LKR Bamberg
ÖPNV-Serie

(Be-)Förderung verbessern: Landkreis Bamberg bezuschusst Bürgerbusse und -mobile

Der Landkreis hat beschlossen, Bürgerbusse und -mobile deutlich stärker zu fördern. Aber bringt mehr Geld auch mehr Bürger in die Busse? Sieben Gemeinden haben ihre Bürgerbus-Projekte eingestellt, wegen mangelnder Nachfrage.
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Die zusammengenommen 35 Gemeindeteile von Burgebrach und Schönbrunn sind mit einem Bürgerbus verbunden. Das Verkehrskonzept wird künftig deutlich stärker vom Landkreis gefördert.  Foto: Ronald Rinklef/Archiv
Die zusammengenommen 35 Gemeindeteile von Burgebrach und Schönbrunn sind mit einem Bürgerbus verbunden. Das Verkehrskonzept wird künftig deutlich stärker vom Landkreis gefördert. Foto: Ronald Rinklef/Archiv

Um Ortsteile mit wenig Einwohnern mit der Hauptgemeinde zu verbinden, können die Bürger einen von der Kommune bereitgestellten Kleinbus bestellen, der sie an der Bushaltestelle abholt und für einen kleinen Obolus zur Zielhaltestelle bringt. Ein Tratsch mit dem Fahrer über die Geschehnisse im Ort inbegriffen, wie der Reporter beim Selbsttest von Schönbrunn nach Burgebrach herausfinden durfte. Dazu müssen keine leeren Linienbusse durch dünn besiedelte Gebiete fahren. Das Konzept Bürgerbus klingt überzeugend.

Die neuen Zuschüsse

Und der Landkreis Bamberg will es nun deutlich stärker fördern, wie der Umweltausschuss kürzlich einstimmig beschlossen hat. Statt bisher 50 Prozent gibt es für die Landkreis-Gemeinden nun 80 Prozent Zuschuss zu den jährlichen Defiziten - und statt maximal 2500 Euro nun bis zu 12 000 Euro pro Jahr. Außerdem wird auch die Anschaffung eines Fahrzeugs bezuschusst, mit 25 Prozent des Kauf- oder Leasingpreises (maximal 10 000 Euro). Zusätzliche Boni gibt es für ehrenamtliche Fahrdienste (90 statt 80 Prozent jährlich) und emissions- und/oder barrierefreie Fahrzeuge (plus je 1500 Euro).

Neu ist zudem, dass diese Förderung im gleichen Maße nun auch Bürgermobile erhalten, die zuvor nicht bezuschusst wurden. Dieses Angebot richtet sich vornehmlich an ältere oder immobile Gemeindemitglieder, die nach Anmeldung umsonst oder für einen symbolischen Euro von der Haustür zum Arzt oder Einkaufen und zurück gefahren werden. Zum Artikel: Gedrängel und Ausfälle im ÖPNV: Sechs Verbesserungsvorschläge unserer Leser

Beides Angebote, die Heidrun Schindler fürs Alter in Erwägung zieht. In ihrer Reaktion auf unsere ÖPNV-Serie hat sie bemängelt, dass es an Verbindungen zu den verschiedenen Ortsteilen ihrer Heimatgemeinde Ebrach fehle. Schindler ist allerdings skeptisch: In Ebrach gab es bereits einen Bürgerbus - der mangels Nachfrage aber schon nach einem Jahr Probelauf wieder abgeschafft wurde. "Die Anmeldung ist viel zu kompliziert und nicht kurzfristig möglich", sagt sie. Außerdem seien ein bis zwei Tage die Woche für wenige Stunden nicht ausreichend. Wäre das Angebot besser, würde sie es gerne nutzen. "So bleibe ich lieber beim Auto, solange ich noch kann", bringt Schindler auf den Punkt, was wohl viele Landkreis-Bewohner denken.

Denn neben Ebrach haben sechs weitere Gemeinden ihre Bürgerbus-Projekte mangels Nachfrage wieder eingestellt. Die meisten nach kurzer Zeit, Zapfendorf erst nach 17 Jahren. "Einst waren wir Vorreiter", sagte die Zapfendorfer Marktgemeinderätin Liselotte Berbig mit ratlosem Blick im Juli 2017, als der Rat das Projekt beerdigte. Nach bis zu jeweils 500 Fahrten in den Anfangsjahren sank die Zahl auf zuletzt gerade einmal 16 Fahrten. "Woran das liegt, weiß ich nicht", sagt Bürgermeister Volker Dittrich. "Aber an mangelnder Förderung lag es nicht." Entsprechend will er trotz höherer Zuschüsse in Zukunft von Bürgerbussen absehen. "Wir haben auch keine Rückmeldungen bekommen, dass sich die Bürger das wünschen." Sollten Bürgermobile angefragt werden, wäre das eine Möglichkeit, "wir haben die Busse ja noch", sagt er. Vor allem will Dittrich weiter auf die bestehenden Alternativen im Ort setzen, neben der Mitfahrbank vor allem auf das E-Carsharing, das seit der Einführung vor drei Jahren sehr gut genutzt werde.

Bürgermobil in Viereth

Auch Viereth-Trunstadt hatte ein Bürgerbus-Projekt, das wieder eingestellt wurde. "Wir haben Bushaltestellen angefahren, meistens leer", begründet Bürgermeisterin Regina Wohlpart die Entscheidung, stattdessen nun ein Bürgermobil anzubieten. Der Vorteil: "Wie der Name sagt, ist es mobil und holt die Leute zu Hause ab." Entsprechend freut sie sich über die zu erwartenden Zuschüsse aus dem Landratsamt. Denn das Bürgermobil wird sehr gut genutzt, in diesem Jahr bereits über 70 Mal. Für eine Fahrt zum Arzt oder zum Einkaufen müssen die Vierether nur einen Euro bezahlen, "das ist aber nur dank der ehrenamtlichen Fahrer machbar", sagt Wohlpart. So braucht es bei allen neuen Verkehrskonzepten wohl auch in Zukunft für die Zusammenführung der Ortsteile den Zusammenhalt im Ort.

Kommentar: Breites Angebot für Umgewöhnung nötig

Bürgerbusse sind ein gut klingendes Konzept. Allerdings wurden sie in der Vergangenheit teils kaum genutzt, weshalb viele Gemeinden sie wieder abschafften. Verständlich aus Sicht der Kommunen, die nicht auf den unnötigen Ausgaben sitzen bleiben wollen.

Aber um die Landkreisbewohner vom gewohnten Auto auf den ÖPNV umzugewöhnen, braucht es längere Testphasen und vor allem: ein möglichst breites, gut ausgebautes, aufeinander abgestimmtes Angebot von Bus, Bahn und sämtlichen Alternativen - mit dem Ziel, zumindest nahe an die Bequemlichkeit eines Privatautos heranzukommen. Den nur mit der Umgewöhnung möglichst vieler Bürger können wir Umwelt, Luft und Ressourcen so schonen, wie es dringend nötig ist. Und das kostet Geld, viel Geld.

Die Kreistagsmitglieder scheinen mit dem intermodalen Mobilitätskonzept des Landkreises nun aber auch dazu bereit zu sein, was die einstimmige Zustimmung aller Umweltausschuss-Mitglieder zum breiten Verbesserungspaket für den öffentlichen Verkehr zeigte. Bei allem (oft berechtigten) Ärger über den ÖPNV im Landkreis kann man diese intensiven Bemühungen auch mal loben - was ich hiermit tue.

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