Bamberg
Landschaft

Bambergs neuer höchster Punkt

Der Bausenat genehmigt den Bau des umstrittenen Hochbehälters auf dem Rothofhügel. Der Auftrag ist nun, den Speicher landschaftsverträglich einzupassen.
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Das Stabgerüst verdeutlicht die künftige Überhöhung des Rothofplateaus etwa in der Mitte. Denkmalschützern und Anwohnern gefiel diese Dimensionen nicht.   Fotos: Michael Wehner
Das Stabgerüst verdeutlicht die künftige Überhöhung des Rothofplateaus etwa in der Mitte. Denkmalschützern und Anwohnern gefiel diese Dimensionen nicht. Fotos: Michael Wehner
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Es ist ein unbemerkter Nebeneffekt jener Entscheidung am Mittwochnachmittag im Rathaus: Die Altenburg als höchste Erhebung in Bamberg wird wohl schon nächstes Jahr entthront sein. Denn durch den Bau eines neuen Hochbehälters samt seiner Erdüberdeckung wächst der Rothofhügel von 385 um einige Meter an und schaut seinem berühmten Nachbarn gewissermaßen von oben herab auf die unversehrte Waldkrone mit dem Turmzapfen.

Die vielen Kritiker des Vorhaben, Anlieger aus dem Berggebiet, naturliebende Bamberger, und Vereine wie die "Schutzgemeinschaft Alt Bamberg" und "Bewahrt die Bergstadt", wird die Aussicht auf einen neuen und wohl auch begehbaren Aussichtspunkt oberhalb Bambergs aber nicht wirklich besänftigen.

Bis zuletzt machten sie ihrer Skepsis Luft und konfrontierten die Stadträte bei einer Ortsbegehung an der mächtigen Linde mit ihrer wenig schmeichelhaften Einschätzung über ein Bauwerk, das einen beliebten Ausflugsort um etliche Meter überragen wird. "Es tut mir im Herzen weh mitanzusehen, dass hier so ein Riesending gebaut wird", sagt etwa Bernhard Schmidt, Anwohner der St.-Getreu-Straße. Auch Cornelia Daig-Kastura und Cornelia Rieger waren nicht gerade beruhigt, als sie das Stabgerüst erblickten, das die Stadtwerke aufgebaut hatten, um die Maßstäbe klar zu machen. Es überragte die ebene Fläche haushoch.

Grünen überstimmt

Dennoch bleibt es im Wesentlichen bei der Planung: Eine Mehrheit aus CSU, SPD, Bamberger Allianz und Bürger-Block entschied sich im Abwägungsprozess für die aus ihrer Sicht wichtigeren Güter der Trinkwasser- und der Löschwassersicherheit. Sie überstimmten die beiden grünen Stadträte und folgten damit den Argumenten der Stadtwerke, die eine Verlagerung an den Waldrand sowie eine Ertüchtigung der beiden bestehenden kleineren Hochbehälter aus technischen, aber auch aus Kostengründen wiederholt abgelehnt hatten. "Das ist bereits eine optimierte Planung", sagte Michael Fiedeldey, Geschäftsführer der Stadtwerke auf die Kritik aus dem Stadtrat.

Standort nach Westen gerückt

In der Tat hat der städtische Wasserversorger nach einem Aufschrei der Denkmalschützer reagiert und den ursprünglich geplanten Standort neben der Linde 100 Meter weit nach Westen gerückt. Dort entsteht nun ein 1000 Kubikmeter umfassender Wasserspeicher mit zwei Kammern, der das Gelände zwar selbst nur mit 3,50 Metern übersteigt, aber noch einmal von einer mächtigen Erdschüttung überdeckt sein wird. Zugänglich ist das Bauwerk durch ein Revisionsgebäude, das umgeben von einer Hecke und Bäume möglichst unsichtbar gemacht werden soll.

Um die Zwänge zu verstehen, in denen die Stadtwerke stecken muss man wissen: Der mittige Standort wenige Meter oberhalb der Fläche, wo einst der barocke Gutshof mit dem Namen Rothof stand, ist vor allem deshalb ideal, weil man von hier sowohl das obere Berggebiet mit Wasser versorgen kann, als auch das westlich gelegene Wildensorg, wo bekanntlich ein neues Baugebiet entsteht. Die beiden bestehenden Behälter mit einem Volumen von 200 Kubikmetern können diese Aufgabe nach Aussagen von Fiedeldey nicht mehr zur Genüge erfüllen.

Vorschlag zur Güte

Christian Lange (CSU), der die Sitzung leitete, machte sich trotz der klaren Mehrheit für einen Kompromiss stark, der dann auch allgemein Zustimmung fand. So sollen die Stadtwerke dafür sorgen, dass der Hochbehälter hinsichtlich der Zuwegung, der Eingrünung und der Überdeckung möglichst landschaftsschonend und abwechslungsreich eingepasst wird. Lange gefiel auch der Gedanke, dass der Hügel als solcher mit dem zu erwartenden prächtigen Blick auf Bamberg öffentlich zugänglich sein soll.

Einen Schritt weiter gingen Michael Bosch, Herbert Lauer (beide BA) und Martin Pöhner (FDP). Sie warben heftig dafür, den Hochbehälter möglicherweise doch noch einen oder wenigstens einen halben Meter tiefer zu bekommen - durch eine Vergrößerung der Fläche zum Beispiel. Ob das zu schaffen sein wird, ließ Fiedeldey freilich offen. Petra Friedrich, die Sprecherin der Grünen, war damit nicht zufrieden: Sie wollte nicht nur einen Appell an die Stadtwerke, sondern Sicherheit. Ihr Plädoyer für eine zweite Lesung und nochmalige Überarbeitung der Pläne fiel jedoch nicht auf fruchtbaren Boden.

Kommentar des Autors:

Bitte nicht zu technisch!

Jetzt liegt der Ball bei den Stadtwerken. Die Mehrheit im Bausenat hat den Bauantrag des Wasserversorgers genehmigt und dem städtischen Wasserversorger den Auftrag mitgegeben, er möge den Hochbehälter so in die Landschaft hineinkomponieren, dass das Gefühl eines Fremdkörpers nicht aufkommt. Das ist keine leichte Aufgabe, denn wer sich das Stabgerüst anschaut, das die Werke zur Verdeutlichung der Größenordnung noch ein paar Tage stehen lassen wollen, erschrickt erst einmal angesichts der Höhe, die Bambergs neuer Rothofhügel haben wird. Doch es gibt Beispiele in der Stadt, die zeigen, dass auch künstliche Anhöhen durchaus Charme besitzen - die Pyramidenhügel der Erbainsel etwa - unter denen Altlasten schlummern. Auch die Aussichtspunkt der alten Deponie beim Tierheim besitzt mehr Aufenthaltsqualität, als man auf einer ehemaligen Müllhalde erwarten würde. Um den spröden Charme eines gleichförmigen Zweckbaus zu kaschieren, sollte die Stadt Landschaftsexperten einbinden und auch Naturschützer um Hilfe bitten. Der Platz ist da, Bambergs neuen höchsten Punkt ansehnlich zu machen. Auch am Geld darf es nicht fehlen.

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