Frensdorf
Naherholung

Blaualgen-Alarm am Frensdorfer Naturbadesee

Seit Montag ist Baden verboten. Bis Dienstag meldeten sich Dutzende Menschen wegen Beschwerden beim Gesundheitsamt. Ursache sind vermutlich Blaualgen.
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Norbert Neundorfer, einer der Initiatoren des Naturbadesees, ist nicht erfreut. Trotz aller Bemühungen konnten sich offenbar Blaualgen  stark vermehren.  Foto: Micho Haller
Norbert Neundorfer, einer der Initiatoren des Naturbadesees, ist nicht erfreut. Trotz aller Bemühungen konnten sich offenbar Blaualgen stark vermehren. Foto: Micho Haller

Norbert Neundorfer mag es kaum glauben. "Am Sonntag bin ich hier noch geschwommen", berichtet er. Am Dienstag steht er am Frensdorfer Naturbadesee neben einem Schild, das Baden im See "bis auf Weiteres" verbietet. Neundorfer ist fast allein am See. Und das in der ersten Woche der Sommerferien. Normalerweise wäre jetzt hier viel Betrieb. Doch nur am Ufer gegenüber sitzt eine Frau auf einem Stein und macht Pause auf ihrer Radtour. Zum Schwimmen ist sie nicht gekommen.

"Ich bin mir fast sicher, dass da nichts drin ist", meint Neundorfer. Was drin sein soll? Vermutlich giftige Blaualgen. Das Gesundheitsamt hat deswegen am Montag eine Wasserprobe genommen und das einstweilige Badeverbot angeordnet.

Angestoßen hatte die Untersuchung eine Mutter, die am Wochenende mit einer Kindergruppe am See war. Anschließend klagten die Kinder über Übelkeit, Erbrechen und Fieber. Die Frau rief schließlich am Sonntag bei Bürgermeister Jakobus Kötzner (AWL) an, der seinerseits gleich Montagfrüh die Gesundheitsbehörde alarmierte.

Typische Symptome

"Bei uns stehen die Telefone nicht mehr still", stellt Heinz-Jürgen Wagner, Leiter des Fachbereichs Gesundheitswesen beim Landratsamt, am Dienstagmittag fest. Nachdem der Fränkische Tag über das Badeverbot und den Aufruf an Betroffene berichtete, haben sich bis Dienstagmittag bereits fast 50 Menschen beim Gesundheitsamt gemeldet.

Die Beschwerden - vor allem Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen und Fieber - seien typisch für eine Vergiftung mit Blaualgen, die eigentlich Bakterien sind und eher grünlich als blau schimmern, erklärt Wagner. Merkwürdig sei nur, dass bislang offenbar keine Hautreizungen - ein weiteres typisches Symptom - aufgetreten seien. Zudem sei der See bei der Begutachtung am Montag von Blaualgen überzogen gewesen.

Ob es sich jedoch tatsächlich um toxische (giftige) Bakterienstämme handle, müssen die Laboruntersuchungen zeigen. "Das kann dauern", meint Wagner. Denn die Proben würden zudem auf verschiedene Viren - zum Beispiel Noroviren untersucht. Viren hält der Amtsarzt jedoch für eher unwahrscheinlich. Denn bei den Beschwerden, über die Badegäste klagten, sei zwar oft von Übelkeit oder Bauchschmerzen, jedoch fast gar nicht von Durchfall die Rede gewesen.

Vorbildliche Sauberkeit

Trotzdem sei es absolut richtig und notwendig gewesen, den See für Badegäste zu sperren. Denn auch Blaualgen sind, vor allem für Kinder, wenn diese Wasser schlucken, "nicht ungefährlich". Diese Woche werde der See deshalb auf alle Fälle noch gesperrt bleiben. Und selbst wenn der Laborbefund unauffällig oder nicht eindeutig ist, sei es fraglich, ob der Badesee noch in dieser Saison wieder freigegeben werden könne, so Wagner. "Wenn sich 50 Leute mit Beschwerden melden, dann ist das schon eine große Sache."

Dabei habe die Gemeinde doch eigentlich alles richtig gemacht. Die Sauberkeit und Hygiene in und um den See, inklusive der sanitären Anlagen, sei vorbildlich. Das unterstreichen auch Norbert Neundorfer und Bürgermeister Kötzner.

Um den See kümmert sich vor allem der Verein "Naturbadesee in der Gemeinde Frensdorf e.V." mit seinen zahlreichen rührigen Mitgliedern. Der 2010 gegründete Verein machte die Eröffnung des Badesees erst möglich und trägt bis heute zum Erhalt und Unterhalt dieses Naherholungs-Schmuckstückes wesentlich bei. Das reicht vom Geldsammeln bis zum Müllsammeln am Seeufer.

"Ich bin derjenige, auf die dumme Idee gekommen ist, aus unserem Löschteich einen Badesee zumachen", gibt sich Norbert Neundorfer als einer der Initiatoren des Projektes zu erkennen. Als Zweiter Bürgermeister der Gemeinde ist er zwar nicht in der ersten Reihe des Vereins aktiv, weiß aber dessen Arbeit in höchsten Tönen zu schätzen.

Nachdem es in der Vergangenheit immer wieder Probleme mit Blaualgen gegeben hatte, sorgten Verein und Gemeinde dafür, dass nun seit zwei Jahren aus einem neugebauten Brunnen Frischwasser in den See gepumpt wird. "Das sind bis zu 5000 Kubikmeter reines Trinkwasser im Jahr", führt Kötzner aus. Und Neundorfer berichtet, dass man mit dem Einsatz von "Effektiven Mikroorganismen", einem in Japan entwickelten Produkt, gute Erfahrungen gemacht habe. Zudem sei schon beim Ausbau zum Badesee darauf geachtet worden, den Bodenschlick des ursprünglichen Karpfenteichs auszubaggern und stattdessen mit Vliesen und Kies einen neuen Untergrund und neue Ufer zu schaffen.

Doch lange Trockenheit, Hitze und Nährstoffeinträge (Nitrate, Düngemittel) lassen die Blaualgen, die in fast allen Gewässern vorhanden sind, manchmal geradezu explodieren, weiß Wagner.

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