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Bamberg
Wildtiere

Biber fühlen sich wohl im Erba-Park in Bamberg

Derzeit sind die Spuren der Nagetiere auf der Erbainsel im Bereich der Regnitz deutlich zu sehen. Das Gartenamt schützt nun einige Bäume mit kleinmaschigem Hasenzaun.
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Deutliche Spuren haben die Pelztiere an dieser Kirsche in der Nähe des Fünferlesstegs hinterlassen. Fotos: Ronald Rinklef
Deutliche Spuren haben die Pelztiere an dieser Kirsche in der Nähe des Fünferlesstegs hinterlassen. Fotos: Ronald Rinklef
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Feinschmecker sind sie ja schon, die Biber. Darf's ein bisschen Weide sein? Oder doch lieber Ahorn? Auf die saftige Rinde der Hölzer sind sie vor allem im Herbst und Winter scharf, wegen der Nährstoffe.

Allerdings: Nach dem regelmäßigen Festmahl der Biber bleibt von den Bäumen und Sträuchern nicht mehr übrig als ein Stumpf. Die Tiere nagen, bis am Stamm des Baumes oder Strauches die typische "Sanduhr"-Form entsteht - und dann knickt der Baum um.

Das muss nicht unbedingt gleich ein Riesenschaden sein, wenn es sich etwa um "natürlich gewachsene Ufergehölze" handelt, wie Michael Gerencser, stellvertretender Leiter des Garten- und Friedhofsamtes der Stadt Bamberg, sagt. Größere Bäume pflanze man nach. Aber: "Wir können auf den Biber immer nur reagieren.
Also hoffen wir, dass er nicht auf die Idee kommt, einen großen Stadtbaum anzunagen."

Diese Idee hatte bisher wohl noch kein Bamberger Biber. Allerdings hat es ihnen ein Ahornbaum neben der Kneipanlage im Erba-Park angetan. Dem Baum haben Mitarbeiter des Gartenamtes nun eine Manschette aus feinmaschigem Hasendraht um den Stamm gelegt. "Vom Stammfuß bis in etwa einen Meter Höhe. Das mag der Biber nicht. Da er geschützt ist, können wir nicht einfach eine Falle aufstellen", erläutert Gerencser. Das will er aber auch gar nicht. "Wir mögen den Biber. Bisher ist die Stimmung positiv."

Das ist nicht überall so, wie Biber-Berater Horst Schwemmer weiß. Er ist für ganz Nordbayern zuständig und betreibt in seiner Funktion vor allem Konfliktmanagement, hält Vorträge oder steht beratend zur Seite. "Ich arbeite viel mit Landwirten, Teichwirten und Forstwirten", sagt er. Also jenen Berufsgruppen, die mit den Bibern am ehesten in Kontakt kommen - und es manchmal Schwierigkeiten gibt. Wenn etwa Biber häufig Karpfenteiche durchschwimmen und dabei die Fische in ihrer Winterstarre aufschrecken, kann diesen der Stress zusetzen.

Bäume werden gesichert

Dass es in der Stadt Bamberg zu schwierigen Situationen kommen könnte - etwa durch angenagte Bäume, die umfallen - sieht der Biber-Berater aktuell nicht. "In Bamberg muss keiner was befürchten. Das Amt wird die Bäume sichern", sagt Schwemmer. Michael Gerencser bestätigt: "Unsere Mitarbeiter schauen täglich drauf." Teilweise haben sich laut Gerencser Spaziergänger, die die Aktivitäten der Biber auf dem Gelände der Landesgartenschau beobachtet haben, an die Wasserschutzpolizei gewendet.

"Auf Höhe der Kneipanlage befindet sich ein großes Betätigungsfeld der Biber, das auffällt", sagt Gerencser. Was auch auffällt: Glatt abgesägte Baumstümpfe. "Wir schneiden die Kegel, die die Biber an den Stämmen hinterlassen, immer nach", erläutert der stellvertretende Gartenamts-Leiter. Sind die Spuren der Biber an der Regnitz auf Höhe der Erbainsel - auch am Gaustadter Ufer sind Baumstämme angenagt - das Zeichen, dass der Biberbestand in Bamberg zugenommen hat? "Nein", sagt Thomas Stahl, Biberbeauftragter für Stadt und Landkreis Bamberg. "Die waren während der Landesgartenschau auch schon da. Im Sommer sieht man im dichten Grün die Spuren der Tiere nur nicht so."

Stamm wird komplett verwertet

Außerdem ernähren sich die Nager in der warmen Jahreszeit von Kräutern und Wasserpflanzen. Im Herbst und Winter dagegen bevorzugt von der Rinde von Weichholz, wie Stahl weiter erklärt. Dabei verwerten sie den gefällten Stamm komplett: "Der Biber schält den Stamm ab, frisst die Rinde und verwendet das Holz später für den Bau."

Die Tiere, die seit einiger Zeit auf Höhe Fischpass und Kneipanlage "wohnen", sind nach Gerencsers Vermutung die Elterntiere, die von Bug über den Hollergraben auf die Erba gewandert sein könnten. "Ihre Kinder leben wohl an der Erbaspitze Richtung Kanal." Thomas Stahl glaubt, es könnte sich bei den Erba-Bibern generell um die Nachkommen der Biberfamilie, die in den vergangenen Jahren im Bereich der Buger Spitze und am Hollergraben gesichtet wurde, handeln. Wie viele Biber wo genau leben, kann momentan keiner sagen. Stahl schätzt, dass es im Stadtgebiet etwa fünf Reviere gibt. Ein solches kann mit einem bis maximal acht Tieren besetzt sein. Im gesamten Landkreis spricht er von etwa dreißig Revieren. "Im Landkreis sind die Flüsse flächenmäßig von Bibern besetzt."

Oder wie es Anne Schmitt, Geschäftsführerin des gemeinnützigen Vereins "Flussparadies Franken" ausdrückt: "Die Biber leben überall dort, wo sie leben können." Als sie in den Neunzigerjahren studiert habe, sei es noch etwas ganz Besonderes gewesen, einen Biber oder dessen Spuren zu entdecken. "Heute ist der Biber das Gesicht des Flusses. Das Spannende am Biber ist ja, dass man sein Wirken sieht. Das ist bei vielen anderen Tieren im Fluss nicht so. Ich hoffe, dass der Biber freundlich bei uns aufgenommen wird", sagt Schmitt. Einer, der dem Ganzen neutral gegenübersteht, ist Michael Gerencser vom Bamberger Gartenamt. Er verzieht keine Miene, als er von der "Arbeit" der Biber in den vergangenen Jahren spricht.

"Erstkontakt" im Hain

"Den Erstkontakt mit dem Biber hatten wir auf Höhe der Jugendherberge Wolfsschlucht. Da hat er gleich gescheit aufgeräumt und bestimmt zehn Bäume gefällt." Er schätzt: In den vergangenen vier Jahren haben die Bamberger Bieber insgesamt zehn bis 15 mittelgroße Bäume gefällt (das heißt Bäume zwischen fünf und zehn Metern Höhe) und etwa 25 kleinere Bäume (zwischen einem und vier Meter Höhe). Und: "Auf Höhe der Hainschule haben wir uns gewundert, als plötzlich der Fußweg eingesackt ist. Den hatten sie unterhölt."

Im Hollergraben und Hain hat das Gartenamt laut Geren cser allerdings schon länger keine Schäden mehr gefunden. Das führt ihn zu der Vermutung, dass die Tiere auf die Erbainsel weitergewandert sein könnten.
Dort haben sie sich bereits häuslich eingerichtet: Als wir mit Michael Gerencser vor Ort ihre Spuren verfolgen, entdecken wir am Regnitzufer ihren Bau. Blicken lässt sich aber keiner - tagsüber ist Schlafenszeit.


Biber-Steckbrief
Bestand Laut Informationsmaterial des Bund Naturschutz leben in Bayern rund 12 000 bis 14 000 Tiere (Stand 2012). Das ist Ergebnis einer Ausbürgerungsaktion des Bund Naturschutz in den 1960er-Jahren. Fast 100 Jahre war das Pelztier ausgerottet.

Lebensweise Der Eurasische Biber (Castor fiber) wird zehn bis zwölf Jahre alt. Biber-Paare haben jährlich zwei bis drei Junge. Die Nagetiere sind reine Vegetarier.

Größe Biber können über 30 Kilogramm schwer und bis zu 135 Zentimeter lang werden. 35 Zentimeter misst die "Kelle", der typische Schwanz.

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