Bamberg
Prozess

Betrüger finanzierte mit Ebay-Auktionen Spielsucht

Das Landgericht Bamberg schickt einen Mann wegen 72-fachen Betrugs drei Jahre ins Gefängnis. Er bot im Internet Sachen zum Verkauf an und finanzierte aus den Einnahmen seine Spielsucht.
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Ein Mann hat auf einem Computer die Startseite eines Internet-Auktionshauses aufgerufen.  Foto: Inga Kjer/dpa
Ein Mann hat auf einem Computer die Startseite eines Internet-Auktionshauses aufgerufen. Foto: Inga Kjer/dpa
Konzertkarten, Tickets für Fußballspiele, Briefmarken, Playstations, Motorsägen, Schneefräsen, Gutscheine: 72 Mal bot Martin A. (Name von der Redaktion geändert) Waren wie diese zwischen September 2012 und Mai 2013 im Kleinanzeigenteil eines Internet-Auktionshauses zum Verkauf an, obwohl er sie nicht besaß.

Die Anonymität des weltweiten Netzes habe ihm den Betrug leicht gemacht, räumte der 32-Jährige am Dienstag zerknirscht vor dem Landgericht ein. Gutgläubige Interessenten überwiesen ihm den Kaufpreis und finanzierten so, ohne es zu ahnen, die Spielsucht des Mannes. Knapp 19 000 Euro erzielte er aus den 72 Fällen - Geld, das A. ausnahmslos in Sportwetten investierte und verlor.

Selbstkritischer Angeklagter

Vor der Zweiten Strafkammer unter Vorsitzendem Richter Manfred Schmidt saß ein selbstkritisch wirkender und überlegt formulierender Mann. "Ich hab' es geschafft, mich selbst sehr erfolgreich zu manipulieren," sagte er rückblickend.

Oft sei er heulend am Boden gelegen; dann habe er wieder an den großen Gewinn geglaubt, mit dem er den angerichteten Schaden gut machen könnte.

Vor den beruflich erfolgreichen Eltern und Brüdern und seinen jeweiligen Freundinnen konnte er die Sucht offenbar viele Jahre geheim halten. 2007 und 2008 folgten erste Verurteilungen wegen Betrugs. Beide Male kam der Angeklagte mit Bewährungsstrafen davon; beide wurden inzwischen widerrufen, nachdem die neuen Taten aktenkundig geworden sind.

Haftbefehl stoppte Betrugsserie

Erst ein Haftbefehl im Mai 2013 beendete die Betrugsserie. Damals wohnte A. im Landkreis Forchheim, weshalb er sich jetzt in Bamberg verantworten musste und nicht, wie früher, in seiner norddeutschen Heimat.

Was wäre wohl gewesen, wenn er nicht vor einem Jahr festgenommen worden wäre, fragte Schmidt den 32-Jährigen. Dessen Antwort: "Dann hätte das Verlesen der Anklageschrift wahrscheinlich viel länger gedauert."

So viele Fälle es waren, so kurz war die Hauptverhandlung. An ihrem Ende wurde A. zu drei Jahren Freiheitsstrafe verurteilt. Das Gericht hielt ihm sein umfassendes Geständnis, seine Kooperationsbereitschaft bei der Aufklärung, seine Reue und die Entschuldigung bei allen Geschädigten zu Gute.

Doch erst fünf haben ihr Geld zurück. Ob und wann die anderen 67 es bekommen, blieb offen. Der Umfang des Betrugs und die einschlägigen Vorstrafen musste sich A. negativ anrechnen lassen.

Sein dringender Wunsch nach einer Therapie in Verbindung mit der Haft ging nicht in Erfüllung. Es gebe im Vollzug keine geeignete Behandlung für seine Art der Abhängigkeit, bedauerte der Vorsitzende Richter: "Derzeit fallen Spielsüchtige etwas durch das Raster." Die gesetzlich geregelte Unterbringung sei so genannten stofflich Abhängigen wie Drogen- und Alkoholkranken vorbehalten.

A. wuchs in geordneten Verhältnissen auf und kam noch als Schüler mit Sportwetten in Kontakt. Das Abitur schaffte er eher schlecht als recht, ein Studium brach er ab. Auch einzelne Jobs scheiterten an seiner Spielsucht, ebenso wie seine Beziehungen zu Frauen. Nach jeder Trennung spielte er angeblich umso exzessiver.
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