großer Applaus und als Zugabe schließlich noch zwei der Ungarischen Tänze von Johannes Brahms in der Orchestrierung von Antonin Dvorák.

Radio-Tipp

Mitschnitt Das Konzert wurde von Deutschlandfunk Kultur mitgeschnitten und wird am Mittwoch, 3. Oktober, um 20.03 Uhr in der Sendung "Konzert" ausgestrahlt. red



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