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Meedensdorf
Gebäudeschaden

Beim "Hafner-Haus" besteht Einsturzgefahr

Ausgerechnet bei der Dorferneuerung bildeten sich an dem historischen Gebäude in Meedensdorf tiefe Risse. Die Ursache ist vermutlich Unachtsamkeit bei den Straßenbauarbeiten. Jetzt fordern die Besitzer die Instandsetzung, doch der Schuldige ist noch nicht gefunden. Und ist die Sache überhaupt zu reparieren?
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Frisch verputzt und gestrichen war das Haus von Christian und Jutta Schleicher. Wer jetzt durch diesen Türbogen geht, muss aufpassen. Fotos: Barbara Herbst
Frisch verputzt und gestrichen war das Haus von Christian und Jutta Schleicher. Wer jetzt durch diesen Türbogen geht, muss aufpassen. Fotos: Barbara Herbst
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Im Jahr 2004 hatten Christian und Julia Schleicher das alte "Hafner-Haus" an der Sandstraße in Meedensdorf erworben, sanierungsbedürftig zwar, aber mit vielversprechenden Perspektiven. Unter Denkmalschutz stand und steht es nicht. Bis zum Jahr 2006 machte man daraus einen wohnlichen Landsitz. Doch dann fing ausgerechnet mit der Dorferneuerung der Ärger an.

Es begann damit, dass das Grundstück an zwei Abschnitten der Ortssanierung lag - am Brunnenplatz und an der Sandstraße. Jedenfalls wurde der Abschnitt Brunnenplatz so ausgeweitet, dass noch ein paar Meter Sandstraße mit dabei waren, und das reichte aus, um zu Beitragszahlungen herangezogen zu werden. Und dabei war den Meedensdorfern zunächst versprochen worden, dass sie zu solchen Leistungen gar nicht herangezogen würden.
Doch als dann die Sandstraße saniert wurde, erhielten Christian und Jutta Schleicher noch einen Bescheid, während am Ende der Straße, im sogenannten Außenbereich, zwei Anwesen unbelastet blieben, eben weil sich ihre Grundstücke außerhalb des Ortsbereiches befinden.

"Dennoch haben wir die rund 10.000 Euro gezahlt", sagt Christian Schleicher, obwohl es zuvor schon einigen Ärger mit der Dorferneuerung gegeben hatte. Das begann mit dem ersten Abschnitt am Brunnenplatz und setzte sich erst recht fort mit dem Ausbau der Kreisstraße, weil hier die Sandstraße als Umleitung diente. "Bei fast allen Arbeiten waren das Materiallager und die Maschinen am Gemeindehaus. Also musste der ganze Schwerlastverkehr - sogar die Stadtbusse wurden durch die Sandstraße geleitet - in all den Jahren immer an unserem Haus vorbeifahren", erinnert sich Schleicher. "Die Erschütterungen, immer wenn ein Lkw oder Bagger vorbei fuhr, waren im ganzen Haus zu spüren". Und nur wenige Monate nach neuem Verputz und neuem Anstrich zeigten sich die ersten feinen Risse im Gemäuer.

Zuvor schon habe er sich im Rahmen einer Bürgerversammlung nach einem Beweissicherungsverfahren erkundigt, um eventuelle Schäden geltend machen zu können, erinnert sich Schleicher weiter. Es sei ihm mitgeteilt worden, dass es eine Beweissicherung geben werde. Später habe es geheißen, eine Beweissicherung werde es geben, wenn die Sandstraße an der Reihe sei. Dazu ein Blick auf den Zeitplan der Dorferneuerung von Meedensdorf: Mit dem Brunnenplatz wurde 2006 begonnen, die Kreisstraße folgte 2007, die Steinäckerstraße 2008, die Hofstraße 2010, die Sandstraße 2011. "Wir haben uns da von Anfang an nicht ernst genommen gefühlt".

"Gefühlt" hat man aber dennoch etwas, und zwar das Rumoren der schweren Maschinen und das Vibrieren des eigenen Hauses beim Schwerlastverkehr der ersten Jahre. Schon 2009 habe man deshalb einen Brief an die Gemeinde Memmelsdorf gerichtet und persönlich im Briefkasten am Rathaus eingeworfen. Doch diesen Brief hat die Gemeinde Memmelsdorf nach eigenem Bekunden nicht erhalten. Auch auf ein zweites gleichlautendes Schreiben 2011 habe man bisher keine Antwort erhalten, bedauert Schleicher.

Inzwischen sind die Risse in dem Gebäude nicht mehr zu übersehen, meterlang und bis zu mehrere Zentimeter breit. An zwei Stellen sind Mauerteile herausgebrochen. Weil das Fundament aus großen Sandsteinquadern besteht, hat sich an einer Stelle ein solcher Quader abgesenkt, sodass er seine tragende Wirkung nicht mehr erfüllt.

Immerhin: Kurz vor dem Baubeginn in der Sandstraße wurden "Spione" angebracht, die die Verbreiterung der Risse dokumentieren. Damit scheint immerhin bewiesen, dass die Lage durch diese Arbeiten schlimmer geworden ist. Größer geworden sind aber auch die Sorgen der Hausbesitzer: "Wir müssen inzwischen befürchten, dass ganze Mauerteile wegrutschen können". Daran hat auch nichts geändert, dass die Baufirma auf mehrere Meter Länge zur Grundstücksgrenze hin die Straße mit einer Betonfüllung versehen hat. "Von allen ist bisher viel gesagt worden. Schriftlich haben wir aber nix" lautet dazu das Fazit von Christian Schleicher.

Gemeinde sucht nach Lösung

Bei der Gemeinde Memmelsdorf war Bürgermeister Johann Bäuerlein für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Bauamtsleiter Michael Karmann bekannte, dass unbestreitbar Schäden an dem Haus entstanden seien. Jetzt gehe es darum, zusammen mit allen Beteiligten nach den Ursachen zu forschen und eine Lösung zu finden. Man habe volles Verständnis dafür, dass die Besitzer ihr Haus wieder in einem ordnungsgemäßen Zustand haben wollten. "Ich gehe davon aus, dass die entsprechenden Versicherungen vorhanden sind", stellte Karmann eine baldige Lösung in Aussicht. Die Gemeinde jedenfalls habe Planer und Baufirmen nach bestem Wissen und Gewissen ausgewählt.
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