Bamberg
Außergewöhnliche Handwerksazubis

Beruf mit einem Hauch von Gold

Lukas Nagel lernt eine Technik, bei der tausendstel Millimeter dünne Goldblättchen verarbeitet werden. Seine Ausbildung zum Vergolder verlangt neben einer ruhigen Hand auch Interesse an Kunst- und Kulturgeschichte.
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Lukas Nagel beim "Anschießen". Der Azubi vergoldet hier den Unterbau eines Kreuzes vom Querhaus der Kirche St. Michael in Bamberg.  Foto: Matthias Hoch
Lukas Nagel beim "Anschießen". Der Azubi vergoldet hier den Unterbau eines Kreuzes vom Querhaus der Kirche St. Michael in Bamberg. Foto: Matthias Hoch
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Wer die Familie von Lukas Nagel betrachtet, wundert sich nicht, dass für ihn nur ein Handwerksberuf infrage kam. Und zwar einer mit künstlerischer Ader. Der Großvater Kirchenmaler, der Vater Steinbildhauer, Onkel und Tante Meister in Kirchenmalerei und Vergolden. "Man wächst als Kind da rein", sagt der 16-Jährige. Von klein auf bearbeitet er Steine und probiert Modelliermasse aus.

Im September vergangenen Jahres hat Nagel seine Ausbildung begonnen. Im Betrieb von Robert Dörfler in Bamberg. Der Kirchenmalermeister, Vergolder und Fassmaler sowie geprüfte Restaurator hat sich vor zehn Jahren selbstständig gemacht und beschäftigt zehn Mitarbeiter. "Ich habe auch schon versucht, über Zeitarbeitsfirmen an Leute zu kommen", berichtet er. " Aber bei uns, wo künstlerische Fähigkeiten und gewisse Fertigkeiten wichtig sind, ist es sinnvoller, die Leute selbst heranzuziehen. Da weiß ich, was ich habe", sagt er.

Auch Malen und Restaurieren

Sein Azubi konnte sich aussuchen, ob er Kirchenmaler oder Vergolder lernen möchte. Er entschied sich für die Vergolderlehre. Im Alltag darf er freilich, wie die anderen Mitarbeiter samt Chef, alles machen, auch malen und restaurieren.

Renommierte Handwerkerfamilie hin oder her - ein Praktikum musste Nagel bei Robert Dörfler dennoch absolvieren. Es zeigte sich: Das Verständnis für Ornamententwicklung war da, außerdem gute Fähigkeiten beim Zeichnen. Vergolden durfte der Praktikant noch nicht. Das Üben ist schwierig, weil mit Kosten verbunden. Blattgold, das Arbeitsmaterial der Vergolder, ist teuer. Rund zwei Euro kosten ein paar Quadratzentimeter, sieben bis neun tausendstel Millimeter dünn.

Wer so ein Blatt gegen das Licht hält, kann mitunter durchsehen. "Es gibt keinen Ausschuss", sagt Meister Dörfler und grinst.

Zwölf aus ganz Deutschland

Da war es nützlich, dass Nagels Großvater ihm das Vergolden schon gezeigt hatte. An einer verwitterten Marienfigur mit Jesuskind im heimischen Garten im Landkreis Bamberg. So konnte der Azubi mit Vorkenntnissen nach München reisen, wo ihm während seiner dreijährigen Ausbildung in der Berufsschule auch theoretische Grundlagen seines Berufes vermittelt werden. Zwölf Vergolderazubis aus ganz Deutschland sind dort momentan in einer Klasse, die Mehrzahl Frauen.

Das Vergolden kannten schon die alten Ägypter. Seit Jahrhunderten läuft das Arbeiten mit der hauchdünnen Form des Edelmetalls Gold gleich ab. Der Vergolder legt sich sein Kissen bereit, ein kleines Holzbrettchen mit Wildlederüberzug und Wattepolsterung. Behutsam legt er Blattgoldpapier aus einem Blöckchen, das aussieht wie ein kleiner Notizblock, darauf und schneidet es mit dem stumpfen Vergoldermesser zurecht. "Da darf kein Hautfett drauf sein, sonst pappt das Gold fest und ist verloren", sagt Dörfler.

Es zerfällt sofort

Verloren im wahrsten Sinne des Wortes. Dörfler nimmt etwas Blattgold in die Hand und reibt ein wenig. Sofort zerfällt es in so kleine Teilchen, dass fast nichts mehr davon zu sehen ist.

Bei der Technik der Polimentvergoldung wird der Untergrund zunächst mit warmer Leimlösung überstrichen. Nach dem Trocknen folgen unter anderem mehrere Kreidegrundschichten, die geschliffen werden. Das eigentliche Vergolden bei diesem zeitaufwendigen Vorgang ist das sogenannte Anschießen: Mit einem Pinsel aus langen Eichhörnchenhaaren wird das Blattgold Schicht für Schicht aufgetragen. Wichtige Voraussetzung: Der Pinsel muss - anders als das Vergoldermesser - Fett aufweisen und elektrostatisch aufgeladen sein. "Wir langen dazu mit den Pinselhaaren einfach auf die Wange", sagt Lukas Nagel.

Hauptkunde: Kirchen

Kunden des Betriebs, in dem er ausgebildet wird, sind zu 70 bis 80 Prozent die Kirchen, daneben öffentliche Einrichtungen. "Wenn ein Kirchengebäude renoviert wird, dann müssen anschließend alle Objekte im Innenraum gereinigt werden. Und da sind Fachleute gefragt", nennt Dörfler ein Beispiel für mögliche Aufträge.

An solchen Aufträgen mangelt es dem Bamberger Betrieb derzeit nicht. Oft komme man auf Empfehlung an neue heran. Aktuell arbeitet die Firma an der Pfarrkirche St. Gangolf in Bamberg, der Bayreuther Schlosskirche und der Frauenkirche in München.

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