Zapfendorf
Lebensplanung

Bauer sucht Frau: Paar aus Franken schildert Realität

Über die RTL-Kuppel-Serie "Bauer sucht Frau" können Lisa und Sebastian Leithner nur den Kopf schütteln. Das jungvermählte Paar aus Oberfranken hat einen fremden Hof übernommen - und das ohne bäuerliche Wurzeln.
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Sebastian und Lisa Leithner Foto: Barbara Herbst
Sebastian und Lisa Leithner Foto: Barbara Herbst
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Es könnte eigentlich auch "Elektriker sucht Frau" heißen, meint Lisa Leithner. "Man merkt einfach, dass vieles nicht echt ist", sagt die 22-Jährige über die Kuppel-Serie "Bauer sucht Frau" des Fernsehsenders RTL, die in den vergangenen Wochen über die Bildschirme flackerte.

Auch Lisa saß vor dem Fernseher - und ärgerte sich. "Die Bauern werden als dumm und schmutzig dargestellt. Sie stehen da wie die letzten Deppen", schimpft sie. "Was da gezeigt wird, entspricht nicht der Realität."
Lisa Leithner hat die Realität kennen gelernt. Auf einer Silvesterfeier traf sie vor sieben Jahren Sebastian, seit 2010 sind die beiden ein Paar, im September dieses Jahres feierten sie Hochzeit. "Nie im Leben hätte ich gedacht, auf einem Bauernhof zu landen. Aber ich bin für alles offen", sagt sie.

Der Mann, den sie im Herbst geheiratet hat, besitzt auch keine bäuerlichen Wurzeln. Aber in ihm steckt etwas anderes. "Das Wichtigste", sagt Sebastian Leithner, "ist Leidenschaft." "Seit ich acht Jahre alt bin, will ich Bauer werden."
Es begann damals in den Sommerferien. Mit einem Schulfreund besuchte Sebastian immer wieder einen Landwirt im Heimatort Bischberg (Landkreis Bamberg). Er half auf dem Bauernhof mit, bekam eine Brotzeit und träumte vom Schlepper-Fahren. Doch der Berufswunsch "Landwirt" war kaum zu verwirklichen. "Wenn man von den Eltern keinen Quadratmeter Acker bekommt, dann hat man es schon sehr sehr schwer", sagt er.

Suche endlich erfolgreich

Sebastian Leithner machte eine Ausbildung in einem Garten- und Landschaftsbaubetrieb. Seiner Leidenschaft ging er trotzdem noch nach. Nach der Arbeit und am Wochenende half er bei einem Bekannten in dessen landwirtschaftlichen Betrieb mit. "Finanziell war es nur ein Taschengeld, aber ich habe da viel gelernt."
Es folgte einmal pro Woche der Besuch von Abendkursen in Bamberg im "Bildungsprogramm Landwirt" (BiLa) des Landwirtschaftsamts mit Gesellenprüfung als Landwirt. "Das hat mich einfach interessiert."

Als Garten- und Landschaftsbauer ist der 31-Jährige heute noch tätig. Der Vollzeitjob hielt ihn in den vergangenen Jahren nicht davon ab, immer mehr Felder rund um seinen Heimatort zu pachten und nebenbei zu bewirtschaften.
Doch seit einigen Wochen ist aus der Agrar-Leidenschaft mehr geworden als ein Hobby. "Wir haben von Anfang an offen darüber geredet. Sebastian hat immer gesagt, irgendwann einen Betrieb übernehmen zu wollen", erzählt Lisa.

Bauer ohne Nachkommen

Seit Oktober haben die beiden nun einen solchen Betrieb. Ein Landwirt aus Reuthlos bei Zapfendorf (Landkreis Bamberg) übergibt den beiden seinen Hof. Der 67-Jährige hat keine Nachkommen. Und er hatte sich schon lange Gedanken darüber gemacht, was einmal werden soll aus seinem Anwesen, aus Feldern, Stall und Kühen.
Vor ungefähr zehn Jahren hatte der Bauer schon einmal Kontakt zu Sebastian Leithner aufgenommen. Dieser hatte in jungen Jahren in der Zeitung inseriert: "Suche landwirtschaftlichen Betrieb im Nebenerwerb". Die beiden telefonierten miteinander. Der Bauer aus Reuthlos merkte schnell: Sebastian zeigt zwar Interesse, ist aber noch zu unerfahren. Aus der Hofübergabe wurde vorerst nichts.

"Dennoch hat er meinen Werdegang verfolgt", erzählt Sebastian Leithner. Und er habe irgendwann gelesen, dass der junge Mann inzwischen sogar eine Weiterbildung zum Landwirtschaftsmeister erfolgreich absolviert hatte.

Diesmal klappt es

Im September 2013 klingelte bei Sebastian Leithner erneut das Telefon. Jetzt wurde der Landwirt aus dem knapp 100-Seelen-Ort Reuthlos konkreter. "Er war sehr offen und ehrlich zu uns", sagt Sebastian. Beide Parteien ließen sich vom Bauernverband beraten, und auch ein Steuerberater gab die nötigen Auskünfte.
Vor einigen Monaten schlossen Leithner und der Hofübergeber den Vertrag auf Erbpachtbasis. Der 67-Jährige erhält im Bauernhaus ein Wohnrecht und zieht im Keller in eine Einliegerwohnung. Er bekommt von den Leithners monatliche Zahlungen auf Rentenbasis. Und er packt weiterhin auf seinem ehemaligen Hof mit an - jetzt aber freiwillig. "Anhand von Betriebszahlen kann man vorher abschätzen, was für Pachtzahlungen übrig bleibt", erklärt Sebastian Leith ner.

Ziel: Vollerwerbslandwirt

Rund 25 000 landwirtschaftliche Betriebe gibt es in Franken, die Flächen von fünf Hektar und mehr bewirtschaften. Sebastian und Lisa Leithner besitzen nun 80 Hektar Ackerland und Wiesen, einschließlich der Flächen rund um Bischberg. Hinzu kommen 30 Mastrinder im Reuthloser Stall. Eine ambitionierte Aufgabe, zumal die beiden noch weiterhin Vollzeit in ihren bisherigen Berufen als Garten- und Landschaftsbauer bzw. Einzelhandelskauffrau arbeiten wollen. "Ohne Unterstützung von anderen geht es nicht", sagt Sebastian. "Wir sind uns bewusst, dass die nächsten Jahre relativ arbeitsintensiv werden."
Zum Vergleich: Der durchschnittliche Haupterwerbsbetrieb in Bayern bewirtschaftet 41,8 Hektar Fläche. Nur noch Landwirt sein - das will Leith ner in fünf Jahren erreicht haben. Er träumt von Direktvermarktung, von Lehrlingsausbildung auf dem Hof und von Schulklassen, denen er das richtige bäuerliche Leben zeigen kann. "Wenn es klappt, können wir beide zuhause bleiben und sind nicht abhängig von anderen Leuten", sagt Ehefrau Lisa.

Schüchternheit als Klischee

Laut Bayerischem Bauernverband steht ungefähr alle 30 Jahre eine Hofübergabe an. Bei den 25 000 fränkischen Betrieben wären das dann rund 800 im Jahr, die meisten im Rahmen der Generationenfolge in der Familie. "Eine außerfamiliäre Hofübergabe ist etwas Außergewöhnliches. Ich schätze, das ist nur in einem von 300 Fällen so", sagt Sebastian und spricht in seinem Fall von "Glück".
Der leidenschaftliche Landwirt verwendet das Wort auch, wenn er von seiner Lisa spricht. "Jeder ist seines Glückes Schmied", sagt er. "Ein Landwirt, der sich bemüht, findet auch ohne RTL eine Frau." Und so schüchtern, wie die Landwirte immer dargestellt würden, seien sie keinesfalls, ergänzt Lisa Leithner. "Das meiste im Fernsehen ist einfach nur Einschaltquoten-Effekthascherei."

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