Bamberg
Braukultur

Bier richtig genießen lernen - Die Bamberger Bierwochen

"BamBierla" nennt der Veranstalter die ersten Bamberger Bierwochen. Bei den über 50 Veranstaltungen im kleineren Rahmen soll es darum gehen, den Besuchern die Vielfalt des Biergenusses näher zu bringen. Ein Volksfest ist es nicht.
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Schon vor dem ersten Schluck lässt sich etwas über das Bier sagen: Sommelier Markus Raupach betrachtet Farbe und Schaum.  Foto: Markus Klein
Schon vor dem ersten Schluck lässt sich etwas über das Bier sagen: Sommelier Markus Raupach betrachtet Farbe und Schaum. Foto: Markus Klein

Ein leichter Geruch nach Zitrusfrüchten und Getreide erfüllt den Raum, schon während das goldgelbe Getränk in das kelchförmige Glas fließt. "Für ein Helles ein sehr intensiver Geruch", bestätigt Markus Raupach aus Bamberg. Der Bier-Sommelier schenkt die Gläser nicht ganz voll, um den Aromen Platz zum Entfalten zu lassen. "Das Fruchtige kommt vom Hopfen", erklärt Raupach.

Alleine hier in der Region gibt es viele verschiedene Sorten des für den Biergeschmack wichtigen Getreides. Auch kommt es darauf an, wann der Brauer die Hopfensorte(n) in den Kessel gibt. Ähnlich sei es beim Malz. Zwar spielt die Hefe beim Hellen im Gegensatz zu vielen anderen Stilen keine besondere Rolle, "aber auch mit Hopfen und Malz haben wir schon doppelt so viele Aromen wie beim Wein". Ein Brauer muss genau wissen, was er tut, denn: "Ein gutes Bier ist kein Zufallsprodukt." Während dem Zuhörer schon das Wasser im Mund zusammenläuft, lässt Raupach sich Zeit, betrachtet die Bierfarbe im Sonnenlicht: "Eine leichte Trübung." Das kommt davon, dass bei dem "Hellen Zwickel" nicht alle Nebenstoffe herausgefiltert wurden.

Der Begriff "Zwickel" kommt vom kleinen Testhahn des Brauers, der den Sud unfiltriert probiert, weiß der Sommelier. Anstatt es dem Brauer in der Geschichte gleich zu tun, hält Raupach vor dem ersten Schluck noch einen Vortrag über Gläser. "In vielen Ländern arbeiten Brauer und Glasmacher über Jahre zusammen, um das richtige Glas für das richtige Bier zu entwickeln. In Deutschland gibt es leider eine sehr schlechte Bierglas-Kultur", sagt er und erklärt: Durch den dicken Rand schießt das Bier direkt an den Gaumen, wo hauptsächlich bittere Aromen wahrgenommen werden. Bei einem guten Glas mit dünnem Rand kommt der Schluck hingegen vorne an der Zunge an, füllt dann den gesamten Mundraum, alle Geschmacksknospen werden angeregt, und erst am Ende entfaltet sich das Bittere. Das kann jeder zu Hause testen, auch ohne teures Tasting-Glas, indem er sein Lieblingsbier einmal aus einem Bierkrug, einem Senf- und einem Weinglas probiert. Am meisten schmeckt man aus dem Weinglas.

Wissen vermitteln

Im Praxistest etwas über die Vielfalt des Bieres lernen, das können Besucher, die sich für eine der über 50 Veranstaltungen bei "BamBierla", den Bamberger "Beerweeks", anmelden, die von 28. März bis 14. April in über 20 Lokalitäten stattfinden. "Das wird kein Volksfest mit Bratwurst und Bier", erklärt Veranstalter Stefan Krusche, "sondern wir wollen Wissen vermitteln".

Die Bier-Weisheit kann etwa bei Verkostungen verschiedenster Stile zu Käse, Burger oder ausgefallenen Menüs, bei Bierwanderungen und Brauerei-Besichtigungen erlangt werden - stets verbunden mit Genuss und meist im familiären Rahmen von 10 bis 30 Teilnehmern. Etwa die Hälfte der Tickets sei bereits verkauft.

Auch Bamberger können lernen

Die Idee der Bierwochen ist vor etwa zehn Jahren in den USA entstanden. Krusche besuchte 2018 die San-Francisco-Beer-Week, war begeistert vom genüsslichen Umgang der Menschen mit dem Getränk und beschloss, die Kultur nach Bamberg zu bringen.

Aber gibt es hier nicht schon genug Bierkultur? Zwar sei die Domstadt vor allem für die Stile Rauch- und Kellerbier international anerkannt, so Raupach, "aber selbst mit allen hier verbreiteten Stilen - Helles, Pils, Keller-, Rauch- und Weißbier - werden nicht einmal ein Prozent der möglichen Stile abgedeckt", sagt der Sommelier. "Die Bamberger denken, sie verstehen etwas von Bier. Das hat aber nichts damit zu tun, wie viele man davon trinken kann."

Jeder könne noch etwas über die Vielfalt des Bieres lernen, die "Beerweeks" seien für Einsteiger wie Fortgeschrittene eine Bereicherung, meint Veranstalter Krusche. Und wenn dann der Besuch von Bekannten kommt, die die Bamberger Bierstädter ausfragen, "kann man auch wirklich etwas erzählen, das auch noch stimmt. Das ist doch schön", sagt Raupach.

BamBierla 2019: Alle Termine, Events, Tickets und Locations

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