Bamberg
Arbeitsplätze

Boschler in Bamberg kämpfen für den Diesel

Die Sorge um ihre Jobs treibt die Bosch-Mitarbeiter auf die Straße. Eine rasche Elektrifizierung der Antriebstechnogien hätte schlimme Folgen für Bamberg.
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Die Nachfrage nach Diesel-Komponenten sinkt, die Schließtage in Bamberg nehmen zu: Die Bosch- Belegschaft geht unsicheren Zeiten entgegen.   Fotos: Barbara Herbst
Die Nachfrage nach Diesel-Komponenten sinkt, die Schließtage in Bamberg nehmen zu: Die Bosch- Belegschaft geht unsicheren Zeiten entgegen. Fotos: Barbara Herbst
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Wenn es ein Zeichen dafür gibt, wie stark die Region Bamberg vom Dieselmotor abhängt, dann wohl dieses: Der Platz vor dem Werkteil 1 und 2 in der Robert-Bosch-Straße ist an diesem Donnerstagmittag in Rot getaucht. Von 3000 Bosch-Mitarbeitern, die nach einer Betriebsversammlung den Weg zum Werkstor finden, trägt der Löwenanteil Westen in der Farbe Rot. Man muss wissen: Rot steht für den Anteil von Mitarbeitern, die in Bamberg Diesel-Komponenten fertigen. Die Boschler in den Farben Blau und Weiß sind dagegen eine Minderheit. Sie stehen für die Beschäftigungszahlen bei "Benzinern" und Elektroautos.

Für alle, denen sich das Farbenspiel beim Bosch-Aufmarsch nicht erschloss, erklärte Mario Gutmann, die Symbolik in drastischen Worten: "Wenn die Elektrifizierung in vollem Umfang kommt, dann sind die Roten und die Blauen weg. Dann bleibt nur noch dieses traurige Häuflein der Weißen übrig - und auch die arbeiten nicht in Deutschland oder Europa, sondern in China."

Für Bamberg und die gesamte Region steht viel auf dem Spiel. Noch beschäftigt der größte heimische Arbeitgeber zwar 7400 Mitarbeiter. Doch die Belegschaft schrumpft parallel zum Rückgang der Nachfrage nach Dieselkomponenten bereits seit Jahren. Niemand weiß, wo das enden wird. Gutmann jedenfalls spricht von einer Reise mit "dramatischen Zügen". Bosch werde auf unter 5000 Leute runterkommen, ein massiver Aderlass - trotz der Übernahme der Auszubildenden. "Es geht ans Eingemachte, es geht ums Geld der Leute, und es geht noch weiter", ruft der Arbeitnehmervertreter den Menschen zu.

Der Schrumpfkurs hat begonnen

Der Schrumpfkurs beim größten Bamberger Arbeitgeber ist ein Fakt, den am Donnerstag auch Martin Schultz, kaufmännischer Werkleiter im Bosch-Werk Bamberg, bestätigt. Jährlich verliert das Werk über Vorruhestandsregelungen, Altersteilzeitverträge und Abfindungen 200 bis 250 Mitarbeiter. Um die Flaute abzufangen, schickt Bosch seine Mitarbeiter erstmals in den unfreiwilligen Osterurlaub. Immerhin: Betriebsbedingte Kündigungen sind bisher ausgeschlossen, das Beschäftigungsniveau werde "einvernehmlich" reduziert, betont Schultz.

Demonstrativ Seite an Seite stehen Belegschaft und Werkleitung in Sachen Diesel. Gutmann prangerte die einseitigen staatlichen Subventionen für die Elektrifizierung an. Die Werkleitung betonte die Zukunftschancen, die der "moderne Diesel dank des geringen Verbrauchs und des geringen -Ausstoßes" habe.

Doch einfach wird es nicht, den Standort Bamberg in seiner jetzigen Stärke zu sichern. Johann Horn, IG-Metall-Bezirksleiter, nahm die Politik, aber auch die Geschäftsleitung in die Pflicht: "Wir erwarten, dass Bosch gemeinsam mit der Gewerkschaft und den Beschäftigten ein Zukunftskonzept für Bamberg entwickelt.

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