Bamberg
Millionenprojekt

Bierzentrum besteht Nagelprobe

Gesucht werden ein Standort und private Investoren für einen Brauertreffpunkt von Weltrang im Landkreis Bamberg. Die Vision ist laut Studie keine Schnapsidee. Unter den Kreisräten gibt es aber auch kritische Stimmen.
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Unter den Augen der oberfränkischen Bierkönigin Christina Pollnick sticht Landrat Johann Kalb ein Bierfass mit "36 Kreisla" an.  Foto: Andrea Spörlein
Unter den Augen der oberfränkischen Bierkönigin Christina Pollnick sticht Landrat Johann Kalb ein Bierfass mit "36 Kreisla" an. Foto: Andrea Spörlein

Landrat Johann Kalb (CSU) hat die positive Machbarkeitsstudie für seine Idee eines millionenteuren Bierkulturzentrums bereits vor Monaten der Öffentlichkeit vorgestellt. Gestern dann informierte er auch die Kreisräte im Kreisausschuss von den Plänen. Das brachte ihm Kritik ein - er erhielt für seine "Wirtschaftsförderung" aber auch starken Zuspruch.

"Wir haben die höchste Brauereidichte der Welt. Das sind wir unseren Brauern, unserer Gastronomie und unserer Kultur hier schuldig, dass wir uns um dieses Thema kümmern", argumentierte Kalb. Vielen Brauereien gehe es gut, aber längst nicht allen - hier wolle der Landkreis Rückenwind geben.

Starken Rückenwind - wie die Studie zeigt. Fast 40 Millionen Euro Gesamtkosten stehen im Raum. Treffpunkt der Brauer weltweit, gläsernes Sudhaus, Braugarten, Wanderwege, Bierkeller, Standort für wissenschaftliche Arbeiten: Entstehen könnte laut Projektplaner Holger Seidel vom Büro Drees und Sommer etwas Großes. "Es soll kein Museum werden. Es soll eine Plattform werden, ein internationales Zentrum."

Dies betonte auch Landrat Kalb. Die Abgrenzung war für Jonas Merzbacher (SPD) dennoch unklar: Er könne keine signifikanten Unterschiede zu einem Brauereimuseum erkennen, wie es etwa in Bamberg eines gibt. Seine SPD-Fraktion kritisierte außerdem, dass der Landkreis sicherstellen müsse, nicht selbst als Betreiber des Großprojektes aufzutreten. Es sei an der Zeit, private Investoren ins Boot zu holen, mahnte Carsten Joneitis. "Die Frage ist: Wann steigt der Kreis aus dieser Projektkonzeption aus?"

"Die Frage ist: Wann steigen wir überhaupt ein? ", konterte Kalb. Bisher seien lediglich 50 000 Euro über Leader-Gelder finanziert worden, um die Machbarkeit zu prüfen. Dies sei nun geschafft. "Dass der Landkreis das nicht selbst baut, ist selbstverständlich", betonte der Landrat. Nun seien private Investoren gefragt: Brauereien, Hoteliers, große Braufirmen. Denen könne man nun endlich ein tragfähiges Konzept vorlegen. Interessenten gebe es. Auch Bruno Kellner (FW/ÜWG) betonte, dass nun die "privaten Player" Farbe bekennen müssten. Er zeigte sich aber insgesamt von der Idee angetan.

"Null Verständnis" zeigte dagegen Bernd Fricke (Grüne/AL). "Sie verfolgen seit Ihrer Wahl ein Thema. Es ist nicht der Klimaschutz, es ist nicht der Nahverkehr, es ist das Bier!", kritisierte er den Landrat. Trotz der bekannten Suchtgefahren werde das Thema Alkohol verniedlicht und verharmlost. "50 000 Euro an Steuergeldern: Das ist rausgeschmissenes Geld. Hier fehlt die Bodenhaftung, das ist abgehoben", sagte Fricke. Ein Bierkulturzentrum sei "so unnötig wie ein schales Bier".

Wolfgang Möhrlein, Sprecher der CSU-Fraktion, warb dagegen für das Projekt. "Bamberg ist nicht nur Bier. Aber ohne diese Kultur, unsere Biergärten und Wirtschaften ist die Region auch nicht vorstellbar." Personalmangel in Gaststätten, fehlende Nachfolger, schwächelnde Betriebe: "Die Wertschätzung dessen, was wir hier haben, bröckelt langsam." Dieser Entwicklung müsse man entgegentreten. Das Zentrum könne positive Impulse setzen. "Für mich ist das Wirtschaftsförderung. Wir helfen dem Mittelstand. Die Gesellschaft verlangt so etwas von uns", argumentierte CSU-Fraktionskollege Helmut Krämer.

Wie geht es nun weiter? Acht Gemeinden haben sich bisher beworben - die Standorte werden geprüft. Ein Architekturwettbewerb wird vorbereitet. Außerdem werden mit potenziellen Investoren Gespräche gesucht. Am Stammtisch sagt man dazu: Karten auf den Tisch!

Informationen zu der Studie:

Module Das Bierkulturzentrum besteht nach der Idee der Planer aus mehreren Modulen. Die Ausstellungs- und Erlebnisfläche ist eines davon: Geschichte und Tradition des Brauens sollen dargestellt werden und in einer Mitmachbrauerei auch erfahrbar werden. Neben der Versuchsbrauerei soll auch eine Profibrauerei gebaut werden, die Kooperationen mit Partnern ermöglicht. Foyer, Shop und viel Platz für Weiterbildungen und Tagungen sollen ebenfalls entstehen. Ein Eventbereich soll für Messen und Kongresse Raum bieten. In den Außenanlagen sollen Pflanzen angebaut werden, die für das Brauen benötigt werden. Vorgesehen ist auch ein Restaurant mit rund 100 Sitzplätzen sowie ein Hotel Garni mit etwa 80 Zimmern.

Kosten Die Gesamtkosten für das Mammutprojekt werden von den Konzeptplanern mit 38,9 Millionen Euro brutto angegeben. Allein das Gebäude würde bei Realisierung aller im Nutzungskonzept vorgesehenen Module 21,5 Millionen Euro kosten. Zwei Millionen sind für Außenanlagen vorgesehen, 3,7 Millionen Euro für die Ausstattung und Kunstwerke. Die Planer gehen davon aus, das Grundstück kostenlos zur Verfügung gestellt zu bekommen, für das Herrichten und Erschließen sind 230 000 Euro eingeplant. 1,8 Millionen Euro sind für unvorhergesehene Teuerungen veranschlagt, weitere Millionen für die zu erwartende jährliche Verteuerung von Bauarbeiten. Fördergelder winken etwa vom Freistaat.

Einnahmen Im besten Fall geht die Studie von einem jährlichen Plus von 23 000 Euro aus. Im schlechtesten Fall von einem Defizit von 454 000 Euro. Die Wirtschaftlichkeit ist laut Studie gegeben.

Besucherzahlen Die Planer gehen von 93 500 Besuchern im Jahr aus. Zum Vergleich: Die Bier-Erlebniswelt in Bayreuth hat rund 20 000 Besucher im Jahr, 50 000 sind es im Bayerischen Brauereimuseum in Kulmbach, 8000 im Brauereimuseum in Bamberg, 250 000 kommen jährlich zum Baumwipfelpfad Steigerwald. Das Guinness-Store-House in Dublin hatte 2017 sogar 1,7 Millionen Besucher.

Fläche Je nachdem, ob alle Module verwirklicht werden, wäre eine Nutzfläche zwischen 5270 und 8420 Quadratmetern nötig, eine Grundfläche zwischen 3000 und 4770 Quadratmetern wäre vonnöten.

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