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Scheßlitz
Landwirtschaft

Bauern nutzten die große Bühne

Der Protest gegen den Preisdruck und viele als Gängelung empfundenen Vorschriften bestimmten den Scheßlitzer Bauerntag des BBV.
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Edgar Böhmer (rechts) und Jörg Deinlein spielten im Sketch zwei Bauern auf einer Demo. Foto: Joseph Beck
Edgar Böhmer (rechts) und Jörg Deinlein spielten im Sketch zwei Bauern auf einer Demo. Foto: Joseph Beck
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Der Scheßlitzer Bauerntag des Bayerischen Bauernverbandes (BBV) versprach dieses Jahr nicht nur wegen der anstehenden Kommunalwahl interessant zu werden, sondern auch wegen der andauernden Proteste von Land-schafft-Verbindung (LSV). Deren Vertreter waren auch hier mit über 30 Traktoren mit gelb-blinkenden Warnanlagen und lautem Hupen vorgefahren in den Saal eingezogen.

War da die Einstimmung durch die Bamberger Jagdhornbläser die Ruhe vor dem Sturm? BBV-Kreisobmann Edgar Böhmer schlüpfte gleich eingangs der Veranstaltung in der wieder voll besetzten Turnhalle des TSV-Scheßlitz in die Rolle eines demonstrierenden Bauern und brachte zusammen mit Jörg Deinlein einen viertelstündigen Sketch auf die Bühne, bei dem die beiden aufgebrachten Bauern so gut wie alle Probleme ihres Berufsstandes auf das Tablett brachten. Nach der Regie von Autorin Dagmar Deinlein führten sie mit Humor, aber in deutlichen Worten den anwesenden BBV-Funktionären, Politikern, Bauern und Gästen vor, wie katastrophal es um sie als Bauern steht.

"Wer die Bauern quält, wird nicht mehr gewählt"

Mit ihren Plakaten "Wer die Bauern quält, wird nicht mehr gewählt" und "Gibt es keine Bauern mehr, bleiben die Regale leer" wollten die beiden die vielen anwesenden Politiker von der Kommunal-, Landes- und Bundespolitik und auch die Verbraucher aufrütteln. Den donnernden Applaus ihrer Bauernkollegen erhielten sie immer wieder zwischendurch, besonders aber am Ende ihrer klar verständlichen, witzigen und humorvollen Darbietung.

Hauptrednerin des Abends war dann Marlene Mortler, MdEP (Mitglied im Ausschuss für Landwirtschaft und ländliche Entwicklung). Sie sprach über: "Brauchen wir eine Landwirtschaft in Deutschland?"Die Frage beantwortete sie sofort mit einem "eindeutigen Ja" und begründete das so: "Wenn unsere Rohstoffe nur noch dort produziert werden, wo es am billigsten geht, wenn globale Spieler damit spielen und jonglieren, dann haben wir alle verloren, die Bauern und die Verbraucher."

Landwirtschaft als Chefsache

Die Medikamentenengpässe der jüngsten Zeit führte Mortler dann als Beweis ihrer Forderung an. Das Ziel müsse also sein, weiterhin hier hochwertige Nahrungsmittel zu erzeugen. Wenn der Bauer nur noch Landschaftspflege mache, sei sein Berufsziel verfehlt. Weiter will sie "einen Markt mit leben und leben lassen und die Moral, dass die Bauern vor Ort leben können".

Zwischendurch gab es die fast schon obligatorische Medienschelte, da die Bauern vielfach als schwarze Schafe dargestellt würden. Und dann lobte die EU-Politikerin immer wieder mal die LSV-Vertreter, die es von der Basis her zustande gebracht hätten, dass auch andere erkannt hätten, wie ernst es sei.

Deswegen habe auch Kanzlerin Merkel Landwirtschaft zur Chefsache gemacht und beispielsweise die Gesprächsrunde mit den Lebensmitteleinzelhändlern initiiert. Die Düngeverordnung und andere Themen wurden in der über eine Stunde dauernden Rede abgehandelt. "Es war wie in der Kirche", sagte dazu hinterher Erhard Brehm von LSV. Zum Schluss rief Mortler alle Bauern auf, sich auf allen politischen Ebenen dafür einzusetzen und Überzeugungsarbeit zu leisten. "Bringt hinaus, dass es noch nie so gute Lebensmittel gab wie heute!"

Leidenschaftliche Diskussion

Als Böhmer die Diskussionsrunde eröffnete, begann ein Teil der Veranstaltung, den viele bei früheren Bauerntagen vermisst hatten und so wurde lange und leidenschaftlich mit und gegeneinander gerungen. Dieter Laufer aus Lisberg ergriff als erster das Wort, auch im Namen seiner Mitstreiter von LSV. Er griff dabei auch massiv den BBV an. "Diese jungen Landwirte haben in einem Vierteljahr so viel erreicht, was der Bauernverband über Jahre verschlafen hat." Des weiteren forderte er den BBV auf, das Parteibuch aus der Hand zu legen. Auch der altbekannte Redner auf dem Scheßlitzer Bauerntag, Georg Pfister, trat ans Rednerpult. Er wiederholte zwar bekannte Statements, erhielt aber für seine Forderungen für die Bauern viel Applaus.

Hoch kochten dann bei allen Rednern die Gefühle, als das Thema Nitratmessstellen angesprochen wurde. Vom ehemaligen Scheßlitzer Wasserwart Josef Vogt, dem ehemaligen Kreisobmann Heiner Faatz, dem BBV-Vorstandsmitglied Klaus Deinlein und erneut Vertretern des LSV, alle konnten die Bewertungspunkte, die Lage und die Umstände der Meldungen nach Brüssel nicht nachvollziehen. Auch Edgar Böhmer berichtete von der jüngsten Besichtigung von Messstellen. Alle äußerten massive Vorwürfe an die Verwaltung und fragten, was sie denn nun tun sollten. Auch der BBV-Obmann zeigte sich ratlos und konnte Michael Salomon (LSV) keine Antwort geben, was denn nun in den nächsten Wochen mit der Gülle gemacht werden solle.

Mortler wollte die Lage nicht beschönigen, legte aber dar, dass sie europaweite einheitliche Standarts bei den Nitratmessstellen wolle. Man müsse sich aber in einer Demokratie an Recht und Gesetz halten, was einige Bauern zu lautstarken Buhrufen veranlasste, da der jetzige Zustand nach ihrer Meinung nichts mehr mit Gerechtigkeit zu tun hat.

Die Skepsis bleibt

Grußworte sprachen dann der Scheßlitzer Bürgermeister Roland Kauper, Landrat Johann Kalb, MdL Holger Dremel (alle CSU) und MdB Andreas Schwarz (SPD). Sie alle forderten die Bauern auf, zusammenzuhalten. Sie seien auf ihrer Seite und versuchten, ihre Lage zu verbessern.

In den Gesichtern der Bauern aber spiegelte sich Skepsis, die sie ja bereits in der Diskussion geäußert hatten. Für Christian Besler und seinen LSV muss der Kampf deshalb weitergehen, sagte er beim Verlassen des Saales.

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