Bamberg
Klangfülle

Blues, Bier und Big-Band-Sound

Das 13. Tucher-Blues-und-Jazz-Festival in Bamberg startet mit bester Stimmung auf der Böhmerwiese.
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Ein Tänzchen auf der Wiese mit dem Big-Band-Sound der Bundespolizei in den Ohren: So lässt es sich Groß und Klein auf der Böhmerwiese gutgehen.  Alle Fotos: Julian Megerle
Ein Tänzchen auf der Wiese mit dem Big-Band-Sound der Bundespolizei in den Ohren: So lässt es sich Groß und Klein auf der Böhmerwiese gutgehen. Alle Fotos: Julian Megerle
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Die letzten Sonnenstrahlen verschwinden so langsam hinter dem Steigerwald. Anwohner sitzen auf Balkonen und in den Fenstern und schauen runter auf das bunte Treiben auf der Böhmerwiese. Soeben ist Daniela Hertje, oder kurz "Daney", mit ihrer Band auf die Bühne geklettert. Ein bisschen aufgeregt sei sie ja schon, verrät die gebürtige Bambergerin kurz zuvor. "Wenn man weiß das Freundinnen und Bekannte dabei sind, ist so ein Heimspiel was ganz anderes als einen zufälligen Auftritt in irgendeiner Stadt zu haben." 2015 kam die Sängerin bei der Fernsehcasting-Show "The Voice of Germany" groß raus. Und so steht sie nun bereits zum zweiten Mal beim Blues und Jazzfestival, das vom 2. bis 11. August in Stadt und Landkreis Bamberg zahlreiche Besucher zieht, zum Auftakt auf der Bühne.

Und dann legt sie los, mit Klassikern wie "Honeysuckle Rose" und oder Billie Holidays "Fine and mellow" weht das Flair der Hochphase des Jazz über die saftig grüne Wiese. Aber auch selbst geschriebene Lieder hat sie im Gepäck: Zu Songs wie "Weird pleasure" wirbeln ihre Haare im Takt der Melodie und mit eindringlicher Stimme besingt sie aufgeregt die verrückte Gefühlswelt. Ganz anders in "Utopian Dream": Sich der Illusion hinzugeben, dass der Traumpartner doch "Ja" zur gemeinsamen Hochzeit sagt. Ein gefühlvolles Saxofonsolo zeigt die zärtliche Seite ihres Schaffens. Wenn man die Künstlerin fragt, ist es ist eine Mischung aus Soul, RnB - und Eigenkompositionen dazwischen.

Um noch mal klar zu machen, dass sie aus Bamberg stammt, sagt sie auch mal im Fränkischen "Dange, Dange, ich bin übrigens von hier!" und muss lachen. Das freut die gut 1000 Menschen auf dem Platz und die spenden kräftig Applaus. "Ich habe Daney bereits letztes Jahr gehört und ich fand ihre Stimme echt stark", meint Carla Huber, die bereits zum zweiten Mal dabei ist und die angenehme Stimmung schätzt. "Hier gibt's gutes Bier und gute Musik. Und hier kann man sich entspannt mit Freunden unterhalten", findet Lukas Hussong.

Die Mischung macht's

Das Blues- und Jazz-Festival geht in diesem Jahr in die 13. Runde und erwartet laut Stadtmarketing Bamberg, das sich um die Organisation kümmert, gut 150 000 Besucher zu 76 Konzerten auf mehreren Bühnen in der Stadt und verschiedenen Orten im Landkreis. "Das Festival ist einfach eine bunte Mischung aus regionalen und internationalen Bands", freut sich Eva Groß. Für die Bambergerin ist es "immer schön, wenn Musik in der Stadt ist." Da haben internationale Acts wie Tony Bulluck, der mittlerweile zum lebenden Inventar des Festivals geworden ist, genauso ihren Platz wie Musiker, die noch ganz zu Beginn stehen.

"Ich freue mich auf Conexion Cubana und Salsamania, die waren in den vergangenen Jahren schon immer der Hit", meint eine Bambergerin, welche all die Jahre dem Festival die Treue gehalten hat. Jazz und Blues ist, wenn Daniel Puente Encina von Laura Robles am Cajon unterstützt wird, und Carlos Corona an der spanischen Gitarre begleitet. Aber auch wenn die Big Band der Bundespolizei zum ersten Mal nicht nur im Dienst für die Bürger unterwegs ist, sondern mit 18 Musikern mit Titeln wie "Copacabana" und der Titelmelodie des Films "Rocky" die Leute auf der Böhmerwiese in Schwung versetzt.

Regional verankert

1200 Bands hatten sich für Europas größtes eintrittsfreies Festival dieser Art beworben. Mit einem Festivalabzeichen können Besucher einen Beitrag für das Projekt "Zauberharfe" auf Schloss Wernsdorf leisten, das Kinder mit Krebs und ihren Familien Halt gibt, indem sie gemeinsam das mittelalterliche Instrument bauen. Keine Frage: Das Festival ist einfach regional verankert. Deshalb durfte auch nicht das Johanna-Schneider-Quartett fehlen. Ihre Karriere begann in der Weltkulturerbestadt. Swing mit wilden Klaviersoli trifft auf gediegene Walzer. Eine Reise nach Äthiopien war Anstoß für ihr Werk "Ethopian Moon". Der Auftritt an diesem Abend macht auch das Blues- und Jazz-Festival für die Musikerin ganz besonders: "Es ist schön, hier vor Freunden aufzutreten - und dass auch noch mit den eigenen Songs!" Das Herz hänge einfach an der Heimat.

Apropos eigene Songs: Die kann jeder Interessierte einstudieren beim "Getonstage-Workshop" mit Dozenten der Musikschule am Michelsberg. "Da kann sich jeder ausprobieren, der wieder sein Instrument neu bespielen möchten", erklärt Schlagzeuger Joachim Leyh. Am Ende werden 23 Workshop-Teilnehmer samt Dozentenband am Gabelmann stehen. Was erwartet die Zuschauer am Freitag, 9. August? "Das bleibt eine Überraschung, jedes Jahr. Gespielt wird auf jeden Fall was Spaß macht!", macht Leyh klar.

Tierische Dozentenband

Bereits zum neunten Mal ist seine Dozentenband "Tierisch" am Start und gibt mit schön "schmatzigen" Gitarrenriffs "Higher Ground" von Marcus Miller oder den Klassiker "Superstition" von Stevie Wonder zum Besten. Sängerin Johanna Iser schätzt das Festival für den Nachwuchs: "Gerade beim Jazz ist es wichtig, dass die Bühnen offen sind für junge Talente."

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