Bamberg
Pilotprojekt

Betriebliche Kinderbetreuung eröffnet

Die Mediengruppe Oberfranken und der Softwareanbieter Medatixx eröffnen am Dienstag die erste "betriebliche Großtagespflegestelle" in Bamberg - ein Betreuungsangebot für die die Kinder der Mitarbeiter
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Oskar, der Sohn von Ulrike und Johannes Görz, scheint schon recht angetan von Tagesmama Kristin Jäger (rechts). Ab Februar wird Oskar fünf Stunden am Tag bei den ,Sonnenkäfern' betreut werden, weil dann auch seine Mama wieder arbeitet. Fotos: Barbara Herbst
Oskar, der Sohn von Ulrike und Johannes Görz, scheint schon recht angetan von Tagesmama Kristin Jäger (rechts). Ab Februar wird Oskar fünf Stunden am Tag bei den ,Sonnenkäfern' betreut werden, weil dann auch seine Mama wieder arbeitet. Fotos: Barbara Herbst
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Ja, das kam sehr gut an im Bewerbungsgespräch - als sich Jan Braun (41) bei dem Arztsoftware-Anbieter Medatixx vorstellte, war er sehr angetan davon, dass sich das Unternehmen um eine Betreuungsmöglichkeit für den Nachwuchs der Mitarbeiter kümmert.



Angetan ist auch Johannes Görz (28). Sein Arbeitgeber ist die Mediengruppe Oberfranken (MGO). Was die beiden Männer verbindet: Ihre Söhne werden bald gemeinsam bei den "Sonnenkäfern", der betrieblichen Kinderbetreuung ihrer Arbeitgeber, spielen.

MGO und Medatixx haben gemeinsam ein Projekt entwickelt, das so in Bamberg bisher einzigartig ist: Eine "betriebliche Großtagespflegestelle", die heute eröffnet wird.

Hinter dieser sperrigen Bezeichnung steckt eine klare Idee: Eine Betreuungsstelle für die Kinder der Angestellten - und zwar ausschließlich. Die treibenden Kräfte dahinter waren Miriam Dittert von der MGO und Ursula Vogler von Medatixx, beide Leiterinnen im Bereich Personal.

Thema in Personalabteilung
Sie waren vor rund einem Jahr bei einem Treffen der Wirtschaftsförderung, bei dem auch das Thema Kinderbetreuung angesprochen wurde, ins Gespräch gekommen. "Das hat jeder Personaler auf der Agenda", sagt Ursula Vogler. "Es hat sich nur in der Vergangenheit nicht umsetzen lassen."

Diesmal hat es geklappt. Das liegt auch an der speziellen Form der Betreuung, die Günter Diller vom Stadtjugendamt erklärt. Er hatte Ursula Vogler und Miriam Dittert die "Großtagespflege" vorgeschlagen. "Es handelt sich um eine Zwischenform zwischen einer Kinderbe treuungseinrichtung wie einer Kita, und der Kindertagespflege, also die Tagesmutter, die bis zu fünf Kinder in ihrer Wohnung betreut."

In der betrieblichen Großtagespflegestelle passen zwei selbstständig arbeitende Tagesmütter auf insgesamt acht Kinder auf. Jede betreut vier Kinder, für die sie die Bezugsperson ist.

"Die Besonderheit ist, dass die Kinder eben nicht zu Hause in der Wohnung, sondern in angemieteten Räumen in der Obhut der Tagesmütter sind", erläutert Diller. Daher rührt das "Groß" vor der "Tagespflege" - zwei Tagesmütter anstatt einer, acht Kinder anstatt fünf.

Bei dieser Betreuungsform sind im Gegensatz zur Kita die gesetzlichen Auflagen nicht ganz so streng. "In einer Kinderbetreuungseinrichtung wie einer Krippe sind zum Beispiel Raumgrößen vorgeschrieben und die Fachkräfte müssen eine bestimmte Qualifizierung vorweisen", erklärt Günter Diller weiter.

Qualifizierende Kurse
In der Kindertagespflege arbeiten meist Frauen, die in mehreren Kursen eine Qualifizierung zur Tagesmutter durchlaufen haben - wie auch Kristin Jäger (36). Gemeinsam mit Diplom-Pädagogin Daniela Kalenyak (29) passt sie auf den Nachwuchs der Mitarbeiter von MGO und Medatixx auf.

Ihren Arbeitsplatz, ein Nebengebäude der MGO in der Gutenbergstraße, haben sie selbst in einer Mal-Aktion verschönert. "Wir wollten, dass die Kleinen von freundlichen Tieren willkommen geheißen werden", sagt Kristin Jäger.

An den weißen Wänden konnten die Frauen, von denen jede selbst einen kleinen Sohn zu Hause hat, ihrer Fantasie freien Lauf lassen. Ein Wal im Eingangsbereich, Elefant, Katze und Bär an der Wand zum Schlafraum, durch deren Guckloch im Bauch man den Kindern beim Schlafen zusehen kann.

Firmen investierten
Die Räume waren renoviert und nach Vorgaben des Jugendamtes umgebaut worden. 50.000 Euro hat sich das die MGO kosten lassen. Möbel und Spielsachen hat der Kooperationspartner Medatixx mit etwa 8000 Euro beigesteuert.

Hinzu kommen für beide Firmen Vorhaltekosten - jedem Unternehmen sind vier Plätze zugeordnet. Diejenigen, die nicht belegt sind, finanziert die jeweilige Firma so lange, bis ein Kind angemeldet wird. Zudem unterstützt das Stadtjugendamt das Projekt mit einem finanziellen Zuschuss.

Bis März sind fünf Plätze belegt
Noch ist der kleine Alexander, Sohn von Jan und Inna Braun, das einzige Kind bei den "Sonnenkäfern". Aber das wird sich im Laufe der nächsten Monate ändern: Bis März 2013 werden fünf der acht Plätze belegt sein.

Günter Diller freut sich: "Es traf sich ausgesprochen gut, dass sich die beiden Tagesmütter mit ihrem Wunsch nach Selbstständigkeit gerade dann beim Stadtjugendamt vorstellten, als die zwei Firmen jemanden für ihre Kinderbetreuung suchten", sagt Günter Diller.

Deren Geschäftsführung stand sofort hinter der Idee der betrieblichen Kinderbetreuung. "Wir wollen unsere qualifizierten, erfahrenen und mit der Region und dem Unternehmen verbundenen Mitarbeiter halten", sagt Walter Schweinsberg, Geschäftsführer der MGO.

Fachkräfte sind auch das Stichwort bei Jens Naumann, Geschäftsführer von Medatixx. Und er fügt schmunzelnd hinzu: "Das Signal wurde in unserer Mitarbeiterschaft offensichtlich wohlwollend aufgenommen. Das erkennt man an der steigenden Zahl der Schwangerschaften bei unseren jungen Mitarbeiterinnen."

Die betriebliche Großtagespflegestelle "Sonnenkäfer"
Name In einem Wettbewerb wählte eine Jury aus über 100 Vorschlägenden den Namen "Sonnenkäfer" für die Kleinkindbetreuung aus.

Betreuung Insgesamt stehen acht Plätze für Kleinkinder von null bis drei Jahren zur Verfügung. Die Betreuungszeiten in dem Gebäude in der Gutenbergstraße sind montags bis donnerstags von 7.30 bis 16 Uhr, freitags bis 15 Uhr.

Projekte Eine rein betriebliche Großtagespflegestelle wie in der Kooperation der Mediengruppe Oberfranken und Medatixx gibt es in Bamberg bisher nicht.

Die Sozialstiftung Bamberg hat für die Kinder ihrer Mitarbeiter in der Kinderkrippe "Zwergenträume Philippus" Belegplätze reserviert. Auch die Universität Bamberg verfügt über Belegplätze in einer Kinderkrippe, der "Kindervilla". Sozialstiftung und Uni haben dies jeweils in Verträgen mit dem Träger, dem Diakonischen Werk, festgelegt.

Im Mütterzentrum gibt es die Großtagespflegestelle "Minihüpfer". Diese ist im Gegensatz zu den "Sonnenkäfern" an kein Unternehmen gebunden.
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