Bamberg
Wirtschaft

Bosch in Bamberg bis 2026 gesichert - Landrat erleichtert über Einigung mit Mitarbeitern

Aufatmen in Bamberg: Der Bosch-Standort ist für die Zukunft gesichert. Es wurde eine Vereinbarung erzielt, die für die nächsten sechs Jahre betriebsbedingte Kündigungen ausschließt. Der Bamberger Landrat ist erleichtert über die Lösung.
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Nach monatelanger Unsicherheit ist die Zukunft bei Bosch am Standort Bamberg gesichert. Foto: David-Wolfgang Ebener/dpa
Nach monatelanger Unsicherheit ist die Zukunft bei Bosch am Standort Bamberg gesichert. Foto: David-Wolfgang Ebener/dpa

Nach monatelanger Unsicherheit ist die Zukunft des größten deutschen Produktionsstandorts von Bosch in Bamberg geklärt. Wie die Deutsche Presse-Agentur berichtet, reduzieren die Beschäftigten des Autozulieferers für die kommenden sechs Jahre ihre Arbeitszeit und müssen auf einen Teil ihres Geldes verzichten. Im Gegenzug schließt das Unternehmen betriebsbedingte Kündigungen bis ins Jahr 2026 aus und investiert in eine Neuausrichtung des Werks, das komplett am Verbrennungsmotor hängt. Werkleitung und Betriebsrat haben eine entsprechende Vereinbarung zur Standortsicherung ausgehandelt, wie sie am Donnerstag mitteilten. Zuvor waren die Mitarbeiter in einer Betriebsversammlung darüber informiert worden.

Bosch-Werk in Bamberg gerettet: Transformation des Standortes

"Mit dem Ergebnis sind wir sehr zufrieden", sagte Betriebsratschef Mario Gutmann der Deutschen Presse-Agentur. "Ich bin erleichtert, dass wir damit eine Neuausrichtung und Sicherheit bekommen. Vor allem die Sicherheit ist heute unbezahlbar", betonte er. Mit der Vereinbarung gewinne man die nötige Zeit, um die Transformation des Standorts zu schaffen, und könne viele Arbeitsplätze erhalten.

Bamberg ist im Verbund der Bosch-Standorte ein Leitwerk für Dieseltechnologie und der größte Produktionsstandort in Deutschland. Mehr als 7000 Menschen sind dort beschäftigt. Entsprechend stark bekommt das Werk schon seit längerer Zeit den Wandel in der Autobranche zur Elektromobilität und den damit verbundenen Rückgang der Nachfrage nach Verbrenner-Technologie zu spüren. Für einige andere Standorte hatte Bosch kürzlich schon Stellenstreichungen angekündigt. Andere Zulieferer wollen ebenfalls sparen und dafür die Zahl ihrer Mitarbeiter verringern.

Landrat Johann Kalb: Beispiel für die ganze Automobilbranche

Aus dem Landratsamt in Bamberg kam ein erfreutes Statement von Landrat Johann Kalb (CSU): "Das sind wirklich gute Nachrichten vom größten Arbeitgeber in der Region. Da fällt mir ein großer Stein vom Herzen!" Kalb bedankt sich bei den Beschäftigten und der Unternehmensleitung, dass eine zukunftsfähige Lösung für das Werk gefunden wurde, mit der die Weichen für eine Neuausrichtung gestellt werden. "Das stimmt mich zuversichtlich für unsere Region, in der gut 20.000 Arbeitsplätze direkt von der Automobilzulieferindustrie angesiedelt sind." Das Beispiel zeige, dass der Transformationsprozess in der Automobilbranche gelingen könne.

Bosch Bamberg soll nun zu einem Standort für die Produktion von Brennstoffzellen ausgebaut werden. Eine Vorserienfertigung gibt es dort bereits. Auch in Verbrenner wird aber weiter investiert. "Wir können uns nun auf die Industrialisierung der mobilen und stationären Brennstoffzelle konzentrieren und zugleich die Verbrennungstechnologie weiterentwickeln - denn auch die Mobilität der Zukunft kommt ohne den modernen Verbrenner nicht aus", betonte Gutmann.

Ein Großteil der Beschäftigten arbeitet bisher 35 Stunden pro Woche. Vom 1. April 2020 an sollen es dann sechs Jahre lang drei Stunden weniger sein - mit entsprechend sinkender Bezahlung. Wer bisher 40 Stunden arbeitet, muss um vier Stunden reduzieren. "Dies ist eine für das Werk Bamberg maßgeschneiderte Lösung, die in dieser Form neu bei Bosch ist", sagte der kaufmännische Werkleiter Martin Schultz. Rund 6200 Tarifbeschäftigte sind davon betroffen, für den Rest gelten andere Regelungen.

Die Vereinbarung baue dem Standort Bamberg eine Brücke in die Zukunft, die man gemeinsam mit den Arbeitnehmervertretern geschlagen habe, sagte Bosch-Arbeitsdirektor Christoph Kübel. "Sie gibt uns und unseren Mitarbeitern dort über einen langen Zeitraum Planungssicherheit", betonte er. Das könne, trotz jeweils unterschiedlicher Bedingungen, auch ein Beispiel für andere Standorte sein. Wo immer möglich, sei es besser, die Arbeitszeit zu reduzieren, als Stellen abzubauen.

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