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Bosch Bamberg: Droht die Lohntüte bald kleiner zu werden?

Der Diesel-Skandal trifft die Automobilzulieferer. In den Bamberger Bosch-Werken droht den Beschäftigten ein heftiges Gehalts-Minus. Davor warnte der Betriebsrat die Mitarbeiter auf einer außerordentlichen Betriebsversammlung.
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Geschäftig wirkt er, der Bamberger Bosch-Werkteil 4 an der A 70. Dort werden Diesel-Produkte gefertigt. Intern aber brodelt es. Foto: Ronald Rinklef
Geschäftig wirkt er, der Bamberger Bosch-Werkteil 4 an der A 70. Dort werden Diesel-Produkte gefertigt. Intern aber brodelt es. Foto: Ronald Rinklef

"Der Kampf um das Einkommen hat begonnen!" Mario Gutmann, Vorsitzender des Bosch-Betriebsrats, ist sauer. Nicht etwa, weil die Diesel-Krise den Automobilzulieferer ins Wanken bringt, das ist länger bekannt. Auch nicht, das in den nächsten zehn Jahren wohl bis zu 2700 weniger Menschen als heute in den Bamberger Werkteilen beschäftigt sein werden. Das ist ebenso bekannt. Nun könnte die Krise die Mitarbeiter aber an ihrer empfindlichsten Stelle treffen: ihrem Geldbeutel. Für den Betriebsrat war das Grund genug, zum zweiten Mal in 79 Jahren Standortgeschichte eine außerordentliche Betriebsversammlung einzuberufen.

Über eine Verkürzung der Arbeitszeit (schrittweise von 35 auf 28 Stunden) wolle die Werkleitung die Personalkosten drücken, erklärt Gutmann. Heißt: weniger Gehalt. Wer im Monat beispielsweise 2000 Euro Netto verdient, könnte dann bis zu 400 Euro weniger raus haben. Betreffen würde diese Regelung jeden der 7700 Mitarbeiter in Bamberg, unabhängig davon, für welchen Produktbereich er arbeitet.

Aktuell besteht zwar eine Betriebsvereinbarung, die eine solche Arbeitszeitverkürzung verhindert. "Die Geschäftsführung möchte dort aber ansetzen", so Gutmann. Wie eine Sprecherin der Bamberger Werkleitung auf Anfrage mitteilt, sei es das "unbedingte Ziel, die Beschäftigung am Bamberger Werk zu halten". Dafür gebe es "zahlreiche Möglichkeiten". Die Arbeitszeitabsenkung fasse man als "letzte mögliche Maßnahme auf". Genau das aber kauft der Betriebsrat der Werkleitung nicht ab.

Dabei liege das Bamberger Problem gar nicht an fehlenden Aufträgen. Die gefertigten Teile im Dieselsegment seien zwar mit einem Minus von 35 Prozent deutlich zurückgegangen. An sich noch immer ausreichend, so Gutmann. "Aber es gibt 60 Standorte in 25 Ländern, auf die sich die restlichen Stückzahlen verteilen", erklärt Gutmann. Das Bamberger Werk scheint dabei aktuell nicht die höchste Priorität für die interne Vergabe von Stückzahlen zu genießen, so dass der Personalbedarf bisweilen schrumpft.

Weil aktuell aber betriebsbedingte Kündigungen ausgeschlossen sind, setzt das Unternehmen auf Schließschichten. Solche erhalten Mitarbeiter aus ausgewählten Bereichen dann, sollten wieder einmal nur weniger Stückzahlen gebraucht werden. Diese Zeit müssten sie jedoch mit ihrem persönlich angesammelten Mehrarbeitsstundenkonto "bezahlen". Bereits vorige Woche hätte es zwei solcher Schließtage geben sollen, wogegen der Betriebsrat aber sein Veto einlegte. Doch für die nächsten Wochen und Monate stehen weitere im Raum. "Sollten diese wie geplant kommen, sind die pro Kopf durchschnittlich 46 aufgebauten Plusstunden ganz schnell aufgebraucht", sagt Gutmann.

Dass die Werkleitung auf technologische Veränderungen in der Automobilindustrie reagieren muss, ist dem Betriebsrat klar. Er moniert die Art und Weise und hält der Werkleitung vor, nicht auf seine vorgeschlagenen Alternativen einzugehen. Zum Beispiel: Das Arbeitszeitkonto zu reformieren, so dass die Mitarbeitenden sowohl mehr Über-, aber auch mehr Minusstunden aufbauen können. Das schaffe mehr Handlungsspielraum.

Zudem sollte der neue Tarifvertrag (T-ZUG) künftig auf die gesamte Belegschaft angewendet werden, findet er. Dieser gesteht Schichtmitarbeitern sowie Familien und Pflegenden zu, zwischen einem Zusatzgeld oder mehr freien Tagen zu wählen. Dadurch würde das Unternehmen viel Geld sparen und die angedrohte Arbeitszeitverkürzung könnte auf die lange Bank geschoben werden.

Das Bamberger Werk ist "in hohem Ausmaß von Diesel abhängig", meint die Bosch-Sprecherin. Der Weg aus der Krise funktioniert selbst für das globale Unternehmen nicht ohne lokale Unterstützung. Bambergs Oberbürgermeister Andreas Starke sagt auf Anfrage unserer Zeitung: "Die Stadt Bamberg wird jede Initiative unterstützen, um die Zukunft des Standortes zu sichern". Denn nicht nur die Domstadt, sondern die gesamte Wirtschaftsregion sei auf die Firma Bosch angewiesen, so Starke. Bestärkung kommt auch von der IG Metall Bamberg. Matthias Gebhardt: "Wir appellieren an die Werkleitung von Bosch, die Vorschläge des Betriebsrates umzusetzen."



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