Bamberg
Wirtschaft

Horando : Zwei Bamberger machen Millionengeschäft mit Luxus-Uhren

Von 100 000 auf über 1,8 Millionen Euro Umsatz innerhalb von nur vier Jahren: Mit Horando, einem Onlineshop für Luxusuhren, starten zwei Bamberger durch.
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Alles dreht sich um Luxusuhren: Christopher Fischer fotografiert ein teures Modell für eine 360-Grad-Ansicht im Onlineshop Horando. Der Hauptsitz und die einzige Filiale des Unternehmens mit zwei Mitarbeitern ist das Geschäft in der Langen Straße.  Foto: Sebastian Schanz
Alles dreht sich um Luxusuhren: Christopher Fischer fotografiert ein teures Modell für eine 360-Grad-Ansicht im Onlineshop Horando. Der Hauptsitz und die einzige Filiale des Unternehmens mit zwei Mitarbeitern ist das Geschäft in der Langen Straße. Foto: Sebastian Schanz
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Die teuerste Uhr im Online-Shop Horando kostet 300 000 Euro. Die Uhrzeit lässt sich auf der nach einem Skelett benannten "BR-X1 Skeleton Tourbillon Sapphire Black" erst auf den zweiten Blick erkennen. Doch darauf kommt es in dieser Preisklasse offenbar nicht unbedingt an. "Sie sparen 100 000 Euro", steht in grüner Schrift daneben, denn die unverbindliche Preisempfehlung des Herstellers beträgt 400 000 Euro.

Schon hier wird klar: Im Luxusgeschäft der Bamberger Christopher Fischer und Stefan Sebök gehen die Uhren anders. "In diesem Preissegment sind die Modelle wahnsinnig stark limitiert", erklärt Sebök. Die teuerste Uhr, die er je verkauft habe, lag bei 150 000 Euro. "Bis 50 000 Euro liegen wir jedoch in einem Bereich, in dem wir ständig verkaufen", sagt sein Geschäftspartner Fischer.

Nur zwei Mitarbeiter

Gerade hat es Horando in die Focus-Liste Wachstumschampion 2019 für die am schnellsten wachsenden Unternehmen in Deutschland geschafft: von mindestens 100 000 Euro Umsatz 2014 auf mindestens 1,8 Millionen 2017. Wer in dem durch und durch designten Internetshop herumklickt oder durch die Sicherheitstür in die Horando-Filiale in der Langen Straße eintritt, der vermutet nicht, dass die beiden Geschäftsführer gegenüber des glänzenden Ladentischs gleichzeitig die einzigen Mitarbeiter des Unternehmens sind.

Unweit der Filiale ereignete sich im Januar ein spektakulärer Einbruch bei einem anderen Bamberger Juwelier- eine Diebesbande raste mit einem gestohlenen Wagen einfach durch die Fassade.

Fragende Gesichter

Wer sich in der Bamberger Geschäftswelt umhört, der erntet beim Namen Horando fragende Gesichter. Weder ein traditioneller Uhrenhändler noch ein erfahrener Einzelhandelsvertreter haben von dem Geschäft gehört. Hier wächst eine Onlinegröße unbemerkt von den unmittelbaren Nachbarn.

Wie machen die beiden Bamberger das? Die Erfolggeschichte der zwei Händler klingt wie der amerikanische Traum in Bamberg. Angefangen hat alles mit einem Ebay-Shop. "Ich habe mit 16 mein erstes Unternehmen gegründet", sagt Sebök und muss lachen. Weil seine Eltern - der Vater Auktionator - ihm keine teuren Poloshirts finanzieren wollten, kaufte er die begehrten Stücke günstig aus Insolvenzmassen und verkaufte sie teurer im Internet. Seine Favoriten zog er selbst an.

Im Prinzip macht er bis heute nichts anderes - nur eben mit Uhren. Beim BWL-Studium in Heidelberg hatte er mit seinem alten Bamberger Kumpel bei einigen Gläsern Wein die zündende Idee: "Lass uns Luxusuhren verkaufen."

Rolex-Konzession unmöglich

Ein Faible für teuren Marken hatten beide schon seit ihrer Kindheit. Sebök hatte seinen Ebay-Shop schon seit einiger Zeit um Uhren erweitert, die er von einem befreundeten Juwelier bezog. Doch an die großen Marken kamen die beiden Bamberger nicht heran. Eine Rolex-Konzession als Händler zu bekommen, war für die beiden Studenten ein Ding der Unmöglichkeit. Also zogen sie sich schicke Anzüge an, fuhren quer durch ganz Europa und sprachen persönlich bei Händlern vor. Mit Erfolg. "Die Branche ist wahnsinnig konservativ, auch im Hinblick auf Internethandel. Aber die Resonanz war sehr gut", berichtet Fischer. Von diesem Netzwerk profitiert der 31-Jährige und sein 32-jähriger Geschäftspartner bis heute: Sie kommen an exklusive Modelle heran.

"Wir verkaufen auf den ersten Blick nur Uhren online, aber wir können unserem Kunden namhafte Marken anbieten, kümmern uns um Zahlungsabwicklung, Logistik, Pre- und After-Sales, Wartung und Sicherheit", sagt Sebök, während Fischer ein teures Modell in einer futuristisch aussehenden Kugel drapiert: Mit dem Gerät lassen sich 360-Grad-Ansichten der Modelle anfertigen, die im Onlineshop Wirkung erzielen sollen. Knapp 1000 der 4500 im Shop angebotenen Uhren haben die Geschäftsführer schon so abgelichtet. Von manch besonders rarem Stück gibt es nur die Fotos der Hersteller. Paradox: Von den teuersten Modellen gibt es die schlechtesten Fotos.

Kaum Bargeld im Spiel

Mancher Kunde kaufe die Uhr als Geldanlage, lege sie ungetragen ins Bankschließfach. Andere suchten exklusive Geschenke. Das Thema Geldwäsche sei ihnen bewusst, doch nur weniger als ein Prozent der Bezahlungen funktioniere über Bargeld, sagen die Bamberger Händler. Das Kundenspektrum reicht vom Dax-Vorstand bis zum Rotlicht-Milieu. Fußballstars zieht es ebenso in die Filiale in der Langen Straße wie Sprösslinge reicher Eltern. Diese Filiale ist die einzige weltweit. Ein realer Fixpunkt in der virtuellen Welt. Hier beraten die Geschäftsführer persönlich. Die Internetseite hat ein externen ITler generiert. Das Lager liegt außerhalb Bambergs.

Wie soll es für Horando weitergehen? "Die Überlegung für weitere Mitarbeiter ist da", sagt Fischer. Damit wolle man sich aber Zeit lassen, immerhin sei man ein eingespieltes Zweierteam.

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