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Wahlkampf

Bezahlbaren Wohnraum schaffen: So äußern sich die OB-Kandidaten zum Thema Wohnen

Die Nutzer unserer Facebook-Gruppe "Was braucht Bamberg?" haben Vorschläge zum Thema Wohnen gemacht. Was die Anwärter auf das höchste Amt im Rathaus dazu sagen.
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Wohnhäuser in der Gereuth Foto: Ronald Rinklef
Wohnhäuser in der Gereuth Foto: Ronald Rinklef

Das Thema Wohnen beschäftigt die Mitglieder unserer Facebook-Gruppe "Was braucht Bamberg?" mit am meisten: Wie schafft es die wachsende Weltkulturerbestadt, dass das Wohnen auch für niedrigere bis mittlere Einkommensschichten bezahlbar bleibt? Aus den vielen Anregungen und Vorschlägen der Gruppenmitglieder sind fünf Fragen entstanden. Die Kandidaten um den Oberbürgermeister-Posten konnten sich zu jeweils zwei davon äußern.

Halten Sie eine Mietpreisbremse für sinnvoll, wie es etwa die Initiative "Volksbegehren 6 Jahre Mietenstopp in Bayern" fordert?

Stephan Kettner (BaLi): Eine Mietpreisbremse halte ich für sinnvoll und wichtig. Sie muss jedoch zu einem wirklichen Instrument zur Dämpfung der Mieten ausgebaut werden. Zeitliche Befristungen zur Mietpreisbindung sollten aufgehoben (auch nach Renovierungen) und Mietpreisdeckel für Bestandsmieten eingeführt werden.

Fabian Dörner (Die Partei): Wir sind sehr dafür, die Mieten in Bayern für 6 Jahre zu stoppen. In der Zeit kann sich jeder Mieter eine finanzielle Grundlage schaffen, um sich eine Wohnung zu kaufen. Bremsen sehen wir hingegen als verkehrt an. Wer bremst verliert und bremsen steht auch für Stillstand. Mit Der Partei wird es keinen Stillstand geben.

Hans-Günter Brünker (Volt): Richtig gemacht: Ja! Volt ist Mitglied in der Initiative.

Daniela Reinfelder (BuB): Ich halte die Mietpreisbremse für keine sinnvolle Idee, weil sie den Wohnungsmarkt nicht entspannt. Günstigere Mieten können nur durch mehr Angebot geregelt werden. Hier haben Bambergs unabhängige Bürger ganz neue und innovative Wohnformen für die Zukunft geplant, sei es auf dem Munagelände als Baumhäuser im Wald oder als grüner sozialer Wohnungsbau im Jungkreut.

Sollte die Stadtbau ihren Bestand erhöhen, um bezahlbaren Wohnraum zu schaffen?

Claudia John (FW): Unter dem Motto "Mehr Kommune wagen" ist es dringend notwendig, dass die Stadt freie und alle sozialen Wohnungsbauträger dazu anhält, den mittlerweile stark reduzierten Bestand an bezahlbaren Wohnraum zu erhöhen. Gerade bei neuen Bauprojekten wie beispielsweise in der Pfeufferstraße, muss es der Stadt ein dringendes Anliegen sein, dabei auch mehr bezahlbaren Wohnraum zu erstellen und eine gute Durchmischung der Quartiere zu gewährleistet. Menschen mit einem geringeren Wohnflächenbedarf sollen die Chance zur Verkleinerung und Reduzierung ihrer Mieten bekommen, um große Wohnungen für Familien zur Verfügung stellen.

Jonas Glüsenkamp (Grüne): Ja, in jedem Fall. Die Stadtbau GmbH hat hier - aufgrund politischer Weichenstellung der Stadtratsmehrheit - in den vergangenen Jahrzehnten zu wenig getan. Eine Zeit lang musste die Stadtbau dafür herhalten, als Bauträger für Eigentumswohnungen aufzutreten, oder - noch schlimmer -, um eine Basketballhalle vor dem Konkurs zu retten, oder, um eine unwirtschaftliche Tiefgarage (Erba) zu bauen. In diesen Jahren wurde viel Zeit und Geld gerade eben nicht in die Schaffung von preisgünstigem Wohnraum gesteckt. Ein krasse Fehlsteuerung durch die Stadtratsmehrheit der GroKo, die ich umkehren werde.

Hans-Günter Brünker (Volt): Wohnraum wird günstiger, wenn die Baukosten überschaubar bleiben und ausreichend Wohnungen auf dem Markt sind. Die letzten Jahre wirkten, als ob die Stadt steigende Preise begrüßen würde. Was sie dagegen tun kann? Neubaugebiete ausweisen. Der Grundstücksspekulation Einhalt gebieten, also neue Bauflächen für Einfamilienhäuser durch die Stadt direkt vermarkten und größere Flächen nur im Erbbaurecht vergeben. Die öffentliche Hand (z.B. Stadtbau) muss wieder echte Sozialwohnungen bauen. Wichtig: Keine sozialen Ghettos! Durchmischung fördern.

Stephan Kettner (BaLi): Die Stadtbau GmbH muss sich, als wirkungsvolle Steuerungskraft, wieder stärker auf ihr Kerngeschäft konzentrieren und bezahlbaren Mietraum schaffen. Hierdurch entstünde eine spürbare Entlastung, speziell für Geringverdienende und Mittelschicht. In Bamberg haben wir gute Voraussetzungen (Konversion) für die Aufstockung der Bestände. Dies sollten wir nicht ungenutzt lassen.

Martin Pöhner (FDP): Ich spreche mich ausdrücklich für ein noch stärkeres Engagement der Stadtbau aus. Dadurch können zusätzliche leistbare Wohnungen für alle Bevölkerungsgruppen geschaffen werden. Konkret setze ich mich dafür ein, einen Teil des Muna-Geländes, der an der Geisfelder Straße gelegen ist, zu einem neuen Wohngebiet "Wohnen am Hauptsmoorwald" zu machen. Nur durch ein größeres Angebot kann die Lage auf dem Wohnungsmarkt verbessert werden. Hier sollte neben gemeinnützigen und privaten Investoren auch die Stadtbau mit Neubauten aktiv werden.

Andreas Starke (SPD): Unser Wohnungsmarkt ist angespannt, weil die Stadt unverändert wächst. Darauf reagieren wir mit zahlreichen Projekten: Es entstehen in absehbarer Zeit 3000 neue Wohneinheiten für 5000 Menschen. Der Löwenanteil wird auf dem Lagarde-Campus realisiert. Auch bei der Stadtbau schaffen wir bezahlbaren neuen Wohnraum, so in der Gereuth mit 39 Wohneinheiten mit einem Mietpreis zwischen 5,50 und 7,50 Euro. Außerdem beginnen wir in Kürze mit der Sanierung der ehemaligen Offizierssiedlung. Dort wird die Stadtbau die vorhandenen 32 Einfamilienhäuser für 7,50 Euro pro Quadratmeter anbieten. Zudem nutzen wir den Ulanenpark in der Wunderburg, um geförderten Wohnungsbau zu errichten. Damit erhöhen wir den Bestand deutlich und entwickeln zusätzlich Angebote, besonders für kleine und mittlere Einkommen.

Halten Sie es für möglich und nötig, vor 2025 Gebäude aus der AEO herauszulösen und dem Wohnungsmarkt zur Verfügung zu stellen?

Ursula Redler (BA): Ja! Bereits jetzt müssen Pläne erstellt werden, wie es dort 2025 weitergeht. Aktuell stehen etwa 2000 Wohnungen leer. Es sollte zumindest ein Wohnblock mit Nebenanlagen vorzeitig herausgelöst werden. Dies wird einem OB, der das Ankerzentrum nicht nach Bamberg geholt hat, sicher eher gelingen; wir stimmten von Anfang gegen die AEO. Die Wohnungsnot ist aber so groß, dass verschiedene Möglichkeiten ausgeschöpft werden müssen.

Christian Lange (CSU): Wir sollten uns zunächst einmal darauf konzentrieren, dass die Flüchtlingseinrichtung im Jahr 2025 auch wirklich geschlossen wird. Dies ist, so glauben viele, mit einem CSU-Oberbürgermeister eher zu erreichen. Bis dahin wird es mein Ziel sein, Gebäude aus der AEO vorzeitig für den Wohnungsmarkt zur Verfügung zu stellen. Mein Vorschlag ist das "Vatikanmodell". Die Idee ist: Der Freistaat bietet zum Beispiel Studierenden für ein Semester Wohnraum an. Sollte ein Notfall eintreten, müssen die Wohneinheiten innerhalb einer bestimmten kurzen Frist wieder dem Vermieter zur Verfügung gestellt werden - so, wie der Vatikan Wohnungen an Studierende vermietet, die diese binnen Kurzem freigeben müssen, wenn ein Konklave zusammentritt.

Halten Sie es für möglich und nötig, die Fläche der Bundespolizeischule zu verkleinern, um Wohnraum und eine Verbindung Gartenstadt-Stadion zu schaffen?

Andreas Starke (SPD): Vorweg: Das Ausbildungszentrum ist ein großer Gewinn. Mehr Polizei bedeutet mehr Sicherheit - und mehr Sicherheit bedeutet mehr Lebensqualität. Möglich ist die Verkleinerung der Fläche erst dann, wenn der reduzierte Regelbetrieb einsetzt. Die zeitliche Perspektive dafür ist offen. Doch die dann frei werdende Fläche sollte von der Stadt unbedingt erworben werden, um zusätzlichen Wohnraum, neue Infrastruktur und attraktive Sportflächen zu entwickeln. Parallel dazu können leistungsfähige Verbindungswege hergestellt werden, etwa von der Nato-Siedlung zur Lagarde-Kaserne oder zur Gartenstadt. Selbstverständlich auch eine Anknüpfung des Bamberger Ostens nach Gaustadt, insbesondere für Radfahrer. Außerdem will ich die John-F.-Kennedy-Halle zurückgewinnen, damit unsere Sportvereine zusätzliche Möglichkeiten erhalten.

Martin Pöhner (FDP): Die Bundespolizeischule sollte zumindest in Teilen geöffnet werden, um eine Verbindung zwischen der ehemamligen Nato-Siedlung und dem Stadtgebiet zu schaffen.

Christian Lange (CSU): Ja. Als neuer Oberbürgermeister will ich die Verhandlungen mit den verantwortlichen Stellen so führen, dass sich die Bundespolizei komplett aus der Lagarde-Kaserne zurückzieht und der John-F-Kennedy-Boulevard die südliche Grenze des Aus- und Fortbildungszentrums wird. Die John-F-Kennedy-Halle würde ich gerne für den Vereinssport gewinnen. Ebenso halte ich Verbindungslinien in Nord-Süd-Richtung zwischen der Gartenstadt und dem Volkspark für wichtig. Der Bamberger Osten war als Naherholungs- und Sportgebiet für die gesamte Stadt geplant. Diesen Gedanken will ich gerne fortführen.

Claudia John (FW): Ich halte es für dringend nötig, eine Verbindung zwischen den beiden einwohnerstarken Stadtteilen herzustellen. Gerade in Bamberg-Ost gibt es ein hohes Freizeitangebot für Kinder und Jugendliche (Stadionbad, Bambados, Skatepark), welches von der Gartenstadt mit dem Rad nur umständlich und gefährlich am Berliner Ring zu erreichen ist. Für neuen Wohnraum bietet sich das Gebiet zwischen Föhrenstraße und Golfplatz an, so dass die Zollnerstraße als Fahrradachse in Richtung Hauptsmoorwald genutzt werden kann. Eine Nachverdichtung im Bereich der Bundespolizeischule würde deren interne Organisation erleichtern und zudem zusätzlich Flächen im Bereich des Lindenangers für Wohnungsbau freiwerden lassen.

Baugrundstücke in Bamberg seien für die Mittelschicht unbezahlbar, sagt ein Gruppenmitglied. ? "Was wollen Sie gegen den Wegzug der Mittelschicht unternehmen?"

Ursula Redler (BA): Zwingend notwendige Wege sehe ich unter folgenden Ansätzen: Rückkehr der Stadtbau zu ihren eigentlichen Aufgaben, vorerst keine Hotels mehr genehmigen, mit Bauträgern konkret verhandeln, auf Eigentümer von Baulücken zugehen und Gespräche führen, Erbbaurecht nutzen, mit Bundespolizei wegen Freigabe von ehemaligen US-Häusern am Lindenanger reden, städtische Grundstücke unter Marktpreis anbieten, wenn darauf Sozialwohnungen gebaut werden, genossenschaftliche Konzepte nachhaltig unterstützen. Weiteren Ideen stehen wir offen gegenüber.

Jonas Glüsenkamp (Grüne): Richtig ist, dass es für freistehende Einfamilienhäuser oder Reihenhausgebiete, die sogenannte "offene Bauweise", keine günstigen Flächen mehr gibt. Die Frage ist aber, inwieweit das noch die zeitgemäße Bauform in Städten ist. Ich will attraktive Wohnformen in "geschlossener Bauweise" mit einer verträglichen Dichte und Mischung schaffen, wie wir sie aus Städten wie Freiburg (Vauban) und Tübingen (Französisches Viertel) kennen. Dort können sich Baugruppen mit ihren individuellen Wohnbedarfen die passenden Wohnungen errichten: Bezahlbar, generationenübergreifend und durchmischt.

Fabian Dörner (Die Partei): Wir schaffen die Mittelschicht ab. "Armut verbieten!" ist das Motto. Damit wird dieses Thema automatisch gelöst.

Daniela Reinfelder (BuB): Es muss mehr attraktiver und neuer Wohnraum geschaffen werden, zum Beispiel im Bereich Jungkreut, um jungen Familien das Bleiben in Bamberg zur ermöglichen. Es haben sich bereits 200 Familien namentlich gemeldet.

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Kommentare (2)

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