Bamberg
Bier

Der Bamberger Bierkrieg - Wie der Bierpreis die Bamberger einte

Am 1. Oktober 1907 beschließt die Brauereivereinigung, den Preis für ein Seidla von elf auf zwölf Pfennig anzuheben. Es folgt ein Aufstand.
Artikel drucken Artikel einbetten
Die Postkarte dokumentiert den Bamberger Bierkrieg.  Foto: Private Sammlung Christian Fiedler
Die Postkarte dokumentiert den Bamberger Bierkrieg. Foto: Private Sammlung Christian Fiedler
+3 Bilder
Da wird der Bamberger im Wirtshaus verrückt: Am 1. Oktober 1907 beschließt die Brauereivereinigung, den Preis für ein Seidla, einen halben Liter, von elf auf zwölf Pfennig anzuheben (manche Quellen sprechen auch von einer Erhöhung von zehn auf elf Pfennig). "Außerdem sollte das ,Heinzlein" genannte Nachbier für einen Pfennig pro Halbe nicht mehrangeboten werden", ergänzt Bierkenner Christian Fiedler.



Das ist ein Skandal, auch und gerade weil die letzte Bierpreiserhöhung 110 Jahre zurückliegt. "Die Vokabel ,Bierpreiserhöhung' existierte im Bamberger Sprachgebrauch nicht", verdeutlicht der Stadtkenner. Kein Wunder also, dass sich die Bamberger Bürgerschaft zu einer Einheit formiert und das Bier der lokalen Brauereien boykottiert!


Bei der Bierpreiserhöhung hört der Spaß auf



"Es ist erstaunlich, wie sehr der als etwas träge geltende Bamberger reagierte, als es ums Lieblingsgetränk ging", sagt Fiedler. "Bei der Bierpreiserhöhung hörte der Spaß auf, was den glücklicherweise unblutig ausgetragenen Streit einzigartig in der Brauereigeschichte der Stadt macht." Vor allem drei Wirte wollen sich die Maßnahme nicht gefallen lassen.


Zunächst wollten die Bamberger Brauereien den Boykott aussitzen


Sie beschließen, den Brauern eins auszuwischen und ihr Bier künftig im nahe gelegenen Forchheim zu kaufen, um ihren Gästen weiterhin die gewohnten Preise zu bieten. Die Brauereien wollen den als Bamberger Bierkrieg bekannt gewordenen Boykott zunächst aussitzen, doch nach einer Woche machen sie einen Rückzieher: "Als die Brauer sahen, dass immer mehr Fässer aus Forchheim angeliefert wurden, nahmen sie die Preiserhöhung am 7. Oktober zurück."


Vorsitzender der Brauereivereinigung tritt zurück

Und doch ist dann nicht wieder alles beim Alten: "Der Vorsitzende der Brauereivereinigung musste zurücktreten, Vereinsmitglieder warfen ihm vor, verantwortlich für die Preiserhöhung gewesen zu sein", weiß Christian Fiedler. Aber das wichtigste Ziel war erreicht: Die Bamberger konnten sich fortan wieder zum gewohnten Preis ihr Lieblingsgetränk schmecken lassen.


Drei der stärksten Biere der Welt: jetzt bei Amazon bestellen


Dieser Text stammt aus dem Buch "Was Bamberg prägte", das im Verlag Bast Medien in Kooperation mit dem Fränkischen Tag erschienen ist. Es hat 192 Seiten, kostet 14,90 Euro (ISBN: 978-3-946581-21-5) und ist erhältlich in der Geschäftsstelle des FT, in Buchhandlungen und online unter www.bast-medien.de.


was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren