Bamberg

Brettspiele-Fans in Bamberg treffen sich regelmäßig

Seit über zwei Jahrzehnten trifft sich eine bunt gemischte Truppe von Brettspiel-Fans in Bamberg zum Spielen. Ums Gewinnen geht es ihnen dabei weniger.
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Bei der Spielegruppe Bamberg treffen sich Spiele-Fans jeden Alters.Foto: Ronald Rinklef
Bei der Spielegruppe Bamberg treffen sich Spiele-Fans jeden Alters.Foto: Ronald Rinklef
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So langsam wird es eng für Michael Müller. Banditen und Gesetzlose sind dem Sheriff auf den Fersen. Es geht um Leben und Tod, eigentlich kann ihm nur noch ein Lebenspunkt der Hilfssheriffs retten. "Ein Bier als Lebensquelle wäre auch nicht schlecht", verkündet der Gejagte, kurz bevor er die Würfel scheppernd auf den Tisch fliegen lässt. Wenig später ist es um "Mimü", wie Müller von seinen Freunden genannt wird, aber geschehen. Die Banditen jubeln, der Sheriff ist tot. "Und tschüss. War nett mit euch", sind "Mimüs" letzten Worte.

Sheriff Müller sitzt an einem langen Tisch in einem Vereinsheim in der Dr.-Robert-Pfleger-Straße in Bamberg. "Mimü" ist kein echter Sheriff, für das Spiel "Bang!" schlüpft er aber gerne in diese Rolle. Zusammen mit sechs anderen Bambergern hat er sich zum Start in den Abend für das beliebte Würfelspiel entschieden. Die Figur des Sheriffs hat Müller zwar kein Glück gebracht. Aber: "Das ist mir egal. Es geht nicht ums Gewinnen - maximal um die Ehre", lacht er.

Die Mitglieder der Spielegruppe Bamberg treffen sich immer dienstags ab 19.30 Uhr. Die Runde ist bunt gemischt, "vom Rentner bis zum Kind ist alles dabei", sagt Klaus Rothlauf, der die Gruppe leitet. Die genaue Mitgliederzahl kennt er nicht. "Da wir kein Verein sind, gibt es kein Satzung, Vereinsstatuten oder genaue Aufzeichnungen. Deswegen ist auch keine Mitgliederzahl bekannt. Die wechselt teilweise auch recht schnell." Ein genaues Gründungsjahr ist ebenfalls nicht aktenkundig. Exakt festgestellt werden kann es auch nicht mehr. Der Grund: Es ist schlichtweg kein noch lebendes Gründungsmitglied bekannt.

Von der aktuellen Runde ist Müller am längsten dabei - und so schnell wird sich daran auch nichts ändern. "Es macht Spaß, mit anderen analog zu spielen. Das ist doch nicht das Gleiche, wenn man am Computer sitzt", sagt Müller, der viele kommen und gehen gesehen hat. "Manche bleiben, andere merken schnell, dass das nichts für sie ist." Interessant sei, dass nur wenige gebürtige Bamberger der Gruppe angehören. "Viele probieren das aus, weil sie neu in der Stadt sind und Kontakt suchen." Und ab und an auch etwas mehr: Müller bezeichnet die Spielegruppe augenzwinkernd als Tauschbörse für Singles. "Drei Paar haben sich hier kennen und lieben gelernt."

Die Hauptintention bleibt aber die Lust am (Brett-)Spielen. Im Besitz der Gruppe ist ein kleiner Fundus von Brettspielen, häufig werden aber auch die persönlichen Lieblinge mitgebracht. "Es gibt Klassiker, die werden regelmäßig gerne gespielt. Aber wir probieren auch immer wieder Neues aus. Die entscheidende Frage ist immer: Wer ist da und was wird gespielt?"

Ums Gewinnen geht es den Spiele-Fans eher nicht, obwohl man auch schon bei den Deutschen Brettspiel-Meisterschaften teilgenommen hat und immer Anfang Januar um einen selbstgebastelten Wanderpokal wetteifert. "Es gibt selten jemand, der immer gewinnen will. Und keiner von uns weint und geht heim, wenn er mal verliert. Es ist einfach schön, zu spielen und sich zu unterhalten. Hier kann man sich wohlfühlen", sagt Rothlauf, während er die Karten wieder zum Mischen ordnet.

Michael Müller hat kurze Zeit später übrigens doch noch eine Glückssträhne. Beim Spiel "Las Vegas" verteilt er seine Würfel geschickt auf den Casino-Karten und heimst so die meisten Geldscheine ein. Kurz vor seinem letzten Zug blickt Müller siegessicher in die Runde und verkündet mit einem Lächeln: "Ich würde sagen, ich kläre die Sache jetzt mal. Ach, Spielen kann so schön sein."



Das Spiel des Jahres: "Camel up"

Bei "Camel up" wetten die Spieler auf Kamele und versuchen zu tippen, welche von ihnen ganz vorne landen werden und welches als letztes über die Ziellinie galoppiert. Aber in all dem Gedränge laufen die Kamele nicht ordentlich hintereinander her, sondern drängeln und schubsen was das Zeug hält. Wer ein gutes Näschen beweist, verdient viel Geld. Häufig geht das aber auch schief, wenn die Kamele entgegen jeder Wahrscheinlichkeit machen, was sie wollen.

"Camel up" funktioniert sowohl in kleinen wie in großen Runden. Ab sechs Spielern sinkt der Einfluss natürlich deutlich, aber das stört nicht. Denn dann wird aus dem Familienspiel eben ein prima Party-Spiel.

Autor Steffen Bogen ist Privatdozent für Kunstwissenschaft an der Universität Konstanz. Der 46-jährige Musikliebhaber feierte seinen bislang größten Erfolg im Jahr 2012, als er mit dem kooperativen Elektronikspiel "Schnappt Hubi!" die Auszeichnung "Kinderspiel des Jahres" gewann. Nominiert zum "Spiel des Jahres" waren in diesem Jahr außerdem "Concept" und "Splendor".


Braucht man eine Drachen-Haftpflicht?

Pünktlich zum Herbstbeginn steigen auf den abgeernteten Stoppelfeldern der Republik wieder die Drachen in die Luft. Beim Spiel des Windes mit bestimmten Spaßgeräten verdienen auch die Versicherer mit. "Das sind ja im Prinzip Luftfahrzeuge", sagt eine Sprecherin des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). Und als Luftfahrtgeräte sind sie im Rahmen der Privathaftpflicht meist nicht mitversichert - sie machen damit den Abschluss einer gesonderten Versicherung notwendig. Konkrete Zahlen zu den Einnahmen aus den speziellen Drachen- und Drohnenversicherungen hat der Verband bisher allerdings nicht. Bis 2005, so der Allianz-Konzern, waren Drachenlenker wie auch Betreiber motorgetriebener Flugmodelle bis fünf Kilogramm bei Unfällen über die private Haftpflicht mit abgesichert. "Nun ist gesetzlich vorgeschrieben, dass jedes Flugmodell versichert werden muss", heißt es auf der Konzern-Homepage, der vor unbeschränkter Haftung bei einem Verschulden warnt.

Der Grund: Zum einen sind Luftfahrzeuge laut Gesetz auch "sonstige Geräte", die in Höhen von mehr als 30 Metern betrieben werden. Gesa Panetta vom Versicherer Talanx: "Das schließt unter Umständen Drachen ein, deren Leinenlänge mehr als 30 Meter beträgt; für diese würde dann eine separate Versicherungspflicht bestehen." Im Klartext: Eine private Haftpflichtversicherung käme dann nicht für Schäden auf. Zum anderen kennt das Gesetz Geräte, die besondere Gefahren für die Luftfahrt mit sich bringen, "ohne Luftfahrzeug zu sein". "Dazu gehören explizit auch Drachen", so die Talanx-Sprecherin. Drachen-Versicherungen liegen je nach Deckungssumme bei Prämien von 90 bis 145 Euro pro Jahr. Grundsätzlich müssen beim Steigenlassen eines Drachen auch die behördlichen Auflagen eingehalten werden - dazu gehört etwa bei Leinenlängen über 100 Meter eine Aufstiegserlaubnis, teilt das Luftfahrt-Bundesamt mit. Auch die Einhaltung einer Mindestdistanz zu Flugplätzen oder die Erlaubnis des Grundstückeigentümers ist nötig.

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