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Baulandmodell in Gaustadt: Das Warten geht weiter

35 Baugrundstücke sollen oberhalb von Gaustadt von der Stadt zu vergünstigten Konditionen angeboten werden. Doch noch immer müssen Interessenten warten
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Die Straßen sind schon fertig, doch noch verzögert eine Normenkontrollklage den Start des geplanten Wohnbaulandmodells.  Ronald Rinklef
Die Straßen sind schon fertig, doch noch verzögert eine Normenkontrollklage den Start des geplanten Wohnbaulandmodells. Ronald Rinklef

Auf einen der wenigen freien Bauplätze in Bamberg zu hoffen, das ist in dieser Zeit ähnlich realistisch wie auf einen Sechser im Lotto. Wer seinem Glück nicht traut und auch nicht über das nötige Kleingeld verfügt, braucht zumindest endlose Geduld, wie derzeit viele Familien erfahren müssen, die auf ein Grundstück auf dem Gelände der ehemaligen Ziegelei Megalith in Gaustadt spechten.

Zeit genug ist seit der Stilllegung der früheren Agrob ins Land gegangen. Als das Unternehmen 2001 seinen Betrieb in Bamberg aufgab, wurde noch mit Mark gezahlt. Seit 2005 laufen die Bemühungen der Stadt, das 13,5 Hektar große Plateau oberhalb des Flusstals in ein neues Wohnbaugebiet umzuwandeln.

Die ehemaligen Ziegeleigebäude sind längst abgerissen, neue Straßen durchziehen mittlerweile die nackte Baufläche. Dennoch müssen Interessenten immer noch warten. "Man wird hingehalten, vertröstet. Man fühlt sich hilflos", berichtet Sebastian H. im März dieses Jahres.

Doch auch Ende November 2018 kann die Stadt noch kein grünes Licht geben. Sie verweist auf nach wie vor andauernde Verhandlungen mit der benachbarten Brauerei Kaiserdom, die laut Stadt eine Normenkontrollklage gegen den Bebauungsplan erhoben hat. Nun solle ein Interessensausgleich gefunden werden. "Ziel ist, so schnell wie möglich die Bebauung der Fläche zu ermöglichen", sagt Stadt-Sprecher Steffen Schützwohl.

Doch es gibt auch eine gute Nachricht. Wenigstens über den Preis, zu dem insgesamt 35 Grundstücke im Wohnbaulandverfahren verkauft werden sollen, muss nicht mehr spekuliert werden. Laut Mitteilung der Stadt soll der Quadratmeter 310 Euro kosten

Bei Grundstücksgrößen von 320 bis 650 Quadratmetern kommen so Kosten von 100 000 bis 200 000 Euro pro Baurecht zusammen. Wenn alles wunschgemäß läuft, können sich Interessenten Anfang nächsten Jahres bei der Stadt Bamberg bewerben. Die Einkommensgrenzen für den Zuschlag liegen bei einem Kind bei etwa bei 65000 Euro pro Familie im Jahr, bei zwei Kindern bei 95 000 Euro.

Der Preis von 310 Euro pro Quadratmeter ist hoch, wenn man ihn mit dem vergleicht, der 2012 beim letzten Wohnbaulandmodell (TV 1860) im Bamberger Osten aufgerufen wurde, 185 Euro. Er ist aber immer noch niedriger als das, was der Eigentümer des Geländes für die 70 Grundstücke im freien Verkauf verlangt. Stefan Schwab von der VR-Bank Erlangen-Höchstadt beziffert den Quadratmeterpreis mit 385 bis 420 Euro.

Ein Hindernis für die zügige Veräußerung sind solche Summen offenbar nicht. Wie es bei der Bank hieß, sind lange vor dem Baustart bereits 75 Prozent der Fläche verkauft. "Die Nachfrage ist sehr hoch", sagt Schwab. Das habe vor allem damit zu tun, dass es in Bamberg wenig vergleichbares gebe: "Es sind die einzigen frei bebaubaren Grundstücke, die in Bamberg bekannt sind."

Doch die Grundpreise sind nur ein Kostenfaktor. In Folge der stark gestiegenen Baupreise kommt es auf der Gaustadter Industriebrache dazu, dass schlüsselfertige angebotene Reihenhäuser erstmals in dieser Stadt in größerer Zahl die 500 000-Euro-Grenze überschreiten. Doch auch das gibt der Markt offenbar her, wie das Interesse nahe legt. Laut Schwab sind sämtliche Reihenhäuser bereits "schriftlich reserviert".

Über die Konsequenzen solcher Entwicklungen streiten die Experten. Von einer vertanen Chance spricht Stadtplaner Markus Schäfer. Die öffentliche Förderung für die im Baulandverfahren vergebenen Grundstücke helfe der ursprünglich ins Auge gefassten Zielgruppe nicht mehr: "Jemand mit geringem oder mittlerem Einkommen hat bei solchen Preisen auch mit der Förderung keine Chance." Schäfer findet, dass in einer Schwarmstadt wie Bamberg über kostensparendere Wohnungsbaukonzepte nachgedacht werden müsse.

Diese Kritik mag Daniela Reinfelder, Stadträtin aus Gaustadt und Architektin, nicht teilen. Sie verteidigt den Preisboom auf dem Megalith-Gelände als eine Folge der Nähe zur Innenstadt und der guten Infrastruktur in Gaustadt. Sie biete vom Freibad bis zur Bushaltestelle so gut wie alles. Zudem könne man auch in Gaustadt noch unter 400 000 Euro ein Eigenheim errichten: "Wer ein Fertighaus kauft, auf den Keller verzichtet und sich mit einem kleinen Grundstück zufrieden gibt, wird nicht viel mehr als 300 000 Euro zahlen."

Kommentar des Autors:

Jenseits der Schamgrenze

Megalith - das klingt ein ein bisschen wie Megacity. Megalangsam oder megateuer trifft den Kontext aber besser. Denn es gibt wenige Baugebiete im weiten Umkreis, in denen sich das Elend der deutschen, aber auch der spezifisch Bamberger Wohnungsbaupolitik schärfer spiegelt als in diesen 105 Grundstückchen, für die nicht wenige Menschen ein oder auch zwei Leben lang werden arbeiten müssen. Es sind ja nicht nur die Niedrigzinsen, der Bevölkerungsdruck, die gestiegenen Baukosten und eine Flut von Auflagen, die dazu führen, dass nun auch noch gewöhnliche Reihenhäuser die Schamgrenze von einer halben Million Euro übersteigen. Auf diesem Baugebiet am Stadtrand hat sich in 18 Jahren ein Heer von Gutachtern, Juristen und Verwaltungsfachleuten eine gespenstische Schlacht geliefert.

Diese Party muss jetzt bezahlt werden.

Arme Häuslebauer.

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