Bamberg
Sammlung

Bambergs Natur-Wunder

Gottesmänner und Geologen, Fürsten und Forscher, Ärzte und ein Todesengel - sie alle statteten den prachtvollen Vogelsaal im Bamberger Naturkundemuseum aus.
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Museumsleiter Matthias Mäuser (links) und Fotograf Jürgen Schabel stehen auf der Galerie im Bamberger Vogelsaal. Foto: Michael Schulbert
Museumsleiter Matthias Mäuser (links) und Fotograf Jürgen Schabel stehen auf der Galerie im Bamberger Vogelsaal. Foto: Michael Schulbert
Matthias Mäuser ist Geologe, eignet sich aber als Conférencier, der nicht ins Kabarett, sondern ins Kabinett bittet: "Tretet ein und staunt!", fordert er im Buch "Der stille Blick - die traumhafte Welt des Bamberger Vogelsaals" auf. Obwohl Mäuser seit 25 Jahren das Bamberger Naturkundemuseum leitet, hat er nichts von seinem Elan verloren und sucht jeden Sommer in einem Wattendorfer Steinbruch nach Fossilien. Zu den spektakulären Funden gehört die einzigartige Versteinerung eines Flugsauriers, die im Museum ausgestellt ist.


Der soziale Fürstbischof

Auch Mäusers Vorgänger waren vom Sammelvirus infiziert. Doch bevor es losgehen konnte, musste ein Fürstbischof die Voraussetzungen schaffen. Franz Ludwig von Erthal (1730-1795) baute sich keine Residenzen wie seine Vorgänger, sondern ein Krankenhaus. Ihm lag die Ausbildung der Geistlichen, Philosophen, Mediziner und Juristen am Herzen.

Und so sollte der Universität neben einer Bibliothek auch ein Naturalienkabinett angegliedert werden, dessen Ausstattung der Fürstbischof persönlich überwachte und dafür eifrig ausgestopfte Vögel, Schmetterlinge, Fossilien und Bücher einkaufte. Als Standort war der Nordflügel des Universitätshauses (ehemaliges Jesuitenkolleg) vorgesehen. Für den 200 Quadratmeter großen und acht Meter hohen Sammlungsraum (heute Vogelsaal) wurde die Decke zwischen erstem und zweitem Obergeschoß herausgebrochen; ein umlaufender Kranz blieb für eine Galerie erhalten.

Als Erthal 1795 starb, bedeutete dies einen gewaltigen Rückschritt. Es war Krieg und es fehlte Geld. Der Saal wurde als Depot gebraucht; die Exponate mussten weggeräumt werden, wobei der Großteil verschwand oder verdarb.


Sammlung zum Tausch gegen Arbeitsplatz

Mit Dionysius Linder (1762-1838) kam frischer Wind auf. Der Benediktinerpater, vormals Leiter der Naturaliensammlung in Kloster Banz, hatte diese Exponate nach Auflösung der Abtei als sein Privateigentum geltend machen können.

1803 war er bereit, seinen Besitz in das Bamberger Kabinett einzugliedern unter Bedingung, hier eine lebenslange Anstellung zu finden, was ihm auch gewährt wurde. Zu Linders Gönnern gehörten Herzöge, Fürstinnen und auch der aus Bamberg stammende Johann Lukas Schönlein, der es bis zum Leibarzt des Königs gebracht hatte. Seine ehemaligen, nun in die halbe Welt verstreuten Schüler schickten Krokodilschädel, Riesenschlangen, Vögel, Raubkatzen, Insekten, Schnecken- und Muschelgehäuse, die Schönlein postwendend von Berlin nach Bamberg weiterleitete.


Auch Ureinwohner im Angebot

Auch Linders Nachfolger, der Geistliche Andreas Haupt (1813-1893), war laut Mäuser "ein hingebungsvoller Sammler und Wissenschaftler". Über das Museum Godeffroy in Hamburg erwarb er Präparate von Vögeln, die von der berüchtigten Amalie Dietrich in Australien gefangen wurden. Dass die Dame den Hamburgern auch Skelette von Ureinwohnern anbot, hat ihr den Namen "Todesengel" eingebracht.

Ende des 19. Jahrhunderts herrschte in dem Raum, der inzwischen als "Vogelsaal" firmierte, drangvolle Enge. In der Folgezeit wurde er mehrfach umgestaltet, renoviert (zuletzt 2008-2010) und unter Denkmalschutz gestellt. Seine architektonische Pracht ist im Internet ausführlich dargestellt (www.vogelsaal.de), die Exponate erhalten nun mit dem Fotobuch "Der stille Blick" eine verdiente Würdigung.
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