Bamberg

Bambergs OB-Debatte im Live-Ticker zum Nachlesen

Die drei Bamberger Oberbürgermeisterkandidaten trafen erstmals öffentlich aufeinander. Lesen Sie alles im Live-Ticker nach.
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Die drei OB-Kandidaten (v.l.): Wolfgang Grader (Grüne), Gerhard Seitz (CSU) und Andreas Starke (SPD) Foto: FT-Archiv
Adrian Grodel begrüßt alle Bamberger, alle Landkreisbewohner und alle Menschen auf dieser Welt, die sich für unsere schöne Stadt interessieren, beim Live-Ticker von infranken.de. Wir freuen uns auf das erste öffentliche Aufeinandertreffen der drei OB-Kandidaten Andreas Starke (SPD), Gerhard Seitz (CSU) und Wolfgang Grader (Grüne). Zehn Minuten vor dem Start der Veranstaltung sind schon fast alle Besucher da, es sind nur noch wenige freie Stühle zu sehen. Ich hoffe genauso wie Sie auf einen spannenden Abend. Denn wir wissen ja: Was den Wahlkampf hier angeht – es kann nur besser werden! Oder anders gesagt: Es ist noch genügend Luft nach oben…
 
Sie sehen also, es wird ein ganz klein wenig amerikanisch heute Abend, wenn man so will. Ein Hauch von US-Vorwahlen in den altehrwürdigen Bamberger Haas-Sälen…



 
Werfen wir mal einen kurzen Blick darauf, was uns genau heute Abend erwartet:
 
Los geht’s um Punkt 19 Uhr mit einer kurzen Begrüßung und Vorstellung der Regeln. Danach stellen die Moderatoren die Kandidaten vor.Danach beginnt die rund einstündige Debatte, wobei die Moderatoren den Kandidatenn gezielt kritische Fragen zu brisanten Bamberger Themen stellen. Es gibt pro Kandidat drei Fragen, auf die er jeweils zwei Minuten lang antworten darf – die beiden anderen dürfen dann jeweils ebenfalls zum selben Thema zwei Minuten lang reden.

Gegen 20.10 Uhr müssen sich alle drei Kandidaten einem kurzen, spaßigen Bamberg-Quiz stellen. Mal sehen, wer hier wirklich Bamberg-fit ist…
 
Weiter geht’s dann mit Fragen an die Kandidaten, die uns FT-Leser im Vorfeld eingeschickt haben. Und ganz am Ende dürfen Grader, Starke und Seitz dann in einem so genannten Abschluss-Statement sagen, was ihnen auf dem Herzen liegt. Und danach kommt der spannendste Moment: das Publikumsvotum! Starke, Seitz oder Grader – wer ist am besten angekommen?
 
Die Ringrichter und Moderatoren des Abends:

Gertrud Glössner-Möschk, Chefin der Bamberger Lokalredaktion des Fränkischen Tags;
Michael Wehner, Chefreporter in der Bamberger Lokalredaktion
 
Zuschauer: 300 (ausverkauft)
 
Weil wir die Veranstaltung heute Abend ganz sportlich sehen – und wir hoffen, die Kandidaten sehen es genauso – präsentieren wir hier schon mal ganz in Boxer-Manier die Wahlkämpfer, die sich auf dem Podium gegenüberstehen:
 
In der grünen Ecke: der Herausforderer von den Grünen, Wolfgang Grader. 51 Jahre alt, gebürtiger Österreicher, kam 1994 von Wien nach Bamberg. Seit 2002 sitzt er für die Grün-Alternative-Liste im Stadtrat, seit 2010 ist er stellvertretender Fraktionsvorsitzender der GAL. Grader ist Lehrer und Bundesvorsitzender der Tibet-Initiative Deutschland.
 
In der schwarzen Ecke: der Herausforderer von der CSU, Gerhard Seitz, 57 Jahre alt, seit 1991 Leiter des Instituts für Pathologie am Klinikum Bamberg. Der Professor ist parteilos, wurde aber 2008 auf CSU-Ticket in den Stadtrat gewählt. Er ist Mitglied der CSU-Fraktion. Bekannt in Bamberg, wenn man so will, ist Seitz für seine Liebe zu politischen Karikaturen. Er verschaffte der Stadt mehrere große Ausstellungen.
 
Und schließlich in der roten Ecke: der bisherige Champion und Amtsinhaber, Andreas Starke von der SPD. 55 Jahre alt, in Hamburg geboren, in Bamberg aufgewachsen. Starke arbeitete bis zu seiner Wahl zum OB als Rechtsanwalt. Dreimal trat er zur OB-Wahl in Bamberg an, 2006 hat es schließlich geklappt. Er ist im Vorstand des Bayerischen- und Deutschen Städtetags. Starke ist ausgewiesener Sportfan, egal ob Fußball, Tennis oder Basketball.

 
Die Gästeblocks: Jeder Kandidat durfte 25 Unterstützer nominieren. Auffällig: Viele der Andi-Starke-Fans sind mir orangefarbenen Schals gekommen. Orange, das war bereits die Farbe, mit der Starke 2006 in den Wahlkampf gezogen ist. Mal sehen, ob auch die Anhänger von Seitz und Grader später irgendwie Farbe bekennen. Feste Fanblocks unter den Zuschauern sind auf den ersten Blick nicht zu erkennen, die Anhänger verteilen sich überall im Saal.

 
Es ist 19.10 Uhr - und jetzt, Ring frei!
 
Erste Fragerunde: ein lokalpolitsches Aufregerthema, die Kettenbrücke. Michael Wehner fragt nicht danach, wie es zu dem Kostendesaster bei möglicherweise zwei Brücken kommen konnte. Er fragt nach den Konsequenzen: Was hat Bamberg aus dem Schaden gelernt, der ja bekanntlich klug macht. Wie wollen Sie, Herr Oberbürgermeister verhindern, dass es so weiter geht? Andi Starke bleibt mit seiner Antwort genau in den zwei Minuten: Es gebe eine Aktiv- und Passivseite. Die Kostenentwicklung gehe sicher af die Passivseite. Starke weist darauf hin, dass er sofort für Transparenz gesorgt habe, er habe die verantwortlichen städtischen Bereiche reformiert, man habe die Spitze des EBB ausgetauscht.

Wolfgang Grader und Gerhard Seitz kontern: Die Stadtverwaltung habe aus dem Desaster nicht gelernt. "Jeder, der eine Wohnung baut, muss auf die Kostenkontrolle achten", sagt Grader. Er spricht sich wie Seitz für ein eigenes Brückenbauamt aus. Seitz: Man hätte viel früher einschreiten müssen.


 
Frage von Wehner: Welche grüne Politik ist in Bamberg sichtbar? Grader: Wir haben die Klimaallianz umgesetzt, ebenso wie ein Anti-Atom-Memorandum noch vor Fukushima, außerdem hätten die Grünen schon vor 20 Jahren einen Parküberwachungsdienst beantragt.

Raunen im Publikum: Wehner fragt Seitz, warum er der bessere Starke sein will, wenn die Bamberger das Original haben könnten. Seitz: Man kann mir viel nachsagen, aber "ich kann mit Geld umgehen". Seitz will für ein konsequentes Kostencontrolling stehen. Beifall für Starke: "Wir stehen besser da als alle anderen Städte in Oberfranken!"

Nächstes Thema: Stechert-Arena. Wolfgang Grader weist darauf hin, dass sie als privat finanziertes Projekt gedacht war und deshalb die Stadt keine Gelder investieren darf.

Jetzt wird's spannend: Seitz wird nach der unerlaubten Verwendung des Brose-Baskets-Logo für seinen Flyer gefragt. Seitz sagt, seit Dienstag hätte er das Logo bereits von der Homepage entfernt. Außerdem habe er Tibor Pleiß eine Stelle als Zivildienstleistender im Klinikum verschafft - das sei "aktive Förderung der Basketballer".

Starke betont nochmal, dass die Arena für die "kulturelle Vielfalt der Stadt" notwenig sein. Man werde mit einem deutlichen Überschuss mit der Halle abschließen.

 
 
Nächster Themenkomplex Finanzen: Andreas Starke betont: "Ich will so weitermachen wie bisher." 2008 habe es weltweit die bisher größte Finanzkrise gegeben und "wir haben unsere Schulden abgebaut". "Ich habe 37 Millionen Euro Schulden geerbt, jetzt sind wir bei 31 Millionen." Jetzt ist Grader in seinem Element: "Wenn wir so wie unter Starke weitermachen, haben wir bald überhaupt kein Geld mehr!" Der Verwaltungshaushalt schrumpfe immer mehr ein, und der finanzielle Spielraum für die Stadt werde  immer enger. Grader will Schwerpunkte auf energetische Sanierung der Schulen und Gebäude setzen. Weitere Großprojekte seien der ICE durch Bamberg und die sinnvolle Nutzung von möglichen Konversionsflächen, wenn die Amerikaner abziehen.

Jetzt aber: Seitz wirft Starke vor, dass er Probleme mit Zahlen habe. Seitz stimmt Grader zu, dass es Finanzprobleme geben werde. Er will ebenfalls in das Jahrhundertprojekt Schulen in Bamberg Gelder investieren.
 


Stellt jetzt Starke die Fragen. Er will von Seitz wissen, wie er sich an seiner Stelle, gerade in Zeiten der Finanzkrise und den gleichzeitig laufenden Großprojekten verhalten hätte? Seitz: "Ich hätte viel mehr Rücklagen gebildet und Geld, das sie in die Brücken hinausgegeben haben, in die Schulen investiert!"



 
 
Thema Verkehrspolitik: Seitz fordert eine Tiefgarage unter dem Schönleinsplatz, ein Raunen geht durchs Publikum. Starke lehnt dies komplett ab - leichter Beifall. Er will verkehrspolitisch lieber das Verkehrsnetz verbessern, wo es "unschädlich" ist, Beispiel Kronacher Straße, und den öffentlichen Personalverkehr stärken. Grader: Mit mir als OB wird es keine Tiefgarage Schönleinsplatz geben! Er bemängelt, dass beim ÖPNV bisher - trotz Anschluss an den VGN - nur viel geredet wurde, die Situation sich aber nicht entscheidend verbessert habe.
 
So, jetzt ein absolut wichtiges Thema für die Stadt: bezahlbarer Wohnraum für Familien. Starke verweist auf das TV 1860 Gelände, das die Stadt gekauft habe. Die Anfragen nach Wohnungen seien bereits riesig. Auf dem Glaskontor-Gelände gebe es einen Wettbewerb, auch das hochpreisige Erba-Gelände laufe gut. Grader fordert "Wohnungspolitik für alle". Vier Baulandmodelle seien zu wenig. "Es gibt viele Familien, die sich kein Baulandmodell leisten können. Sie brauchen eine bezahlbare Wohnung". Hier habe die Stadtbau schon noch Nachholbedarf... Grader fordert eine Verdichtung des Wohnraums in der Innenstadt, nicht auf der "grünen Wiese."
 

Bambergs Luxusproblem, die vielen Touristen, ist jetzt das Gesprächsthema. Worüber andere Städte sich freuen würden, wird in Bamberg heftig diskutiert. Was sagt Starke?: Er will qualitätsvollen Kulturtourismus in Kooperation mit dem Landkreis. Grader fordert die Stadt auf, gegen den Massentourismus vorzugehen. Er bemängelt beispielsweise die fehlenden Toiletten in der Innenstadt.

Seitz: Man kann niemandem verbieten, nach Bamberg zu kommen. Man kenne die Stadt, vor 20 Jahren seien es nur die 65-Jährigen gewesen, die gekommen waren. Seitz mahnt Vorsicht bei den veröffentlichen Touristenzahlen an. Er zweifelt, ob die auch so stimmen. Eine richtige Lösung des Problems scheint Seitz offenbar nicht zu haben.
 
Jetzt kommen wir zur Einkaufsstadt Bamberg: Sofort gibt es Beifall aus dem Publikum für Grader: Das Atrium sei verkehrstechnisch sehr gut erreichbar, aber trotzdem stehe es leer. Grader bemängelt, dass man mit der Vermietung von Läden, vor allem in der Innenstadt, mehr verdiene, als wenn man diese betreibe. Grader fordert ein nachhaltiges Konzept für die Lange Straße, mit einer vorübergehenden Sperrung sei nichts zu erreichen.

Gerhard Seitz fordert: Der Mix an Läden muss stimmen. Großer Beifall jetzt. Seitiz nimmt den Citymanager Klaus Stieringer in die Pflicht. Darum müsse sich der Citymanager kümmern, als immer nur große Veranstaltungen in die Innenstadt zu holen "Kein Ballermann in Bamberg!"

Jetzt kommt Starke: Wir haben keinen Leerstand in der Innenstadt, das sei ein gutes Zeichen. Starke schlägt sich auf Stieringers Seite. In anderen Städten sei er ein gefragter Gastredner, in Bamberg verkenne man dagegen seine Qualitäten. Stieringer bringe Frequenz in die Innenstadt.

 

So letztes Thema im Frageblock, Untere Mühlen: Seitz spricht sich für eine moderne Lösung aus und sieht offenbar wenig Finanzierungsprobleme für einen opulenten Bau. Starke ist auch für eine Bebauung, er will allerdings die Bevölkerung in die Diskussion miteinbeziehen. Starke ist zuversichtlich, dass es bis zum Ende einer möglichen zweiten Amtszeit eine Lösung gibt. Na ja, wir werden sehen...

Grader könnte sich für die Unteren Mühlen auch einen freien Wettbewerb vorstellen, beispielsweise, dass die Uni das Gelände nutzen könnte.

 
Puh, die intensive Diskussion ist zu Ende, jetzt wird es lockerer. Ein Quiz. Erste Frage an die Kandidaten: Was kostet ein Seidla im Schlenkerla? Seitz: 3,20 Euro , Starke: 2,20 Euro, Grader liegt richtig: 2,40 Euro

Nächste Frage: Was ist auf dem offiziellen Wappen der Stadt Bamberg zu sehen? Seitz ist der erste, ganz spontan: der Stadtritter!

Wo wird man in Bamberg am schnellsten seine Rückenschmerzen los? Wieder hat der Pathologe die Nase vorn: Beim Krabbeln durch das Grab des Heiligen Otto in der Michelskirche.

Diesmal wissen alle drei gleichzeitig die Lösung: Wie hieß das historische Wellnessprogramm,  dem die Bamberger ihren früheren Spitznamen zu verdanken haben? Zwiebeltreten.

Letzte Spaßfrage, die Kandidaten müssen Dialekt reden: Punkt für Seitz. Bitte übersetzen Sie folgenden Satz:
„Entschuldigung, mein kleiner Marmeladeneimer ist mir entglitten“.Lösung: „Hobbala,  mei Marmeladamerla is nundergebollert.“:




 
Jetzt müssen sich die Kandidaten Leserfragen stellen. Hier gilt es also Punkte gut zu machen, denn Leser sind Wähler.

Dr. Gabriele Wiesemann kritisiert, dass das Historische Museum ausgerechnet im Winter geschlossen ist. Andere Städte seien Bamberg weit voraus.  Ihre Frage an  die Kandidaten:  Wie möchten Sie die Museumslandschaft weiterentwickeln und in welchem Zeitraum? Welche Gelder können Sie dafür zur Verfügung stellen?
 
Grader fürchtet: letztlich scheitert es am Geld.
Seitz fordert ein Buchdruckmuseum wegen der großen Buchdrucker-Tradition in Bamberg.
Starke will einen Museumsberg, eine Arbeitsgruppe stehe bereits.

Sabine und Michael Jositsch fragen nach Ausgleichsmaßnahmen oder Wiedergutmachung für das gebeutelte Berggebiet vor dem Hintergrund des Umzugs der Musikschule.
Grader: Wir waren von Beginn an kritisch zu diesem Umzug, eventuell hilft aber ein spezielles Musikschulticket weiter.
Seitz fordert den Ringschluss zwischen Gaustadt und Wildensorg, also eine abgeschwächte Version der Bergverbindung. Nur auf diese Weise lasse sich der Verkehr im Berggebiet reduzieren.
Starke sagt, die Auslastung im alten Musikschulgebäude sei sehr hoch, deshalb gebe es keine Alternative zum Umzug. Er will ebenfalls über ein Musikschulticket nachdenken.

Starke und Grader lehnen eine Bergverbindung bedingunglos ab.



Ui, jetzt kommt eine Frage zur Preispolitik des Bambados. Großes Aufregerthema! Grader bekennt sich jetzt klar zum Bambados. Es sei jetzt da, nun gelte es das beste daraus zu machen. Seitz hofft, dass das Defizit nicht höher wird. Und sagt: Wieviel Meter Tunnel hätte man für die Kosten des Bambados bauen können. Er spielt damit auf die Bergverbindung an. Prompt bekommt er Unmutsäußerungen aus dem Publikum! Das ist eindeutig: Keiner der Kandidaten legt sich auf Preissenkungen fürs Bambados fest!




Jetzt kommen noch die Abschluss-Statements:

Seitz verspricht einen Pakt für Bamberg. Er will jedes Jahr 300 Wohneinheiten schaffen, fordert eine maximale Stärkung des Mittelstands. "Ich werde mich mit aller Kraft für Familien, Schulen und Bildung einsetzen."

Grader wirbt um Vertrauen. Vertrauen sei in der Stadt das Wichtigste. Er will die Bürgerinnen und Bürger in die Politik miteinbinden und deren Interessen ernst nehmen. Die Bürger sollten besser über Projekte in der Stadt informiert werden. "Ich würde gerne die Stadt Bamberg in den nächsten acht Jahren energiepolitisch vorantreiben, das Jahrzehnt der Schulen ausrufen!" Außerdem will Grader sozialpolitische Schwerpunkte setzen.

Starke spricht von "sechs guten Jahren". Er zählt Projekte in seiner Ägide auf: Bahnhofsgelände, Uni-Erweiterung, Kronacher Straße, etc. Starke spricht seine Ziele an: Nach der Landesgartenschau sei vor der Konversion, er will die Schulen energetisch sanieren. Starke hält die Zusammenarbeit mit den Stadtrat für gut und wirbt dafür, ihm weiter zu vertrauen.


So, das war's hier in den Haas-Sälen. Die spannende Frage ist: Wer kam im Publikum am besten an? Am Ausgang können die Zuschauer nun ihr Votum abgeben. Das Ergebnis geben wir dann in unserer Samstagsausgabe bekannt.

Gute Nacht Bamberg und an den Bildschirmen – wo immer Sie auch sind!
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