Bamberg
Begegnung

Botschafter der Integration

Der Verein Dardania Bamberg kickte in Berlin gegen den FC Bundestag und holte sich viele Sympathien.
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Fußball verbindet: Arm in Armn nach dem Spiel in Berlin (von links): Isak Gashi, Heinz Kuntke, Christian Lange, Florim Gashi und Andreas Schwarz. Foto: Dardania Bamberg e. V.
Fußball verbindet: Arm in Armn nach dem Spiel in Berlin (von links): Isak Gashi, Heinz Kuntke, Christian Lange, Florim Gashi und Andreas Schwarz. Foto: Dardania Bamberg e. V.
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Der Spätsommer taucht den Tag in satte Farben. Sichtlich stolz schauen die beiden in die Kamera: Florim Gashi steht gemeinsam mit seiner Mutter vor dem Reichstagsgebäude in Berlin. Und dafür haben Mutter und Sohn allen Grund: "Es war für mich immer klar, dass ich Deutschland etwas zurückgeben muss", meint Gashi, der 1992 aus dem Kosovo fliehen musste. Damals, als der Kosovokrieg entbrannte und zahlreiche Menschen ihre vertraute Heimat verlassen mussten. 1999 brachte die Bundeswehr die Familie per Flieger nach Deutschland. Alle bis auf den ältesten Sohn sind nach sechs Monaten wieder zurück, Florim Gashi lebt seither in Bamberg.

Unlängst hatte der gebürtige Kosovare die Chance, seinen Dank auszudrücken: Gemeinsam mit 35 Mitgliedern des Dardania Bamberg e.V., dem deutsch-albanischen Kulturverein, ging es in die Hauptstadt, um gegen den FC Bundestag auf dem Fußballrasen anzutreten. Der FC Bundestag, eine Mannschaft aus aktuellen Bundestagsabgeordneten, kickt 20 Mal im Jahr und bekam mit der Delegation aus Bamberg ernstzunehmende Konkurrenz.

"Allerdings hat der FC etwas getrickst. Während ich mit 44 Jahren der jüngste Spieler unserer Mannschaft war, waren bei den Abgeordneten einige um die 30", meint Gashi. Nach 90 Minuten stand es 6:3 für die "Berliner". Das ruft nach einer Rückrunde! Selbst die Unterstützung durch die Bamberger Kommunal- und Bundespolitik konnte am Spiel im Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark nichts mehr drehen. Stadtrat Heinz Kuntke (SPD), Sportbürgermeister Christian Lange (CSU), welcher kurzfristig zum Spiel anreiste, und Bundestagsabgeordneter Andreas Schwarz (SPD), welcher den Kontakt zur Bundestagself vermittelte, hatten eine gute Zeit auf dem Rasen.

"Außergewöhnliches Spiel"

"Wir haben gemerkt, dass der FC besser konditioniert ist als wir, aber es war ein außergewöhnliches Spiel!", freut sich Mannschaftskapitän Gashi. Auf der Gästetribüne und auf dem Spielfeld waren nicht nur zahlreiche Freunde des Vereins, sondern auch die Botschafter der Republiken Kosovo, Albanien und Mazedonien.

Mindestens genauso wichtig wie der Kampf ums runde Leder war die "dritte Halbzeit" mit Kulturprogramm am Abend. Im Restaurant eines "italienischen Albaners" waren nicht nur traditionelle Tänze in albanischer Tracht angesagt.

"Die Gespräche mit den Abgeordneten gingen noch bis morgens um eins!", erzählt Gashi zufrieden. Er ist überzeugt, dass Integration - ohne Verlust der eigenen Identität - am besten mit Bildung, Kultur und Sport gelinge. Eine Botschaft, welche er als Vorsitzender von Dardania betonen möchte. "Wir wollen zeigen: In Bamberg funktioniert's!", meint der Vertreter der Kosovo-Albaner im Bamberger Migrations- und Integrationsbeirat.

Aber nicht nur die kulturelle Botschaft, welche noch am Tag danach in der Bundestagskantine diskutiert wurde, lag Gashi am Herzen: "Wir wollten auch die Menschen aus der deutschen Politik zusammenbringen, um die Wichtigkeit des Balkans als Ganzes hervorzuheben", erklärt er. Er wünscht sich sozusagen auch Fairplay in Sachen EU-Beitritt: "Wenn es eines Tages soweit ist, müssen alle Länder gemeinsam in die Union eintreten", fordert Gashi. Damit seine Mutter nicht mehr fünf Monate auf ein Visum warten muss.

Besuch im Bundestag

Dank dem CSU-Bundestagsabgeordnetem Thomas Silberhorn gab es im Verteidigungsministerium eine Präsentation der Arbeit der Bundeswehr. Und ein Besuch im Herz der Demokratie, dem Bundestag, war natürlich ebenso Pflicht für den Vorsitzenden Gashi und seine Freunde aus Bamberg und dem Kosovo.

Wann die von Marcus Weinberg (CDU), Mannschaftskapitän des FC Bundestag, versprochene Revanche stattfindet, steht noch aus. Klar ist: "Ich bin noch immer wie in einem Traum!", freut sich Gashi und ist dankbar für die Hilfe durch Politik und Sponsoren, ohne die all das nicht möglich geworden wäre. Und Bamberg sei seitdem ein Begriff in Berlin: für Integration und Zusammenhalt.

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