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Landwirtschaft

BayWa: Bauern setzen auf Satellitendaten

Der Konzern beobachtet neben der fortschreitenden Digitalisierung auch einen Trend hin zu mehr Bio-Landbau. In Franken sind die Umsätze 2017 gestiegen.
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Infolge der Auswertung mehrjähriger Satellitendaten ergibt sich unter anderem eine Karte, die zeigt, wo auf dem Feld welche Aussaatmenge pro Quadratmeter sinnvoll ist. Foto: BayWa
Infolge der Auswertung mehrjähriger Satellitendaten ergibt sich unter anderem eine Karte, die zeigt, wo auf dem Feld welche Aussaatmenge pro Quadratmeter sinnvoll ist. Foto: BayWa
Digitale Technik ist in der Landwirtschaft nicht neu. Das Führerhaus eines Traktors gleicht inzwischen einem Cockpit. Um etwa die Spur zu halten oder Feldbegrenzungen nicht zu überschreiten, gibt es Softwarelösungen wie den Leitspurmanager, der bis auf zwei Zentimeter genau den Schlepper steuert.
Die Möglichkeiten derartiger digitaler Innovationen sind enorm. Das hat die BayWa spätestens im vergangenen Sommer erkannt, als sie sich mehrheitlich an der Vista GmbH in München beteiligt hat. Das Unternehmen entwickelt auf der Basis von Satellitendaten digitale Lösungen wie beispielsweise flächengenaue Vorhersagen zum Nährstoff- und Wasserbedarf. "Das ermöglicht dann eine gezielte Düngung, ohne dass ein Auswaschen ins Grundwasser erfolgt", erklärt Günter Schuster, Regionalleiter der Sparte Technik, einen Vorzug solcher Daten. Die Technik werde so für mehr Glaubwürdigkeit sorgen. Wenn sich Smart Farming, Automatisierung und die Fernerkundung über Satelliten vernetzen, dann werde zum Beispiel auch verhindert, dass Gülle unkontrolliert ausgebracht wird, ergänzte sein Kollege Bernhard Schleicher von der Sparte Agrar. Dazu gebe es für die Landwirte auch die passende Software, die auf Knopfdruck die gesetzlich zulässigen Mengen für Stickstoff, Phosphor und Kali berechnet. "Das wird das Vertrauen in die Produktion heimischer Lebensmittel extrem steigern", ist Schuster überzeugt.


BayWa als Vollsortimenter Bio

Die Satellitendaten liefern Material für teilflächenspezifisches Arbeiten, nicht nur bei Düngung, sondern auch schon gleich bei der Aussaat. Je nach Ertragsprognose kann so an bestimmten Stellen auf dem Feld gezielt mehr ausgesät werden.
Aber noch ein anderer Trend hat bei der BayWa Einzug gehalten: der zu mehr Bio-Landbau. "Wir sehen einen deutlichen Zuwachs bei Biogetreide. Viele Landwirte sind auf dem Weg zu einem ökologischen Landbau", berichtet der Agrar-Spartenleiter für Ober- und Mittelfranken, Bernhard Schleicher. Auch sehr große Betriebe würden jetzt umstellen. "Das Ganze ist nachfragegetrieben", sagt Schleicher. Der Verbraucher sei bereit, mehr zu zahlen. Daher sei die Biobranche aus der Nische getreten. "Wir erwarten hier auch weitere Steigerungsraten." Dies ist laut Schleicher eine weltweite Entwicklung. Weshalb sich die BayWa für die Landwirte inzwischen als Vollsortimenter für Bio präsentiere: vom Saatgut über Logistik bis zu Sonderkulturen. Den Trend hin zu Bio zeigt laut Technik-Chef Schuster noch eine andere Entwicklung. Die Nachfrage nach Maschinen zur mechanischen Unkrautvernichtung im Kontrast zu Spritzmitteln sei gestiegen. Die Angebote für Öko-Landwirte nähmen nach und nach zu.
Insgesamt musste die Sparte Agrar in Franken mit 296 Millionen Euro im vergangenen Jahr erneut Umsatzeinbußen hinnehmen (nach 308 und 330 Millionen Euro in den Vorjahren). Dies sei vor allem den schwierigen Märkten aufgrund der weltweit fünften Rekordernte in Folge geschuldet, sagte Karl Bittermann, Leiter des Verwaltungszentrums Franken der BayWa. Insgesamt sei der Umsatz in der Region aber gestiegen, weil die anderen drei Sparten Technik, Energie und Baustoffe im Vergleich zum Vorjahr zulegen konnten.
Der Gesamtumsatz in Franken betrug rund 1,03 Milliarden Euro. Neben Agrar (296 Millionen Euro) trugen die Sparten Technik (190 Millionen Euro), Energie (265 Millionen) und Baustoffe (278 Millionen Euro) dazu bei.


2100 Beschäftigte in Franken

Insgesamt betreibt die BayWa in Franken 109 Standorte und beschäftigt hier rund 2100 Menschen. In diesem Jahr sind an den fränkischen Standorten Investitionen in Höhe von 24 Millionen Euro geplant, der Großteil in der Sparte Baustoffe. Hier gab es zuletzt in der Region eine Umsatzsteigerung in Höhe von acht Prozent, berichtete Spartengeschäftsführer Jochen Schneider. Aufgrund der niedrigen Zinsen erwartet Schneider auch heuer eine rege Bau- und Ausbautätigkeit, die der Sparte letztlich zugute kommt.


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